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Fußball
25.03.2021

Kevin Volland ist ein Topstürmer - doch Jogi Löw hat keinen Platz für ihn

Rein statistisch gesehen ist er einer der besten deutschen Stürmer: der Allgäuer Kevin Volland. Warum er trotzdem nicht in die Nationalelf berufen wird, ist nicht nur ihm ein Rätsel.
Foto: Witters

Der Allgäuer Kevin Volland ist einer der besten deutschen Stürmer, in Monaco trifft er konstant. Dennoch macht er sich keine Hoffnung auf ein Nationalelf-Comeback.

Es ist der 15. November 2016. Ein klarer kalter Dienstagabend. In der 60. Minute des Freundschaftsspiels zwischen Deutschland und Italien macht Thomas Müller in der Offensive Platz für Kevin Volland. Der Stürmer aus dem Allgäu bestreitet in Mailand sein zehntes Länderspiel – und gleichzeitig sind es für ihn die letzten 30 Minuten im DFB-Trikot. Bis heute.

Nur Reus, Werner und Müller haben mehr Tore erzielt als Volland

Mehr als vier Jahre sind seitdem vergangenen. Und Volland trifft und trifft und trifft. Der 28-Jährige ist rein statistisch gesehen einer der besten deutschen Stürmer der vergangenen Jahre. Nur Marco Reus, Timo Werner und Thomas Müller haben bislang mehr Tore erzielt als er.

Niko Kovac (2.v.r) ist mit der AS Monaco sehr erfolgreich.
Foto: Francois Mori/AP/dpa

Niko Kovač rührt die Werbetrommel für seinen Top-Stürmer

Die Kollegen wissen das zu schätzen und loben Volland in den höchsten Tönen. Wissam Ben Yedder beispielsweise, sein Sturmpartner beim französischen Erstligisten AS Monaco, sagte kürzlich, Volland sei ein "wirklich, wirklich guter Spieler" und "technisch hochbegabt". Trainer Niko Kovač rührte in TV-Interviews schon mehrfach die Werbetrommel für seinen Top-Stürmer. Bei Sport1 meinte er jüngst: "Für mich ist er mit der Art und Weise, wie er Fußball spielt, ein Spieler für die Nationalmannschaft. Kevin ist der einzige deutsche typische Mittelstürmer."

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Foto: Christian Charisius, dpa

Nur einen scheint das alles wenig zu beeindrucken: Bundestrainer Joachim Löw. Der setzt derweil in der WM-Qualifikation gegen Island, Rumänien und Nordmazedonien auf Debütanten wie Bayern-Talent Jamal Musiala, 18 Jahre jung, und Florian Wirtz von Bayer 04 Leverkusen, gerade mal 17. Volland schaut sich die Spiele in seiner Wahlheimat Monte Carlo im Fernsehen an. Er hat längst aufgehört, sich Hoffnungen auf eine Rückkehr ins DFB-Team zu machen. Trotz starker Form und bester Statistiken. "Das muss man akzeptieren. Ich sitze nicht mehr zu Hause und warte auf den Anruf des Bundestrainers. Ich genieße diese Pausen und versuche, das Positive darin zu sehen."

Kevin Volland (M.) spielt für die AS Monaco.
Foto: Nicolas Tucat, dpa/afp

Kevin Volland genießt nun die Zeit mit seiner Familie

Das Positive ist in seinem Fall die Möglichkeit, dieser Tage mehr Zeit mit der Familie zu verbringen. Mit Frau und Kindern bei frühlingshaften Temperaturen am Mittelmeerstrand entlangzuschlendern. Einfach mal abzuschalten und die Sonne zu genießen. "Wir haben uns Anfang der Woche ein Boot ausgeliehen und sind ein bisschen raus aufs Meer gefahren. Die Kleine wollte mal Delfine sehen. Im normalen Trainings- und Spielbetrieb ist dafür keine Zeit", erzählt der 28-Jährige, der in Marktoberdorf geboren ist und immer noch regen Kontakt zur Heimat pflegt. Volland ist ein bodenständiger Allgäuer und weiß sehr wohl, dass sein Job in Monaco ein riesengroßes Privileg ist.

Im Fürstentum hat er sich gut eingelebt. Doch das ging nicht von heute auf morgen. Um sich an einem neuen Ort wirklich wohlzufühlen, sagt er, brauche man Zeit. Die hatte Volland nach seinem Wechsel kaum. Noch im Sommer 2020 spielte er mit Leverkusen in der Europa League, dann ging es für eine Ablösesumme von 15,5 Millionen Euro nach Frankreich. Die Saisonvorbereitung bei seinem neuen Klub lief da bereits auf Hochtouren. Er sagt: "Aber ja, mittlerweile bin ich zu einem wichtigen Bestandteil der Mannschaft geworden. Ich bin richtig angekommen."

Angekommen in einer Stadt, die tatsächlich so sei, wie man sie sich vorstellt: Luxusjachten, imposante Bauwerke, teure Sportwagen, Casinos, Boutiquen, Nachtclubs und Badewetter fast das ganze Jahr. "Während der Saison ist da aber nicht viel los für mich. Da bin ich schon froh, wenn abends noch ein bisschen Zeit bleibt, um private Dinge zu erledigen. Ich bin schließlich hier, um Fußball zu spielen", meint er lachend.

Niko Kovač setzt Kevin Volland auf dessen Lieblingsposition ein

Und Fußball spielt er auch in Monaco richtig gut. Weil er sich mit Trainer Kovač bestens versteht. Weil er sich wertgeschätzt fühlt. Weil er auf seiner Lieblingsposition direkt vor dem Tor eingesetzt wird. 13 Mal hat der Allgäuer in 28 Einsätzen für seinen neuen Arbeitgeber in Ligue 1 getroffen, acht weitere Tore hat er vorbereitet. In der Torschützenliste sind nur die Superstars Kylian Mbappé von Paris Saint-Germain mit 20 Toren und Memphis Depay, Stürmer bei Olympique Lyon, mit 14 Treffern erfolgreicher als Volland. Der Unterschied zwischen Ligue 1 und der Bundesliga sei aber enorm. "Physisch ist das hier noch einmal eine ganz andere Nummer. Da stehen 22 Maschinen auf dem Platz. Schnell, robust, ausdauernd. Du hast als Stürmer kaum Zeit am Ball", erzählt Volland.

Doch kaum ein Team ist fitter als die Monegassen. Rund 140 Kilometer legen die Kicker im Schnitt pro Spiel zurück. Das ist Spitzenwert der Liga. Volland sagt: "Das ist ein Verdienst von Niko und seinem Trainerstab. Sie betreiben sehr viel Datenanalyse und sie fordern uns in jeder Trainingseinheit enorm. Das ist zwar anstrengend, aber es führt zum Erfolg." Das Resultat: Erstmals seit 2018 liegt die AS wieder auf Champions-League-Kurs und stellt die zweitgefährlichste Offensive der Liga nach dem Starensemble aus Paris. "Monaco hat wieder eine Strahlkraft in Europa. Und es freut mich natürlich, dass man in Deutschland auch dank Niko und mir wieder mehr über den Verein spricht", so Volland.

Mögliches Nationalelf-Comeback? Kevin Volland: "Im Fußball ist alles möglich"

So populär war der Klub hierzulande zuletzt Anfang der 1990er Jahre, als Jürgen Klinsmann für Monaco stürmte. Trotzdem bleibt Volland auf dem Boden und meint: "Wir wollen erst mal kleine Brötchen backen." Das Abgehobene, das Übertriebene war noch nie seins. In Bezug auf ein mögliches Comeback in der Nationalmannschaft unter einem neuen Bundestrainer nach Löws Rücktritt klingt das ganz ähnlich: "Ich mache weiter meinen Job auf dem Platz. Im Fußball ist alles möglich. Es geht so schnell in diesem Geschäft."

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