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Fußball
04.03.2020

Neuer Zündstoff im Fan-Konflikt mit dem DFB

Die DFB-Haltung ist eindeutig: Personifizierte Gewaltandrohungen oder Diskriminierungen werden nicht geduldet.
Foto: Roland Weihrauch/dpa

Mit einem runden Tisch will der DFB den Konflikt mit den Fans beruhigen. Doch schon vor der Sitzung fühlen sich Fanvertreter durch den Verband erneut brüskiert.

Kurz vor einem Krisentreffen sehen sich gewichtige Fanverbände vom Deutschen Fußball-Bund getäuscht. "Wir lassen uns nicht für dumm verkaufen", hieß es in einer Erklärung, die am Dienstagabend von der Organisation "Unsere Kurve". Es war die Reaktion auf die vom DFB verkündete Einberufung eines runden Tisches im Streit mit der Ultra-Szene. Die Fans werfen dem DFB vor, Absprachen zur Vertraulichkeit des Sitzungstermins gebrochen zu haben und nicht wie behauptet selbst Initiator des Treffens gewesen zu sein.

Löw will gegen die Beleidigungen gegen Hopp "mit aller Gewalt" vorgehen

Weiter befeuert wurde der Konflikt mit den Fans durch scharfe Worte von Bundestrainer Joachim Löw und DFB-Vizepräsident Rainer Koch. Gegen die Beleidigungen von Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp müsse "mit aller Gewalt vorgegangen werden", forderte Löw am Rande der Auslosung zur Nations League in Amsterdam. 

Koch will auch künftig nicht auf Kollektivstrafen bei Fan-Vergehen verzichten und sagte: "Da ist eine rote Linie überschritten, und wenn alle anderen Mittel nicht ausreichen, wir nicht zu anderen Lösungen kommen, dann muss man in letzter Konsequenz auch mal bereit sein, deutlich zu machen: Unter solchen Rahmenbedingungen können wir nicht Fußball spielen. Und dann muss solch ein Block auch mal gänzlich geräumt werden."

Die Fans ärgern sich über Sammelstrafen

An den Sammelstrafen hatte sich die jüngste Eskalation im Zwist des DFB mit den Fans entzündet. Der Verband hatte diese Form der Sanktion 2017 ausgesetzt. Vor kurzem hatte aber das DFB-Sportgericht Anhänger von Borussia Dortmund wegen eines Plakats mit Hopp im Fadenkreuz zu einer Stadionsperre für zwei Jahre in Hoffenheim verurteilt - mit dem Widerruf der Bewährungsstrafe wurde die Kollektivstrafe angewendet.

Am vergangenen Bundesliga-Spieltag führten Schmäh-Attacken von Bayern-Fans gegen Hopp fast zum Abbruch der Partie bei der TSG Hoffenheim. Am Dienstag verkündete der DFB, noch in dieser Woche werde es einen runden Tisch der AG Fankulturen geben, in der Vertreter des DFB und der Deutschen Fußball Liga sowie von verschiedenen Fan-Organisationen sitzen.

"Unsere Kurve" stört sich an DFB-Terminverkündung

Das Bündnis "Unsere Kurve" indes erklärte, der Vorstoß dazu sei von den Fanorganisationen gekommen, nicht von den Fußballverbänden. "Wir haben den Dialog eingefordert, um auszuloten, ob und wie die Situation deeskaliert werden kann", schrieben die Verfasser. Das Treffen diene nicht der Befriedung der Proteste. Irritiert zeigten sich die Fans darüber, dass der DFB keine Veröffentlichung des Termins gewünscht habe, ihn dann am Dienstag aber doch selbst publik machte.  

"Damit vereinnahmt er bereits vor der Sitzung die Deutungshoheit, über den Dialog und über die Inhalte. Das ist keine gute Grundlage für eine Deeskalation", äußerten sich die Verfasser.

BVB-Fans haben Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp verunglimpft.
Foto: Uwe Anspach/dpa

Auch die Münchner Ultra-Gruppe "Schickeria" warnte den DFB vor einem weiteren verschärften Vorgehen gegen die Fans. "Wenn der DFB sich nun zum Ziel setzt, dass Kurven sauber sein müssen und vom DFB reguliert werden können, dann wird das Widerstand hervorrufen", schrieb die Vereinigung, die mit Bannern gegen Milliardär Hopp den Eklat beim Bayern-Spiel in Sinsheim ausgelöst hatte.

Ein Spielabbruch sei nicht das Ziel gewesen

Ein Spielabbruch sei nie die Intention gewesen, versicherte die "Schickeria". "Der DFB versucht offensichtlich durch das Setzen neuer Maßstäbe jegliche Kritik in eine verbotene Ecke zu stellen", schrieb die Münchner Fangruppe. Zudem zeigte sich die "Schickeria" erbost darüber, dass ihre Schmähungen in Zusammenhang mit dem rassistischen Anschlag von Hanau gestellt wurden. Dies mache "sprachlos". 

Nationalspieler Joshua Kimmich indes hält ein konsequentes Vorgehen gegen Beleidigungen und Diskriminierungen in deutschen Fußballstadien für überfällig. "Man sollte ein Zeichen setzen, dass es so nicht weitergehen kann", sagte der 25-Jährige vom FC Bayern dem TV-Sender Sky. "Vielleicht war das Zeichen zu spät gesetzt", sagte Kimmich und verwies auf frühere Vorfälle, bei denen Fußballer rassistisch attackiert worden waren. 

DFB-Direktor Oliver Bierhoff fühlt sich durch die jüngsten Entwicklungen negativ an seine aktive Zeit in Italien erinnert. "Da habe ich das erleben müssen, wie auch Fangruppierungen, die sehr politisch aktiv sind, die sich teilweise gar nicht mehr um den Fußball gekümmert haben, sondern einfach nur Chaos machen wollten, auf den Fußball eingewirkt haben", sagte Bierhoff.  (dpa)

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