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Fußball-WM 2018
08.06.2018

Nur 2:1 gegen Saudi-Arabien! DFB-Elf mit wackliger Generalprobe

Gegen Saudi-Arabien gelang der Nationalmannschaft um Thomas Müller zwar ein Sieg - souverän sah das aber nicht aus.
Foto: Tim Groothuis, Witters

Das war gar nichts. Die deutsche Nationalmannschaft gewinnt den letzten Test vor der WM mit 2:1, kassiert gegen einen schwachen Gegner aber fast noch den Ausgleich.

Lange Zeit lief der letzte Test der deutschen Nationalmannschaft so, wie ihn sich Joachim Löw gewünscht haben dürfte. Seine Mannschaft zeigte sich gegen Saudi-Arabien spielerisch verbessert und Jerome Boateng bestand nach zweimonatiger Verletzungspause die Belastung unter Wettkampfbedingungen. Eine Woche vor dem Start in die WM mit dem Spiel gegen Mexiko hätte die Welt also in Ordnung sein können für Löw und sein Team. Dann aber wechselte der Trainer in der 56. Minute Ilkay Gündogan für den agilen Marco Reus ein - und die gute Stimmung war dahin. Mehr noch, sie kippte ins Gegenteil. Zu diesem Zeitpunkt führte das deutsche Team nach Treffern von Timo Werner (8.) und einem Eigentor von Osama Hawsawi (43.) mit 2:0.

Doch das interessierte zu diesem Zeitpunkt niemanden. Als sich Gündogan an der Seitenlinie für seinen Einsatz bereit machte, erklangen die ersten Pfiffe. Sie wurde lauter, als er schließlich das Feld betrat und gehörten fortan bei jedem Ballkontakt des 27-Jährigen zum Spiel. Mats Hummels hob beschwichtigend die Arme in Richtung der Zuschauer. Vergebens. Seit sich Gündogan zusammen mit Recep Tayyip Erdoğan, dem Präsidenten der Türkei, fotografieren ließ und ihm noch ein Trikot mit der Widmung "für meinen verehrten Präsidenten" überreichte, ist er bei vielen Anhängern nicht mehr wohlgelitten.

Bundestrainer Löw: "Ich frage mich, was Ilkay noch tun soll."

Bundestrainer Löw sagte nach dem Spiel: „Dass ein Nationalspieler so ausgepfiffen wird, hilft niemandem. Ich frage mich, was Ilkay noch tun soll. Er hat sich gestellt und gesagt: Ich lebe die deutschen Werte. Da ist das Thema auch mal vorbei – oder?“

Ilkay Gündogan wurde von den Fans im Stadion ausgepfiffen.
Foto: Tim Groothuis, Witters

Offenbar nicht. Welche Tragweite es immer noch besitzt, deutete sich bereits kurz vor dem Spiel gegen die Araber an. Da blaffte Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff den ARD-Reporter Alexander Bommes an. "Sind wird doch ehrlich, ihr beendet das doch nicht. Ihr bringt das Thema doch wieder auf, weil ihr nichts anderes zu berichten habt, oder warum auch immer.“

Der ebenfalls in der Kritik stehende Mesut Özil musste wegen einer Knieprellung passen. Statt ihm initiierte Marco Reus in der Mittelfeldzentrale die Angriffe des deutschen Teams. Auf dem linken Flügel - der einzig wohl noch nicht vergebenen Position - spielte Julian Draxler.

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Erst pariert ter Stegen, dann landet der Ball doch im Tor

Der bis zur Einwechslung Gündogans gelungene Test hatte neben manch personeller Veränderung im Vergleich zum Österreich-Spiel freilich auch mit der überschaubaren Qualitäten der Araber zu tun. Anders als die Österreicher haben die sich zwar für die WM qualifiziert, verfügen aber weder über die individuelle Klasse, noch funktionierender Strategien wie die Austro-Kicker.

Abgesehen von den Pfiffen gegen Gündogan zeigte sich, dass die Alltagsarbeit Löws wieder einmal wirksam gewesen sein dürfte. Ein erstes Indiz dafür war der frühe Führungstreffer Werners. Dabei hebelte Joshua Kimmich mit einem weiten Ball die aufgerückte Abwehrreihe geschickt aus. Die feine Ablage Reus' musste der Stürmer nur noch ins Tor drücken. Dass weitere Treffer bis kurz vor den Halbzeitpfiff ausblieben, lag zum einen an fehlendem Schussglück wie bei einem Pfostentreffer des agilen Reus, wie auch an einigen schöpferischen Pausen, die sich das deutsche Team genehmigte. So waren die Deutschen auf die Mithilfe des Gegners angewiesen, um sich mit einem 2:0 in die Pause verabschieden zu können. Von Thomas Müller irritiert, leitete Hawsawi eine Hereingabe Werners ins eigene Tor weiter (43.).

Neben den Phasen reiner Verwaltung dürfte Löw vor allem die partielle Nachlässigkeit in der Defensivarbeit missfallen haben. Daraus resultierte auch der Gegentreffer (84.) zum 2:1-Endstand. Einen von Sami Khedira verursachten Foulelfmeter konnte der eingewechselte Marc-André ter Stegen noch halten. Gegen den Nachschuss von Taiseer Al Jassam war er machtlos. Das alles aber wurde von der Stimmung nach Gündogans Einwechslung überschattet. Der letzte Test vor der WM: Er ist nicht gelungen.

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09.06.2018

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