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Gender Pay Gap

17.06.2019

Gehaltsunterschiede im Sport: Was Frauen und Männer verdienen

Dzsenifer Marozsan ist die deutsche Spitzenverdienerin im Frauenfußball.
Bild: Sebastian Kahnert, dpa (Archiv)

Gleiche Gehälter für Frauen und Männer? Diese Forderung wird rund um die Fußball-WM der Frauen diskutiert. Wie sehr unterscheiden sich die Bezahlungen im Sport?

Fußball

In wohl keiner Sportart unterscheiden sich die Gehälter so stark, wie im Fußball. Laut Erhebungen aus dem Jahr 2018 verdienen Spielerinnen in der deutschen Frauen-Bundesliga im Schnitt 39.000 Euro im Jahr. Ihre männlichen Kollegen bekommen in der dritten Liga durchschnittlich 120.000 Euro jährlich ausgezahlt. Männliche Bundesligaspieler erhalten im Schnitt 47.500 Euro - pro Spiel. Abräumer ist Robert Lewandowski mit geschätzten 15 Millionen Euro Jahresgehalt. In Deutschland ist Dzsenifer Marozsan Spitzenreiterin unter den Fußballerinnen: Sie soll bei Olympique Lyon 300.000 Euro im Jahr gezahlt bekommen. Damit ist sie jedoch eine Ausnahme.

Auch bei den Prämien gibt es im Fußball deutliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Bei der EM 1989 gab es noch gar kein Geld: Die Siegerinnen aus Deutschland erhielten stattdessen ein Kaffee-Service mit blauen und roten Blüten auf weißem Porzellan überreicht. Ein Jahr später bekamen Lothar Matthäus, Jürgen Klinsmann und Co. für den WM-Titel in Italien umgerechnet 64.100 Euro pro Person. Sollten die deutschen Spielerinnen die WM in diesem Jahr gewinnen, erhält jede Sportlerin 75.000 Euro. Auf den ersten Blick viel Geld. Doch der Vergleich zeigt: Die Männer hätten 2018 eine Prämie von je 350.000 Euro absahnen können - mehr als das Vierfache der Frauen.

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Der Männerfußball erwirtschaftet weltweit deutlich mehr Geld als der Frauenfußball - zum Beispiel wegen besserer Einschaltquoten. Mit dem Frauen-Team würden "bei weitem nicht die Erlöse erzielt werden können, die im Männerfußball realisiert werden", sagte DFB-Interimspräsident Rainer Koch in der ARD. Ob die Unterschiede dennoch so eklatant hoch sein müssen? Zumindest in der australischen W-League bekommen die Spielerinnen ab sofort das gleiche Grundgehalt wie ihre männlichen Kollegen: 10.100 Euro im Monat. Damit ist die W-League die erste Fußball-Profiliga der Welt, die den finanziellen Gender Pay Gap aufhebt.

Tennis

Im Tennis werden seit 2007 bei den vier Grand-Slam-Turnieren die gleichen Preisgelder an Herren und Damen ausgeschüttet, es geht um hohe Summen. Bei den US-Open werden Männer und Frauen bereits seit 1973 finanziell gleichberechtigt. In Wimbledon kassieren die Einzel-Sieger im Juli mehr als 2,5 Millionen Euro. Die finanzielle Gleichberechtigung wurde aber teils kontrovers diskutiert.

Raymond Moore, ehemaliger Direktor des Indian Wells Masters - einem Herren-Tennisturnier in Kalifornien-, sagte 2016 am Rande der Sportveranstaltung: Wenn er eine Tennisspielerin wäre, würde er Gott jeden Tag auf den Knien danken, dass es Roger Federer und Rafael Nadal gebe, die den Sport auf ein neues Level geführt hätten. Auch der serbische Weltranglisten-Erste Novak Djokovic hatte mal öffentlich über eine bessere Entlohnung der Herren nachgedacht, weil die Statistiken zeigten, dass sie mehr Zuschauer anziehen würden.

Die Herren spielen bei den vier wichtigsten Turnieren über drei Gewinnsätze, die Damen über zwei. Die Turnier-Strukturen unterscheiden sich jedoch bei Damen und Herren, die Preisgelder bei kleineren ATP (Männer) und WTA (Frauen) Turnieren sind unterschiedlich. Über das Jahr betrachtet werden auf der ATP-Tour 40 Prozent mehr Preisgelder ausgeschüttet.

Handball

Wie im Fußball trennen die Geschlechter auch im Handball (Finanz)Welten. Während die männlichen Nationalspieler mittlerweile gut von ihrem Sport leben können - Kapitän Uwe Gensheimer verdient geschätzt eine halbe Million Euro im Jahr - müssen sich die Frauen aufgrund der geringen Verdienstmöglichkeiten in der Bundesliga neben der Handball-Karriere ein berufliches Standbein aufbauen. Auch der DHB vergütet Erfolge unterschiedlich. Wurde bei der Heim-WM der Frauen 2017 für das gesamte Team eine Titelprämie von 120.000 Euro ausgelobt, waren es bei der Endrunde der Männer in diesem Jahr insgesamt 450.000 Euro - fast das Vierfache!

Leichtathletik

In der olympischen Kernsportart herrscht Gleichberechtigung. Sowohl bei Weltmeisterschaften als auch in der Premium-Serie Diamond League gibt es bei Frauen und Männern die gleichen Preisgelder. Der Weltverband IAAF verteilt Bargeld erst seit der WM 1997 in Athen: Einzel-WeltmeisterInnen kassieren 60.000 US-Dollar; für einen Weltrekord gibt es satte 100.000 Dollar. Bei den zwölf Meetings der Diamond League bekommt jeder Disziplinsieger 10.000 Dollar, die Gesamtsieger nach den Finals jeweils 50.000 Dollar - ob Männer oder Frauen. Auch bei den großen Marathonläufen wie in London, New York, Boston oder Berlin gibt es keine Unterschiede - zumindest nicht bei den Prämien für Sieger, Platzierte und Rekorde. Die Startgelder der einzelnen Läufer können sich hingegen unterscheiden - ihre Höhe wird nicht veröffentlicht.

Die Ulmer Läuferin Alina Reh gehört zu den besten Deutschlands.
Bild: Sebastian Gollnow, dpa (Archivbild)

Biathlon

Gleiche Bezahlung für gleiche Leistung ist beim Weltverband IBU schon lange üblich. 15.000 Euro gab es bei den Skijägern im vergangenen Winter für jeden Sieg im Weltcup, 25.000 Euro für einen WM-Titel - egal ob für einen Mann oder eine Frau. In den letzten Jahren sind die Preisgelder merklich gestiegen, im kommenden Winter sollen die Biathleten wieder mehr Geld bekommen. Künftig werden die Top 20 statt nur der Top 15 jedes Einzelrennens entlohnt, in der gesamten Saison kostet das die IBU nach eigenen Angaben mehr als 400.000 Euro zusätzlich. Eine unterschiedliche Bezahlung für Männer oder Frauen stand auch bei diesem Entschluss nicht zur Debatte.

Ski Alpin

Laut Regularien wird gleich viel Geld an Frauen und Männer verteilt, pro Rennen werden mindestens 120.000 Schweizer Franken (rund 107.000 Euro) an Preisgeld ausgezahlt. Einzelne Veranstalter wie Kitzbühel (Männer) oder Flachau (Frauen) stocken den Betrag noch auf. "Ich bin extrem stolz auf meinen Sport, bei dem es keinen Gender Gap gibt", sagt Mikaela Shiffrin. Die Amerikanerin war in den vergangenen Jahren Top-Verdienerin, errang sogar mehr Preisgeld als Marcel Hirscher. In der vorigen Saison fuhr sie im Weltcup und bei der WM zu insgesamt 1.000.386 Franken an Preisgeld und knackte damit als erstes Ski-Ass die Millionen-Marke - das schafften vor ihr weder eine Frau noch ein Mann.

Pferdesport

Männer und Frauen reiten in den drei olympischen Disziplinen (Springen, Dressur, Vielseitigkeit) seit vielen Jahrzehnten in denselben Prüfungen gegeneinander. Entsprechend kämpfen sie um dasselbe Preisgeld. Ausnahme sind einmal im Jahr die deutschen Meisterschaften, bei denen es getrennte Wettbewerbe für Springreiterinnen und Springreiter gibt - allerdings dürfen die Frauen auch bei den Männern mitreiten.

Dressurreiterin Isabell Werth auf Emilio. Bei Olympia 2016 gewann sie die Silbermedaille im Dressur Einzel.
Bild: Friso Gentsch, dpa

Golf

Equal Pay ist im Profi-Golfsport noch nicht angekommen. Frauen verdienen weiterhin deutlich weniger als Männer. Bei der US Open 2019 im kalifornischen Pebble Beach werden Preisgelder in Höhe von 12,5 Millionen US-Dollar an Tiger Woods und Co. ausgeschüttet. Allein der Sieger streicht davon über zwei Millionen US-Dollar ein. Die Südkoreanerin Jeongeun Lee kassierte in diesem Jahr für ihren Triumph bei der US Open in Charleston die Hälfte - eine Million US-Dollar. Das Major-Turnier der Frauen war mit insgesamt 5,5 Millionen US-Dollar dotiert. Spitzenspielerinnen wie die ehemalige Weltranglistenerste Lydia Ko aus Neuseeland haben diese Missstände bereits mehrfach angeprangert.

Eishockey

Besonders krass sind die Gegensätze im nordamerikanischen Eishockey. Sowohl bei den Männern (NHL) als auch den Frauen (NWHL) gelten die Ligen jeweils als die besten der Welt. Die Frauen-Liga erstreckt sich aber nur auf die USA, nachdem die kanadische CWHL eingestellt worden war. Anfang Mai drohten rund 200 NWHL-Spielerinnen mit einem Streik zur neuen Saison - sie fordern eine ordentliche Entschädigung.

Eine Krankenversicherung gibt es nicht, zum Teil sind Spielerinnen für 2000 Dollar beschäftigt - pro Jahr. "Da ist es schwierig, das Ganze professionell zu betreiben", sagte Nationalspieler Markus Eisenschmid, der in der DEL beim Meister Mannheim ein geschätztes niedriges sechsstelliges Euro-Gehalt pro Jahr kassieren dürfte. Seine Schwester Tanja spielte zuletzt für die Minnesota Whitecaps in der NWHL und beteiligte sich am Protest. "Sie will, dass Frauen im Eishockey die gleichen Rechte haben und für ihre Arbeit bezahlt werden. Sie müssen genauso viel reinstecken wie die Männer, um auf allerhöchstem Niveau zu spielen", sagte Eisenschmid. In der NHL der Männer gehören Millionen-Jahresgagen zum Alltag. (std,dpa)

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