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Gespräch
16.11.2016

„Sie sehen einen rundherum glücklichen Mann vor sich“

Frank Buschmann wird als Sportkommentator bei Übertragungen schon mal laut. Auch deswegen genießt er Kultstatus bei vielen Fans. Im Interview verrät er, was ihn an Sendern und Reportern stört, wie man zum Facebook-Star wird und wie man sich als Bestsellerautor fühlt

Herr Buschmann, Sie haben mal gesagt: Sky und ich – wir passen nicht zusammen. Zur kommenden Saison wechseln Sie zu Sky. Warum?

Vielleicht hat es einfach – sowohl bei Sky wie auch bei mir – Zeit gebraucht, bis man erkennt: Sportjournalismus und eine gewisse Lockerheit schließen sich nicht aus. Man muss aber auch mit der Mär aufräumen, der Buschmann könne eh machen, was er will. Ich werde mich schon eingliedern. Aber eben als Frank Buschmann und nicht als Abziehbild eines Kommentators.

Mit Ihrer Art haben Sie es ziemlich weit gebracht. NBA-Finals, Super Bowl, dazu etliche Show-Formate wie zuletzt Ninja Warriors auf RTL

Sie sehen einen rundherum glücklichen Mann vor sich. Es gibt wenig im Sport, was ich noch nicht kommentiert habe. Die Champions League ist so eine Sache. Das kann ich jetzt machen. Dazu bietet mir Sky noch weitere Formate an. Unter anderem eine Sport-Comedy. Das passt wie Arsch auf Eimer.

Sie haben in Ihrem zweiten Buch „Einfach mal frei Schnauze“ Interviews zusammengefasst, die Sie zuvor für Ihren Youtube-Kanal geführt haben. Im Buch beschreiben Sie, wie wichtig das Interview mit Robert Harting auch für Sie persönlich gewesen ist.

Als Robert seinen Charakter beschrieben hat, ist mir aufgefallen, dass wir uns sehr ähnlich sind. Dass auch ich oft zu sehr mit dem Kopf durch die Wand will. Mir ist zu der Zeit klar geworden, dass ich von vielen Menschen zu viel verlange – auch und vor allem im Job.

Wie schaut es im Privatbereich aus?

Auch das hat sich geändert. Früher hab ich mehr geschimpft (gibt seiner kleinen Tochter, die während des Interviews am Tisch malt, einen Kuss), aber ich bin schon ungeduldig. Mein Motto ist: Man muss eine Haltung haben. Und wenn man eine Haltung hat, führt das dazu, dass man auch mal unwirsch wird und ungeduldig ist. Wenn mir alles egal wäre, dann lass ich alles laufen. Das ist eine Attitüde, die ich nicht habe.

Hat Frank Buschmann zu Hause eigentlich auch mal Sendepause?

Es gibt handyfreie Zonen. Im Restaurant hab ich es normalerweise nicht dabei. Im Schlafzimmer liegt das Ding garantiert nicht auf meinem Nachttisch.

Ihre ältere Tochter ist 13 Jahre alt, die wird auch Facebook und Co. nutzen...

Sie hat keinen Facebook- und keinen Twitter-Account, weil wir das nicht wollen. Im Moment träumt sie davon, ein Youtube-Star zu werden. Prinzipiell hat sie aber eine gesunde Einstellung zur Mediennutzung.

Und Papa ist der Social-Media-Superheld. Wie kam es dazu?

Ich habe Facebook bis 2011 gehasst. Ich kannte mich damals echt nicht aus und hab meinen Namen einfach mal bei Facebook eingegeben und da kam dann eine sogenannte Fanpage. Da habe ich mich nicht weiter drum gekümmert, weil ich dem Ganzen keine Bedeutung beigemessen hab. In Bamberg kamen bei einer Basketball-Übertragung zwei Studenten zu mir und haben gesagt: Herr Buschmann, wir haben eine Fan-Seite für Sie auf Facebook eingerichtet. Das fand ich nicht schlimm, auch wenn sie besser vorher gefragt hätten. Irgendwann hab ich gesagt: Für euch war’s das, ich bin jetzt der Administrator dieser Seite.

Ziemlich radikal.

Ich hab die später für ein Wochenende nach London eingeladen, als sich herausgestellt hatte, dass es durchaus sinnvoll sein kann, so eine Seite zu haben. Losgegangen mit dem Wahnsinn ist es dann 2012, als ich mich über die Medaillenzählerei der Journalisten bei Olympia aufgeregt hatte. Da bin ich von vielen kontaktiert worden und habe gemerkt: Man kann damit was bewegen.

Ihr Social-Media-Account gilt als einer der wenigen Promi-Auftritte im Netz als authentisch.

Ich bin stolz auf diese Seite, weil sie eins hat: Sie ist echt. Sie hat echte Interaktion, sie wird nicht von einer Agentur betreut, sondern von mir. Wenn ich mal richtig dumm angemacht werde, reguliert sich das meistens selbst durch die anderen Fans. Dass das jetzt auf die halbe Million zugeht bei einem Sportreporter – das kann keiner erklären. Ich auch nicht.

Die Marke Buschmann ist mittlerweile etabliert in der Medienlandschaft. Glauben Sie, dass Sie mit Ihrer Art anderen Moderatoren und Kommentatoren eine Tür geöffnet haben könnten?

Das hätte ich mir gewünscht. Ich habe in letzter Zeit sehr viele Gespräche mit Fernsehverantwortlichen gehabt. Die mich im Übrigen lange nicht wahrgenommen haben. Und jetzt sagen sie: Wir finden keine Kommentatoren, die frei sprechen können, die Charaktere sind. Und dann sage ich: Tja Freunde, vielleicht liegt das daran, dass ihr sie eigentlich gar nicht wollt.

Also sind die Sender selber schuld am Nachwuchsproblem?

Nicht nur. Viele jüngere Kollegen machen den Fehler, nur ins Fernsehen zu wollen. Die finden das geil vor der Kamera, am besten vor fünf Millionen Zuschauern. Das registriere ich mit Bauchgrummeln. Die machen es nicht aus Passion für die Sache. Ich kommentiere immer noch für die Telekom Basketball. Da schauen auch mal nur 5000 Menschen zu. Aber ich mache das nicht für die Anzahl an Zuschauern. Ich mache das, weil es meine Passion ist.

Eine Passion, die Sie sehr populär gemacht hat. Sind Sie eigentlich so bekannt, dass Sie oft in der Öffentlichkeit angesprochen werden?

Ja, schon. Es ist ein bisschen komisch, darüber zu reden, weil ich mich eigentlich nicht für einen Promi halte. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass wir schlecht öffentliche Verkehrsmittel nehmen können. Viele wollen Fotos machen. Da bin ich sehr allergisch, wenn Kinder dabei sind. Das ist schon krass geworden. Wenn ich alleine unterwegs bin, empfinde ich das nicht als so belastend. Ich gehe auch durch die Innenstadt und mache meine 30 Fotos beim Einkaufen. Aber wenn ich mit den Kindern beim Essen bin, sage ich auch Nein, wir sind hier privat.

Zur Bekanntheit hat beigetragen, dass Sie nun auch Bestseller-Autor sind.

Das war nicht mein Plan. Ich hatte 2013 mal eine Anekdote aus einer Begegnung mit dem Ex-Basketballer Dennis Rodman gepostet. Da kamen viele, die sagten, schreib mal alle Geschichten zusammen. Das habe ich irgendwann gemacht und das Ding erschien (Titel: Am Ende kackt die Ente).

Und war erfolgreich.

Nach vier Tagen ruft mich der Verlagsleiter an und fragt, ob ich den Champagner schon kalt gestellt hätte. Das Buch landete auf der Bestsellerliste des Spiegels. Wir haben uns kaputt gelacht. Wobei, man muss ehrlich sein: Deutschland liest nicht mehr. Du kommst im Bereich Sachbuch relativ leicht auf die Bestsellerliste.

Und nun folgt Nummer zwei.

Das wird spannend. Bei diesem Projekt war ich es, der gesagt hat: Das Ding möchte ich unbedingt auf Papier haben. Ich sitze aber nicht nervös rum und frage mich, ob ich noch mal in die Bestsellerliste komm. Das ist ja sowieso ein Treppenwitz, dass ausgerechnet ich einen Bestseller schreibe. Interview: Tilmann Mehl

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