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Mit 47 ist für Bundesliga-Schiedsrichter Schluss: Schade um Manuel Gräfe

Glosse Von Anton Schwankhart
28.04.2021

Sie zählen zu den letzten Helden der Menschheit. Nur mit einem Pfeifchen bewaffnet, kämpfen Schiedsrichter für Recht und Gerechtigkeit. Ein buchstäblich großer Kämpfer muss nun in Rente.

Einer allein gegen 22 Flegel, die ihn umzingeln wie ein Rudel Wölfe. Im Fachjargon heißt das Rudelbildung und steht unter Strafe. Aber wen schreckt schon eine Gelbe Karte. Das Pfeifenmännchen soll in Sekundenbruchteilen entscheiden, worüber sich all die Schlaumeier zu Hause vor den Fernsehgeräten auch nach fünffacher Zeitlupen-Wiederholung noch immer kein eindeutiges Urteil bilden können.

Macht der Schiedsrichter alles richtig, verliert keiner ein Wort über ihn. Ein Fehler aber – und wehe ihm.

Man muss seine Geschichte kennen, um zu verstehen, warum der Schiedsrichter sich das alles auflädt

Man muss seine Geschichte kennen, um zu verstehen, warum er sich das alles auflädt. Zum Fußball kommt er auf Umwegen. Er hat kein Talent, deshalb stellt man ihn ins Tor. Aber auch dort ist er eigentlich nicht zu gebrauchen.

Mit Rudelbildungen kennen sich Schiedrichter aus.
Foto: Christian Charisius, dpa

Irgendwann ist er ganz draußen. Weil er aber den Fußball mehr liebt als alle anderen, kommt er zurück. Manche sagen, um sich an den Spielern zu rächen. Das aber ist dummes Zeug. Ohne ihn gebe es schließlich kein Spiel. Man müsste ihm ein Denkmal errichten. Stattdessen wird er als blinde Bratwurst beschimpft.

Gelegentlich regt sich auch unter den Pfeifenmännern Widerstand

Gelegentlich regt sich aber auch unter den Pfeifenmännern spontaner Widerstand. Von Wolf-Dieter Ahlenfelder, Bundesliga-Schiedsrichter der 70er und 80er Jahre, ist folgender Wortwechsel mit Paul Breitner überliefert.

Breitner: „Sie pfeifen wie ein Arsch.“

Ahlenfelder: „Und Sie spielen wie ein Arsch.“

Paul Breitner war schon damals ein Mann der klaren Worte.
Foto: Henning Kaiser, dpa

Irgendwie ist die Schiedsrichterei eben auch eine Schule fürs Leben. Aus Unparteiischen werden im Allgemeinen ehrbare Menschen, mit Berufen, unter denen man sich noch etwas vorstellen kann. Es finden sich Lehrer, Ingenieure, Rechtsanwälte und Sportwissenschaftler darunter wie Manuel Gräfe, der mit seinen 1,97 m alles andere als ein Pfeifenmännchen ist. Gräfe ist 47. Ein Alter, in dem der Deutsche Fußball-Bund seine Unparteiischen zwangspensioniert.

Einem pensionierten Schiedsrichter weint in der Regel kein Spieler eine Träne nach

In der Regel hat ein Schiedsrichter in diesem Alter so viel Spielerunmut auf sich geladen, dass ihm kein Profi mehr eine Träne nachweint, mag er in seinem Rentenalter noch so fit übers Grün sprinten. Im Fall Gräfe ist es anders. Er pfeift mit der Erfahrung seiner 47 Jahre. Dermaßen beeindruckend war seine Leitung der Partie Freiburg - Hoffenheim (1:1), dass sich Spieler beider Vereine zu einem spontanen Pro-Gräfe-Votum entschlossen. Beinahe flehentlich klangen Hoffenheims Keeper Oliver Baumann ("Er muss weitermachen") und Freiburgs Kapitän Christian Günther („lasst ihn weitermachen“).

Derlei Spieler-Reaktionen sind das Brot der Schiedsrichter. Der DFB wird Gräfe jedoch keine Verlängerung bescheren. Als Videoassistent gibt es für ihn weitere Verwendung. Auch dort braucht der Fußball gute Leute.

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