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Söder und der Fußball: Jeder kann Manchester United sein

Glosse Von Tilmann Mehl
21.09.2021

Wenn es um Motivation geht, ist Fußball immer die richtige Adresse. Weiß auch Markus Söder. Ein paar Tipps für den Wahlkampfendspurt.

Fußball geht immer. Noch bevor das Land aus 80 Millionen Virologen bestand, bevölkerten 80 Millionen Bundestrainer und -trainerinnen Deutschland. Die fußballerische Expertise durch jegliche Bevölkerungsschichten darf daher als groß angenommen werden. Daher bietet es sich an, sich dem zweifelsfrei schwierigen Feld der Politik über Analogien und Metaphern zu nähern, die auch wirklich jede und jeder versteht.

So eine Wahl ist ja eine hochkomplexe Veranstaltung. Erst- und Zweitstimme, Überhangmandate, mögliche Koalitionen im Überblick haben – immerhin ist man hierzulande dank des Fußballs auf einem intellektuell hohen Niveau. Wer passives Abseits vom aktiven unterscheiden kann, für wen die Vergrößerung der Körperfläche kein unauflöslicher Widerspruch ist, der (oder die) schreckt auch nicht vor Panaschieren und Kumulieren zurück (das gleichwohl bei der Bundestagswahl keine Rolle spielt).

Markus Söder ist auf einem guten Weg

Markus Söder gelingt die Motivation verloren geglaubter Wählerinnen und Wähler auf beeindruckende Weise. "Das ist wie im Fußball: Wer in der 80. Minute glaubt, er hat schon gewonnen, der erlebt manchmal sein schwarzes Wunder am Schluss", sagte er bezüglich des Umfragen-Vorsprungs der SPD. Niemand, der sich nicht von einer rauschhaften Aufholjagd mitnehmen lassen will. Und hier besteht die Möglichkeit, Teil davon zu sein, praktisch das Manchester United im Champions-League-Finale 1999.

Bei einer Niederlage wird die Schuld immer bei den anderen gesucht. Im Falle der CDU findet sich da sicher jemand.
Foto: Michael Kappeler, dpa

Söder aber muss nun nachlegen. Wer 1:0 führt, der stets verliert. Das Spiel ist erst vorbei, wenn der Schiedsrichter pfeift. Oder auch: Wichtig ist auf dem Platz (suggeriert, dass der Wahlkampf nichts anderes als die Vorbereitung auf ein schwieriges Spiel war). Söder ist Trainer und Spielmacher in Personalunion, Antreiber und Angreifer.

Sollte es wider Erwarten nichts mit einer heroischen Aufholjagd werden, wird eine weitere Parallele zum Fußball zu erkennen sein: Schuld schnellstmöglich umverteilen. Schiedsrichter, ein schief eingeschraubter Stollen, ungünstiger Sonnenstand oder schlicht die unfähigen Mitspieler. Wer das im Falle Söders ist, ist nicht allzu schwer zu erraten, wenn man mal Bundestrainer war.

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