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Warum es einen Nobelpreis für (unbekannte) Fußballer braucht

Glosse Von Tilmann Mehl
08.10.2021

Der weithin unbekannte Abdulrazak Gurnah erhält den Literaturnobelpreis. Unser Autor findet: Es wird Zeit für einen Fußballnobelpreis für Kreisliga-Spieler!

Fußball und Literatur finden nur selten zusammen. Es ist kaum ein großes Werk bekannt, dass sich mit diesem faszinierenden Sport in würdiger Form auseinandersetzt. Niemand, der die passenden Worte findet, den Lauf des Balles in einen künstlerisch wertvollen Roman zu weben. Peter Handkes Erzählung „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ behandelt den Fußball nur am Rande, der Titel weist auf das Fehlen jeglicher Fachkenntnis hin – verabschieden sich doch regelmäßig bei Schütze oder Schützin die Nerven.

Warum sich das Nobelpreis-Komitee auch mal für den Fußballer interessieren sollte

Das Nobelpreis-Komitee hat auch diesmal keinen Literaten ausgezeichnet, der sich in irgendeiner Weise mit dem Fußball auseinandersetzt. In diesem Jahr erhält der, selbst Experten weithin unbekannte, Abdulrazak Gurnah den Preis. Hier immerhin kann der Fußball von der Literatur lernen.

Wenn die Fifa Jahr für Jahr den besten Spieler auszeichnet, ist der Gewinner erwartbar. Meist hat er viele Tore geschossen und ist Multimillionär. Fußball aber ist wie Literatur ein Genuss für die Allgemeinheit. Es ist an der Zeit, ein Zeichen zu setzen und durch die Wahl eines weitestgehend unbekannten Spielers das weltumspannende Spiel zu ehren. Pars pro Toto. Einer steht für alle.

Literaturnobelpreisträger Gurnah kennt niemand: Warum eigentlich nicht Kreisliga-Spieler auszeichnen?

So könnte sich auch Pierre-Kevin Ganslmeier aus der Kreisliga Chancen ausrechnen, als bester Spieler des Jahres ausgezeichnet zu werden. Nun erhält Gurnah den Nobelpreis nicht, weil ihn kaum einer kennt und er Sätze für Erstleser erdenkt (wenngleich auch das sehr ehrenvoll ist), sondern „für sein kompromissloses und mitfühlendes Durchdringen der Auswirkungen des Kolonialismus und des Schicksals des Flüchtlings in der Kluft zwischen Kulturen und Kontinenten“. Ähnliches aber ließe sich auch für Pierre-Kevin Ganslmeier formulieren. Seine formvollendeten Fluggrätschen führen schmerzhaft die Vergänglichkeit menschlicher Schienbeine vor Augen. Jeder Tritt auf das Knie gelebte Dekonstruktion. Wo der eine Gelenke von Bändern trennt, setzen Chirurgen wieder zusammen. Der Pass ins Nirgendwo als Sinnbild für das unsinnige Streben nach Vollkommenheit.

Wahrscheinlich aber findet die Fifa auch in den kommenden Jahren wieder Lewandowskimessironaldo besser als Ganslmeier, weshalb die einzig vernünftige Lösung scheint, einen Fußball-Nobelpreis einzuführen. Anders als in den Kategorien Physik , Chemie oder Medizin wäre auch den Laien verständlich zu machen, weshalb Ganslmeier ausgezeichnet wird. Der obligatorische Anruf beim Gewinner samt erstem Interview würde zudem den Preis von seiner akademischen Distinguiertheit entbinden, wenn Ganslmeier mit Kippe und Bier von seinen schönsten Trainingstoren erzählt.

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