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Handball-EM 2020

17.01.2020

Handball-Analyse: Auch Torhüter wachsen an ihren Aufgaben

Wieder deutlich beweglicher: Torhüter Andreas Wolff.
Bild: Robert Michael, dpa

Im Vergleich liegen die deutschen Torhüter bei der Handball-EM hinter den Konkurrenten. Gegen Kroatien wird es auf eine gute Torwartleistung ankommen.

Ein Schuss Masochismus ist immer mit dabei. Rückraumspieler feuern ihre Bälle mit Spitzengeschwindigkeiten von 130 Stundenkilometern in Richtung Tor, Kreisläufer springen dem letzten Mann von der Sechs-Meter-Linie aus fast ins Gesicht – und auf den Außenbahnen drehen einige Wurfkünstler die Bälle derart raffiniert um den Keeper herum, dass auch die Besten der Branche dabei häufig aussehen wie die Tölpel vom Dienst. Überlistet. Vorgeführt. Gedemütigt.

Torhüter im Handball - das ist nichts für Sensibelchen. In guten Momenten sind sie die Helden, die ein Spiel mit ihren Reflexen alleine entscheiden, in schlechten Momenten bekommen sie wie Andreas Wolff und Johannes Bitter in der Vorrunde dieser Europameisterschaft kaum einen Ball zu fassen. Entsprechend groß war die Erleichterung nach dem Spiel gegen Weißrussland. Zwölf Würfe abgewehrt, nur 23 Gegentore zugelassen: Auf Wolff, so scheint es, ist plötzlich wieder Verlass. Vergessen der triste Auftritt gegen Lettland, als er für 19 Minuten eingewechselt wurde und nicht einen Ball parierte? Vorbei das Gerede vom Torhüterland Deutschland, das keine guten Torhüter mehr hat – oder zumindest keine sehr guten mehr?

Handball-EM 2020: Deutsche Torhüter im Vergleich auf den hinteren Plätzen

Schön wäre es. Natürlich wachsen auch Torhüter an ihren Aufgaben – die nackten Zahlen jedoch sprechen vor dem Schicksalsspiel gegen den Mitfavoriten aus Kroatien nicht für die Torhüternation Deutschland, in der schon in den achtziger Jahren ein Mann wie Andreas Thiel das Tor vernagelte, den alle nur ehrfürchtig den „Hexer“ nannten. Mit 24 bzw. 29 Prozent an gehaltenen Bällen liegen Bitter und Wolff im EM-Vergleich nur auf den hinteren Plätzen - die Besten kommen auf Werte um die 40 Prozent, der Kroate Martin Sego parierte immerhin 33 Prozent der Würfe auf seinen Kasten. Ohne einen Keeper in Bestform allerdings wird bei den flinken, gut aufeinander eingespielten Kroaten nicht viel zu holen sein. So souverän der Sieg gegen die hüftsteifen Grobmotoriker aus Weißrussland auch war: Er ist ein Muster ohne Wert. Um Kroatien zu schlagen, brauchen Torhüter und Team das, was Sportler gerne einen Sahnetag nennen. Einen Tag, an dem einfach alles passt.

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Was ein Torhüter dazu beitragen kann, hat Johannes Bitter im Finale der Weltmeisterschaft 2007 gezeigt. Weil die damalige Nummer eins, Henning Fritz, sich verletzt hat, kommt er kalt von der Bank ins Spiel – in einer Phase, in der die Polen gerade dabei sind, einen Sechs-Tore-Rückstand gegen eine schwächelnde deutsche Sieben aufzuholen. Auf den jungen Bitter aber ist Verlass, mit seinen Paraden verhindert er, dass das Spiel kippt. Ein solcher Auftritt, ob von Wolff oder Bitter - und alles ist möglich, selbst gegen Kroatien. Auch im Handball stirbt die Hoffnung ja bekanntlich zuletzt.

Mehr Informationen zur Handball-EM 2020:

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