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Interview

10.06.2020

"Handschuhpapst" Christoph Nowak über Alexander Nübel: "Stillos und nicht fair"

Christoph Nowak ist Experte für Torwarthandschuhe und in der Fußballszene sehr gut vernetzt.
Bild: Annette Zoepf

Plus Christoph Nowak ist einer der intimsten Kenner der deutschen Torwart-Szene. Die Chancen von Alexander Nübel beim FC Bayern sieht er skeptisch.

Herr Nowak, wie wird man Experte in Sachen Torwarthandschuhe?

Christoph Nowak: Ich habe schon als Kind begonnen, Torhüter-Handschuhe zu sammeln. Das hat sich dann irgendwann beinahe zu einem richtiges Jagen und Sammeln entwickelt. Am Ende hatte ich eine Sammlung, die von Handschuhen vom gebürtigen Augsburger Raimond Aumann bis hin zu Gianluigi Buffon reichte und mein Wissen über das Produkt wurde mit der Zeit auch immer größer, weil ich auch viel mit den Torhütern darüber gesprochen habe.

Und wie bekamen Sie den Spitznamen "Handschuhpapst"?

"Handschuhpapst" Christoph Nowak über Alexander Nübel: "Stillos und nicht fair"

Nowak: Ich habe in der Filzfabrik Offingen (BWF Group) Textilmaschinenführer im Fachbereich Vliesstoff gelernt. Zunächst war ich auf dem Gymnasium, hochintelligent, aber stinkfaul. Die Lehre war dann so eine Art Notlösung, aber wertvoll, weil ich damit die Mittlere Reife erreichte. Ich habe dann aber nie mehr in dem Beruf gearbeitet. Wir hatten damals in der Offinger Firma einen Spezialisten für Industriefilter, die aus hochwertigen Textilfasern hergestellt werden, das war der Filterpapst. Und weil ich in der Arbeit sehr viel über Torwarthandschuhe gesprochen habe, wurde ich irgendwann zum Torwarthandschuhpapst.

Eine Bezeichnung, die ihr Markenzeichen wurde. Selbst die Tageszeitung Die Welt nannte Sie vor kurzem bei einem Interview so.

Nowak: (lacht) Ich kann damit leben, sie ist auf jeden Fall ein ganz cooles Markenzeichen mit hohem Wiedererkennungswert.

Wie haben Sie Ihr Hobby zum Beruf gemacht?

Nowak: Ich bin jetzt seit 25 Jahren im Geschäft. Über meine Handschuhsammlung kam ich 1995 mit Adidas in Kontakt. Ich habe dort und später dann bei Puma als ein Art Berater gearbeitet. 2018 habe ich mir dann meinen Traum erfüllt. Ich gründete, nach zehn Jahren im beim österreichischen Onlinehändler Keepersport, mit drei Freunden mein eigenes Torwarthandschuh-Label: POPE´s Goalkeeper Gloves.

Nowak bezeichnet Bernd Leno als "guten Freund"

Wie kann man im Kampf mit den großen Herstellern wie Reusch, Uhlsport, Adidas, Puma oder Nike bestehen?

Nowak: Wir haben ein ehrliches Produkt, extrem griffige, aber dennoch haltbare Haftschäume sowie ein herausragendes Preis-Leistungsverhältnis, unsere Handschuhe kosten alle so um die 60 Euro. Was man von den anderen Anbietern bekommt, ist inzwischen schon massiv überteuert. Torwarthandschuhe mit Listenpreis um die 200 Euro sind der Wahnsinn.

Es gibt Leute, die sagen, Sie hätten mehr Handynummern von Profitorhütern als viele Berater.

Nowak: Das will ich nicht dementieren. Bernd Leno zum Beispiel ist über die Jahre hinweg ein richtig guter Freund geworden, wir schreiben nahezu jeden Tag über WhatsApp. Auch mit Kevin Trapp unterhalte ich mich viel über technische Details bei Handschuhen. Beide tragen übrigens nicht unsere Marke. Aber das ist auch nicht so wichtig, denn ich habe mir in der Branche mittlerweile einen guten Ruf erarbeitet.

Und wie überzeugen Sie die Profitorhüter, die für die Werbung ja wichtig sind, ihre Handschuhe zu tragen?

Nowak: Wir bezahlen grundsätzlich niemanden, damit er unsere Handschuhe trägt. Wir überzeugen einfach durch unser Know-How, das Produkt und die persönliche Rundumbetreuung. Dabei geht es auch gar nicht selten um menschliche Dinge.

Wer sind denn ihre Klienten?

Michael Rensing zählt zu den Keepern, die mit Handschuhen von Nowak spielen
Bild: Peter Steffen/dpa

Nowak: In der Bundesliga vertrauen aktuell Michael Rensing bei Fortuna Düsseldorf sowie Ramazan Özcan und Niklas Lomb bei Bayer Leverkusen auf unseren Service. In der 3. Liga ist es U21-Nationalkeeper Lennart Grill beim 1. FC Kaiserslautern, der nächste Saison nach Leverkusen geht. Ganz gut vertreten waren wir zuletzt auch in der niederländischen Ehrendivision mit Timo Wellenreuther, der jetzt von Willem II Tilburg zum belgischen Topklub RSC Anderlecht wechselt, und Thorsten Kirschbaum bei VVV Venlo.

Und seit ein paar Tagen sind Sie sicher glühender HSV-Anhänger. Da kehrte Julian Pollersbeck gegen Wehen Wiesbaden ins Tor zurück und der trägt ihre Handschuhe

Nowak: Mit Sicherheit, wobei ich den HSV immer schon mochte. Es hat mich für Julian sehr gefreut, weil wir wieder in engeren Kontakt kamen, als seine Karriere irgendwie stockte. Nach dem Abstieg mit Hamburg hat man ihn auch zum Sündenbock gemacht. Plötzlich gab es dann letzten Sommer eine Chance für uns. Ich habe ihm erst kürzlich vor dem Spiel gegen Wiesbaden eine neue Lieferung geschickt und dann hat er da überraschenderweise gespielt.

"Macher haben immer Neider"

Wie wichtig sind solche Einsätze für ihre Marke?

Nowak: Präsenz im Profibereich erhöht natürlich die Glaubwürdigkeit unseres Produktes, umso mehr, da wir, wie gesagt, keinem Torhüter Geld bezahlen so wie die Großen.

Wichtiger ist auch Werbung in eigener Sache. Und da sagen Kritiker, Sie seien ein begnadeter Selbstdarsteller. Lassen Sie uns über Tim Wiese und Alexander Nübel reden.

Nowak: Macher haben immer Neider und werden kritisiert, das lässt mich aber, wenn es nicht ins Persönliche geht, vollkommen kalt. Mit Tim bin ich seit 2009 befreundet, 2017 habe ich ihn zu einem Kurzcomeback bei der SSV Dillingen überredet. Dort bin ich immer noch Erster Vorsitzender. Wir haben damals in der Kreisliga gespielt und im Amateurfußball musst du halt ein bisschen pfiffig sein, wenn du da etwas bewegen willst. Wir haben das Spiel damals gegen Haunsheim zwar 1:2 verloren, doch es waren über 2500 Zuschauer im Stadion, es gab zwei Live-Übertragungen was will man mehr in Liga acht. Genießen konnte ich die 90 Minuten allerdings eher weniger, die Organisation hat mir damals mental sehr viel abverlangt. Tim trägt bei Benefizspielen heute natürlich unsere Handschuhe, er hat mir damals absolut zugeraten, das Projekt zu starten.

Auch ihr öffentlich ausgetragener Streit mit Schalke-Torhüter Alexander Nübel sorgte für Schlagzeilen. Im vergangenen Jahr wechselte er von POPE´s zu Adidas. Sie kritisierten danach die Art und Weise scharf.

Alexander Nübel und Christoph Nowak werden so schnell keine Freunde mehr.
Bild: Tim Rehbein/dpa

Nowak: Er war damals der allererste Torhüter, der unsere Handschuhe bekommen und getragen hat. Er war Ersatztorhüter bei Schalke, ihn kannte doch kaum jemand. Dann wurde Alex die Nummer eins, er spielte eine gute Rückrunde und war bei der U21-EM dabei. Er trug einen Spezialanfertigung, ein Unikat, wir erfüllten ihm jeden Wunsch. Natürlich wussten wir, dass er ein wirklich guter Torwart ist, der wohl irgendwann zu einer anderen Firma wechseln würde, weil sein Gemüt schon pekuniär geprägt wirkt. So ist aber das Geschäft.

Warum kam es dann zum Streit?

Nowak: Wenn ein Alexander Nübel kommt und sagt, Du Christoph ich will wechseln, lass uns darüber reden, ist das okay. Wenn der künftige Verein wünscht, dass mit den Produkten seines Teilhabers gespielt wird, ist das auch normal. Aber eine 25-sekündige Whatsapp-Nachricht ohne Bitte und Danke ist nach Jahren der guten Zusammenarbeit einfach stilllos und nicht fair. Darum habe ich damals diesen Facebook-Post abgesetzt und unseren Usern einfach nur erzählt, wie alles abgelaufen ist. Ende 2019 hat Schalke ja in Augsburg gespielt, wo ich lebe. Da hätte man sich ja kurz melden können: Komm, wir trinken einen Kaffee und schaffen das aus der Welt. Aber es kam nichts. Ich bin inzwischen nicht mehr so unglücklich, dass es auseinanderging.

Hat sich Nübel mit dem Wechsel zu den Bayern einen Gefallen getan?

Nowak: Bayern hat mit Manuel Neuer, der jetzt verlängert hat, mit Sven Ulreich und Christian Früchtl ein Top-Torwarttrio, da gab es meiner Ansicht nach keinen Bedarf. Auch wenn ich als FC Bayern der Meinung bin, das ist mein Mann der Zukunft, dann muss ich das anders lösen. Ich kann ihn ja verpflichten und ihn dann wieder bei teilweiser Gehaltsübernahme an Schalke verleihen, das muss ja niemand erfahren.

Schalke hat jetzt schon ein Problem. Nübel muss raus, Markus Schubert kommt rein, jetzt wieder Nübel.

Nowak: Der Schubi ist ein lieber, netter Typ, aber ich halte ihn für keinen gut ausgebildeten Torwart. Es sind bei hohen Bällen Schwächen da, die du auch bei einem 21-Jährigen kaum mehr raus bringst. Er wirkt auch viel zu aufgeregt.

Nowak sieht Nübels Chancen skeptisch

Wird sich Nübel gegen Neuer durchsetzen?

Nowak: Nübel hat ja bei Schalke nach dem Bekanntwerden seines Wechsels begonnen, zu flattern. Ein Torhüter, der künftig für Bayern München die Kohlen aus dem Feuer holen soll, beginnt zu schwächeln, nur weil er mit dem Druck eines vollkommen legalen Vereinswechsels nicht klarkommt? Das geht in München nicht, da darfst du nicht zweimal pro Saison weinend vom Platz laufen, weil dir ein Fehler passiert ist. Ein für mich nicht unwahrscheinlicher Gegenwechsel von Ulreich nach Gelsenkirchen könnte jedoch kurzfristig immerhin einen Kaderplatz für Nübel bedeuten.

Auch beim FC Augsburg wird ja heftig über die Torhüterposition diskutiert.

Nowak: Der FCA konnte das Vakuum nach Marwin Hitz nie schließen. Ich kenne Marwin gut. Er hat mir immer vermittelt, ich fühle mich hier in Augsburg extrem wohl, hier habe ich geheiratet, hier sind meine Kinder geboren, hier habe ich es nicht weit in die Schweiz. Ich glaube nicht, dass es sein Lebensziel war, in Dortmund auf der Bank zu sitzen. Marwin Hitz wollte meines Erachtens nach nicht weg. Andreas Luthe ist menschlich ein Supertyp, sehr sachlich, sehr seriös. Auch Koubek und Giefer kenne ich persönlich, auch die beiden sind ganz feine Kerle. Derzeit ist wohl Luthe die solideste Lösung. Tomás hatte am Anfang Anpassungsprobleme. Du wirst mit Stades Rennes Pokalsieger, hattest Urlaub, einfach einen guten Sommer und kommst nicht ganz austrainiert zu einem neuen Verein. Aber in der Bundesliga musst du von Anfang an funktionieren. Das muss aber auch der FCA wissen, wenn er 7,5 Millionen Euro ausgibt. Man hat da beim Scouting vielleicht nicht ganz präzise gearbeitet.

Trotz der Patzer von Tomas Koubek sieht Nowak kein Torwartproblem beim FC Augsburg.
Bild: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Hat der FCA ein Torhüterproblem?

Nowak: Momentan sehe ich keines, weil es Andreas Luthe sehr ordentlich macht, wieder einmal. Auf ihn ist Verlass. Fabian Giefer müsste meiner Meinung nach einfach mal kämpfen, aber er macht keinen Druck. Er ist von seinen Anlagen her wohl der aktuell beste Torhüter des FCA, aber in einem Jahr läuft sein Vertrag aus und dann wird er es nicht leicht haben, auf dem Markt noch einmal Fuß zu fassen.

Keine Schuld beim Torwarttrainer

Kann der Torwarttrainer ein Torhüter wie Koubek noch besser machen?

Nowak: Die erste Frage ist ja: Wie groß ist das Mitspracherecht des Torwarttrainers beim FCA bei der Verpflichtung eines Torhüters? Stefan Reuter lässt sich da meines Wissen nach nicht groß dreinreden. Jetzt zu ihrer Frage: Koubek ist ein gestandenes Mannsbild, tschechischer Nationaltorhüter. Da kann man Schwächen wohl nur noch in Nuancen ausmerzen, aber es ist durchaus noch was machbar. Marwin Hitz war am Anfang ja auch nur die Nummer drei hinter Alexander Manninger und Mohamed Amsif, hat sich dann aber unter Torwarttrainer Zdenko Miletic zu einem Top-Torhüter der Liga entwickelt.

Wäre ein Torwarttrainer-Wechsel eine Lösung?

Nowak: Es wäre ein fatales Signal. Miletic ist eine Identifikationsfigur in einem Verein, der traditionelle Werte gerne und zurecht transportiert. Zdenko ist ja von der jugoslawischen Torwartschule geprägt, in der das Toreverhindern immer noch im Mittelpunkt steht, was aber nicht so verkehrt ist. Im Abstiegskampf braucht man halt einfach einen Torhüter, der dir mit 38 geilen Paraden pro Saison den Klassenerhalt rettet, Spielaufbau kommt da meiner Ansicht nach erst an zweiter Stelle. Was will ein Torwarttrainer denn machen, wenn Fabian Giefer wie seinerzeit gegen Bremen den Ball durch Hände und Beine gleiten lässt?

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