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Schwimmen

26.07.2013

Hannah Stockbauer über ihre WM-Titel und wie hoch der Preis dafür war

Hannah Stockbauer gewann bei der WM 2003 in Barcelona drei Goldmedaillen.
Bild: dpa

Hannah Stockbauer gewann fünf WM-Titel, drei davon 2003 in Barcelona. Jetzt findet dort wieder eine WM statt. Der Blick zurück ist (vermutlich) schöner als der Blick voraus.

Hannah Stockbauer gewann fünf WM-Titel, drei davon 2003 in Barcelona. Jetzt findet dort wieder eine WM statt. Der Blick zurück ist (vermutlich) schöner als der Blick voraus.

Stichwort Barcelona – was fällt Ihnen dazu spontan ein?

Stockbauer: ... dass ich schöne Erinnerungen an Barcelona habe. Und mir fällt gerade auf, dass das ja schon zehn Jahre her ist.

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Sie haben bei der WM 2003, die auch in Barcelona stattfand, drei Titel gewonnen. Wie haben Sie das damals selbst wahrgenommen?

Stockbauer: Das war natürlich ein unbeschreibliches Erlebnis. Es ist sehr viel auf mich eingestürzt.

Dabei hatten Sie schon zwei Jahre zuvor zwei WM-Titel gewonnen ...

Stockbauer: Ja, das stimmt. Aber in Barcelona habe ich alles viel bewusster erlebt. Ich war ein bisschen älter und wusste, wie das alles läuft. In Barcelona war aber sehr viel mehr Rummel. Die ersten beiden Titel habe ich in Japan gewonnen, und das ist schon ein Stück weit weg.

"Die Erfolge von vor zehn Jahren geraten in Vergessenheit"

Sie waren fünfmal Weltmeisterin und zweimal Deutschlands Sportlerin des Jahres. Wie kommt es, dass es inzwischen so ruhig um Sie geworden ist?

Stockbauer: Ich habe mich noch nie so richtig darum gerissen, in der Öffentlichkeit zu stehen. Im Grunde habe ich mich eigentlich immer nach einem normalen Leben gesehnt. Trotzdem vermisse ich das alles schon ein bisschen. Es ist auch schön, im Mittelpunkt zu stehen. Aber wer von meinen damaligen Kolleginnen ist noch in der Öffentlichkeit außer Franzi (van Almsick, d. Red.)? Im Schwimmsport bleibt man nicht ewig im Gedächtnis. Ich merke, dass die Erfolge von vor zehn Jahren in Vergessenheit geraten. Das macht mich ein bisschen traurig.

Werden Sie die WM in Barcelona im Fernsehen verfolgen?

Stockbauer: Ja, auf jeden Fall. Wobei das schon ein komisches Gefühl bei mir hervorruft, weil es das gleiche Schwimmstadion wie damals ist.

Welchen Eindruck haben Sie von der deutschen Mannschaft?

Stockbauer: Ich glaube, dass sie momentan in einer Aufbauphase ist, die sehr lange dauern wird. Das geht nicht von heute auf morgen. Wir haben viele junge Schwimmer, die es nach oben schaffen könnten. Ich hoffe, dass sie ihre Chance nutzen und Deutschland irgendwann wieder vorne mitschwimmt.

Was trauen Sie den DSV-Schwimmern in Barcelona zu?

Stockbauer: Es wird schwierig. Aber Steffen Deibler zum Beispiel traue ich auf jeden Fall eine Medaille zu. Er ist Weltranglistenerster über 100 Meter Schmetterling. Wie sich die jungen Wilden schlagen werden, kann ich ganz schwer einschätzen. Es ist das nacholympische Jahr, da ist die Chance immer etwas größer. Ich bin sehr auf die Staffeln der Jungs gespannt. Ich könnte mir vorstellen, dass die vorne mitschwimmen.

"Britta Steffen kann ganz vorne mitschwimmen"

Was erwarten Sie von Britta Steffen?

Stockbauer: Sie ist immer für eine Überraschung gut. Ich weiß zwar nicht, wie ihre Vorbereitung gelaufen ist, aber sie hat das Talent. Wenn sie gesund ist und gut trainiert hat, schwimmt sie vorne mit.

Eine Begründung für das schlechte Abschneiden der deutschen Schwimmer bei Olympia war, dass sie nicht hart genug trainieren. Sie waren täglich sieben Stunden im Wasser. Wie hoch ist der Preis, den man für Erfolg zahlt?

Stockbauer: Man muss für den Sport leben. Das heißt kein Alkohol, keine Partys und nur aufs Training fixiert sein. Man muss viel opfern, um wirklich erfolgreich zu sein. Es ist schwierig, das Training mit dem „normalen“ Leben zu vereinbaren. Und man muss das alles finanzieren. Ich glaube aber schon auch, dass heute viele nicht den Aufwand betreiben, den sie betreiben sollten.

Nach Spaß hört sich das nicht an ...

Stockbauer: Nein, das ist Arbeit. Der Spaß kommt im Wettkampf. Schwimmen ist einfach ein trainingsintensiver Sport. Und so richtig leben kann man davon auch nur, wenn man international erfolgreich ist – und das nicht auf dem dritten Platz, sondern auf dem ersten.

Sie sind 2005 im Alter von nur 23 Jahren zurückgetreten. Warum?

Stockbauer: Für mich war es einfach zu Ende. Die Leute vergessen, dass man Schwimmen nicht erst mit 18 anfängt. Ich war elf, als ich in die Wettkampfmannschaft gekommen bin. Da wurde jeden Tag trainiert. Als ich aufgehört habe, hatte ich zwölf Jahre für den Sport geopfert. Das hat gereicht. Zudem habe ich bei den Olympischen Spielen 2004 nicht das erreicht, was ich erreichen wollte. Und dann noch einmal den ganzen Aufwand über vier Jahre bis zu den nächsten Spielen betreiben – das war es mir nicht mehr wert.

Was vermissen Sie aus Ihrer Zeit als Sportlerin?

Stockbauer: Im Nachhinein finde ich es ein bisschen schade, dass ich das alles nicht richtig zu schätzen wusste. Wenn man bei Olympischen Spielen war, hat man das so hingenommen. Das würde ich heute alles bewusster wahrnehmen und mehr zu schätzen wissen.

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