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Helmut Haller wird 70
17.07.2009

Er schoss Tore für die Geschichtsbücher

Helmut Haller

Die Augsburger Fußball-Legende Helmut Haller wird 70. Als "Il Biondo" verehrten ihn die Italiener. Dann führte er den FCA durch seine Glanzzeit. Von Herbert Schmoll

Augsburg Er hat im Laufe der vielen Jahre gelernt, dass er als Fußballer in Italien immer noch ein bisschen populärer ist als in der Heimat. Helmut Haller akzeptiert diesen Zustand, kann mit ihm längst umgehen, und es ärgert ihn auch nicht mehr, dass er in Augsburg nicht diese große Bewunderung genießt wie über dem Brenner. "So isch's halt", sagt der am kommenden Dienstag seinen 70. Geburtstag feiernde Weltstar in seinem breiten Schwäbisch.

Helmut Haller, der Augsburger Bua aus dem Hettenbachviertel, schrieb Fußballgeschichte und kann auf eine einzigartige und große Karriere zurückblicken. Am Oberhauser Bahnhof hat er das Kicken gelernt, beim BCA wuchsen seine fußballerischen Wurzeln. Er war klein, seine Freunde nannten in "Hemad".

Doch fällt irgendwo auf der Welt der Name Augsburg, dann wird diese Stadt unwiderruflich mit der Puppenkiste, Jakob Fugger, Bert Brecht und Helmut Haller in Verbindung gebracht.

Er war einer der ersten deutschen Fußballer, die ins Ausland wechselten. Das war 1962 nach der WM in Chile. Auch 1966 (England) und 1970 in Mexiko gehörte er der Nationalmannschaft bei Weltmeisterschaften an. 1964 wurde Helmut Haller mit dem AC Bologna italienischer Meister und im selben Jahr als erster ausländischer Spieler zum Fußballer des Jahres auf dem Stiefel gewählt. Längst hatten sie ihm im sonnigen Süden den Spitznamen "Il Biondo" - der Blonde - verpasst. Mit Juventus Turin holte er 1972 und 1973 den Titel, stand 1973 mit Juve im Finale um den Cup der Landesmeister. 33-mal spielte er für die deutsche Nationalmannschaft; bei der 2:4-Niederlage gegen England im Weltmeisterschafts-Endspiel 1966 im Londoner Wembleystadion hat er das 1:0 für die deutsche Mannschaft erzielt. Ein Tor für die Geschichtsbücher, ein Spiel, das ihn 30 Jahre später wieder einholte.

1996, wenige Wochen vor der Europameisterschaft auf der Insel, erinnerte man sich dort an eine kolossale Lücke. Der Ball ist weg. Haller hatte 1966 nach dem Finale das Spielgerät an der Queen vorbei nach Hause geschmuggelt. "Niemand hat sich daran gestört", erinnerte sich der ehemalige Nationalspieler. "Beim Bankett ließ ich mir sogar Autogramme drauf schreiben." 30 Jahre später brachte er das Leder nach einem erbitterten Kampf britischer Boulevardblätter untereinander wieder nach England zurück.

Doch denkt man an Haller, dann landet man im sonnigen Süden, in Italien. Dort wurde das schlampige Genie verehrt, teilweise sogar vergöttert. Als er mit dem AC Bologna den "Scudetto", die italienische Meisterschaft, gewann, brachte ihm dies eine Privataudienz beim Papst ein. Höhere Weihen gibt es für einen Fußballer in Italien nicht. Wer mal das Vergnügen hatte, mit Haller in italienische Stadien zu gehen, der kann diese außergewöhnliche Popularität bestätigen. Bei Besuchen in seiner zweiten Heimat öffnen sich, auch heute noch, beinahe alle Türen.

Franz Beckenbauer bezeichnet Haller stets als Genie, "das Tore eiskalt schoss und vor den Spielen nervös wie ein Rennpferd war. An seiner Seite habe ich immer sehr gerne gespielt."

Im Rosenaustadion sangen die Fans das "Hallerluja"

Hallers Klasse war auch bei Experten unumstritten. 1999 wählte ihn die Süddeutsche Zeitung in die "Elf des Jahrhunderts". Mit in diesem Team waren unter anderem Sepp Maier, Franz Beckenbauer, Paul Breitner, Lothar Matthäus und Fritz Walter nominiert.

1973 kehrte Helmut Haller nach Augsburg zurück und entfachte in seiner Heimatstadt eine Fußball-Euphorie, wie es sie vorher und auch seither, trotz der Rückkehr des FC Augsburg in die zweite Liga, nicht mehr gab. Im Rosenaustadion sangen die Fans das "Hallerluja", 23 000 Zuschauer besuchten im Schnitt die Heimspiele. Helmut Haller hätte den FCA um ein Haar in die erste Bundesliga geführt, am Ende fehlte ein Punkt zum Aufstieg. "Er hat uns geleitet, er war unser Zugpferd", schwärmt sein damaliger Mitspieler Heiner Schuhmann noch immer von dieser Zeit.

1979 war dann Schluss, mehr als 20 Profijahre forderten ihren Tribut. Helmut Haller war und ist nach wie vor fast für jeden Spaß zu haben, kann Anekdoten erzählen wie jene vom damaligen Bundespräsidenten Lübke, der 1966 sagte: "Herr Haller, ärgern sie sich nicht über das dritte Tor im Finale. Ich habe den Ball im Netz zappeln sehen." Der Nationalspieler nahm's mit Humor und soll geantwortet haben: "Dann glaub' ich halt auch das noch."

Privat war ihm das Glück nicht immer hold

Nach Ende seiner Karriere arbeitet er als Trainer, war Vizepräsident beim FC Augsburg, stieg als Repräsentant bei einem Augsburger Vereinsausstatter ein und öffnete dem Zusmarshauser Unternehmen Sortimo (Fahrzeugeinrichtungen) in Italien viele Türen.

Privat war das Glück Helmut Haller allerdings nicht immer hold. 1977 trennt er sich von seiner ersten Frau und "Managerin" Waltraud. Aus dieser Ehe stammen seine beiden Kinder Karin und Jürgen. In zweiter Ehe war er mit Kerstin verheiratet (ein Sohn, Sascha, heute 25). 2003 steuerte er nochmals in den Hafen der Ehe, heiratete die Kubanerin Noraimy, die allerdings seit einiger Zeit von ihm getrennt in Paris lebt.

Auch gesundheitlich musste der einst bekannteste Augsburger Gastarbeiter Rückschläge einstecken. Nach einer erfolgreich verlaufenen Hüftoperation spielte er sogar mit über 60 nochmals mit Freunden Fußball, doch an Sport ist längst nicht mehr zu denken.

Am zweiten Weihnachtsfeiertag 2006 erlitt er einen schweren Herzinfarkt, von dem er sich seither nicht mehr richtig erholte und der ihm noch heute zu schaffen macht. Sein Allgemeinzustand ist nicht mehr der beste, er geht langsam und bedächtig. Anfang August steht ihm eine Herzoperation bevor.

Doch vorher wird gefeiert. Die Stadt Augsburg gibt zu Ehren ihres berühmten Sohnes einen Empfang, sein Freund Josef Fuchs organisiert in Steppach ein privates Fest mit vielen Weggefährten.

"Darauf freue ich mich schon sehr", sagt Haller "ebenso wie auf die Einweihung der neuem Impuls-Arena." An den bevorstehenden Klinikaufenthalt denkt er dabei noch nicht.

Alles Gute, Helmut, nicht nur zum 70. Geburtstag.

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