Newsticker

Corona-Neuinfektionen in Deutschland auf höchstem Stand seit April
  1. Startseite
  2. Sport
  3. Heynckes Treueschwur für Bayer: Keine Klausel

Fussball

07.06.2009

Heynckes Treueschwur für Bayer: Keine Klausel

Heynckes Treueschwur für Bayer: Keine Klausel
Bild: DPA

Leverkusen (dpa) - In turbulenten Zeiten besinnt sich Jupp Heynckes auf alte Werte. "Ich habe mir noch nie eine Ausstiegsklausel in einen Vertrag schreiben lassen und kann diese Entwicklung auch nicht gutheißen", sagte der neue Trainer des Fußball-Bundesligisten Bayer Leverkusen.

Zuge seines überraschenden Comebacks schwor der 64 Jahre alte Fußball-Veteran seinem Verein nicht nur die Treue, den bis 2011 gültigen Vertrag einzuhalten, sondern kritisierte auch das Verhalten einiger Berufskollegen, die zuletzt via Ausstiegsklausel ihre Clubs plötzlich verlassen hatten: "Das sind schlechte Signale, durch Verträge wird auch die Identifikation mit dem Verein und der Region dokumentiert. Als Verein würde ich eine solche Klausel nicht machen."

Ganz bewusst habe sich Heynckes für zwei Jahre an Leverkusen gebunden. "Das ist genau die richtige Dauer, in der man Konzepte umsetzen kann. Bayer ist ein seriös geführter Verein mit einem entwicklungsfähigen Spieler-Potenzial", meinte der Trainer. Sein zum Hamburger SV abgewanderter Vorgänger Bruno Labbadia hatte diese Geduld nicht. "Wir wollten eigentlich mit ihm weitermachen. Mit der nötigen Flexibilität kann er ein großer Trainer werden - aber Bruno wollte einen Neuanfang", sagte Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser. Immerhin kassierte Bayer für den Wechsel Labbadias dem Vernehmen nach eine Ablöse von 1,3 Millionen Euro. "Bayer hat sich in unseren Gesprächen sehr positiv über Labbadia geäußert, das hat mir imponiert", sagte Heynckes.

Das in aller Eile getroffene Votum für Heynckes rechtfertigte Sportdirektor Rudi Völler: "Wir haben uns aber immer gefragt: Was wäre wenn? Jupp Heynckes stand immer an erster Stelle. Er ist authentisch." Nur eine Nacht habe Heynckes über Völlers Angebot schlafen müssen. "Ich habe nicht lange gezögert", erklärte der Coach. Durch seinen erfolgreichen Fünf-Spiele-Job, in dem er Bayern München zum Ende der Saison in die Champions League geführt hatte, wurde die Liebe um Fußball neu entfacht. "Während meines kurzen Gastspiels in München habe ich gemerkt, dass es noch in mir brennt", bekannte Heynckes. Doch nicht nur die sportlichen Fakten, auch sein "gutes Bauchgefühl" sei entscheidend gewesen: "Durch meine Arbeit in München haben sich einige Clubs auch aus dem Ausland an mich erinnert. Einen anderen Verein als Leverkusen hätte ich aber nicht übernommen."

Heynckes Treueschwur für Bayer: Keine Klausel

Auf dem derzeit ohnehin schlagzeilenträchtigen Trainermarkt sorgte Leverkusen für den wohl größten Coup. Nach den Versuchen, mit jungen Trainern wie Michael Skibbe und Bruno Labbadia den eigenen ambitionierten Ansprüchen gerecht zu werden, setzt die Clubführung nun auf Routine. Der mit 64 Jahren älteste Bundesliga-Trainer soll das junge, launische Bayer-Team auf Vordermann bringen. "Jupp Heynckes hat eine natürliche Autorität. Wir gehen unsere Richtung weiter, eine junge Mannschaft aufzubauen", sagte Völler. Künftiger Co-Trainer soll der frühere Leverkusener Peter Hermann werden, der allerdings noch beim 1. FC Nürnberg unter Vertrag steht. Der in die Kritik geratene Holzhäuser-Assistent Michael Reschke soll indes eine neue Aufgabe im Verein erhalten.

Der nach seinem Rückzug ins Private fast in Vergessenheit geratene Heynckes ist in den Bundesliga-Chefetagen urplötzlich wieder erste Wahl. Erfolge wie der Triumph in der Champions League mit Real Madrid (1998) und die deutschen Meistertitel mit Bayern München (1989/1990) gelten vielerorts wieder mehr als innovative Konzepte junger Trainer.

Anders als zuletzt in München soll Heynckes auf seiner insgesamt zwölften Trainerstation nicht als "Feuerwehrmann", sondern als Stratege mit langfristiger Zielsetzung wirken. "Die Mannschaft ist entwicklungsfähig und hat schon in der letzten Saison in einigen Spielen Fußball auf höchstem Niveau gezeigt", sagte Heynckes. Die Zielsetzung müsse ein Platz im internationalen Geschäft sein. Beraten habe er sich über das Jobangebot mit Bayern-Manager Uli Hoeneß und seiner Ehefrau. "Sie meinte aber, dass ich sowieso mache, was ich will", sagte Heynckes.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren