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FC Augsburg

04.06.2018

Hinteregger trifft gegen Deutschland: "Augen zu und rein"

Zwei Augsburger bei der Nationalmannschaft. Martin Hinteregger (links) und Kevin Danso vor dem Spiel gegen Deutschland.
Bild: Kolbert

Martin Hinteregger trifft mit vollem Risiko zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich für Österreich. Der FCA-Profi überrascht aber nicht nur auf dem Spielfeld.

Der Fußballprofi Martin Hinteregger, 25, ist immer für eine Überraschung gut. Auf dem Spielfeld, aber auch jenseits des Rasens. Egal ob als Spieler des FC Augsburg oder im Dress der österreichischen Nationalspieler. Als er vor dem Testspiel gegen Deutschland gefragt wurde, warum Österreich unter seinem neuen Trainer Franco Foda plötzlich taktisch so variabel spielen würde, referierte er erst einmal über das 4-4-2- oder 3-5-2-1-System, um es dann mit seinen Worten auf den Punkt zu bringen: „Wir sind doch keine Trottel.“

Wie Martin Hinteregger in seiner Heimat glänzte

Einmal mit feiner Klinge, einmal rustikal, so agiert Hinteregger auch oft auf dem Spielfeld. Auch am Samstag pendelte er zwischen den Extremen. Als Julian Brandt nach zehn Minuten Hinteregger mit druckvollem Angriffspressing unter Druck setzte, scheiterte der Österreicher zuerst mit seinem fast schon dilettantischen Befreiungsversuch, ehe es ihm gelang, den Ball dann einigermaßen sauber zu seinem Torhüter Jörg Siebenhandl zu spielen.

Dessen verunglückter Abschlag stoppte Mesut Özil (11.) und vollendete zur deutschen 1:0-Führung. Natürlich war es ein Fehler des Torhüters, doch mit etwas mehr Passsicherheit kurz zuvor hätte Hinteregger den Keeper von Sturm Graz gar nicht so in Verlegenheit im Klagenfurter Stadion bringen müssen.

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Zu was der gebürtige Kärntner quasi in seinem Wohnzimmer, er kam in St. Veith an der Glan, nur 22 Kilometer von Klagenfurt entfernt zu Welt, fußballerisch aber durchaus fähig ist, zeigte er beim 1:1-Ausgleich in der 53. Minute.

Einen Eckball von David Alaba nahm er mit vollem Risiko volley ab und jagte ihn in bester Cristiano-Ronaldo-Manier am verdutzten Manuel Neuer vorbei ins lange Eck. „Anders hätte man den Ball nicht nehmen können. Da kannst du nur Augen zu und drauf auf die Kiste. Dass er dann noch so einschlägt in so einem Spiel, ist brutal geil“, schilderte der Augsburg-Legionär sein Tor zum 1:1-Ausgleich gegenüber dem österreichischen Internet-Portal laola.

Martin Hinteregger (rechts) dreht nach dem 1:1 jubelnd ab, Jonas Hector (links) und Manuel Neuer können nichts mehr ausrichten.
Bild: Kolbert

Auch nach dem Spiel, so schien es, konnte er es kaum glauben, dass er den Ball so getroffen hatte. „Oft geht der Ball übers Stadion raus oder sonst irgendwo hin. Diesmal hat er zum Glück genau gepasst.“ Dass sein Tor der Türöffner zum historischen 2:1-Sieg der Österreicher war, freute ihn ganz besonders. „Man schlägt nicht alle Tage so ein Top-Team, noch dazu die Deutschen, den Nachbarn. Es war für ganz Österreich ein wichtiger Sieg.“

Nicht nur, dass es der erste nach 32 Jahren gegen den großen Nachbarn war, er wirkte auch wie Balsam auf der zuletzt so geschundenen österreichischen Fußball-Seele. Die hatte nach Jahren der Depression 2016 Hoffnung geschöpft, als sich Österreich unter dem Schweizer Trainer Marcel Koller mit einem jungen, talentierten Team für die EM qualifiziert hatte. Es waren gut ausgebildete Spieler, die in der Bundesliga ihren Feinschliff erhielten. Spieler wie der 23-jährige Hinteregger, der damals in Gladbach spielte, David Alaba (FC Bayern), Zlatko Junuzovic (Bremen), Alessandro Schöpf (Schalke 04) oder Julian Baumgartlinger (damals Mainz). Doch bei der EM schied Österreich schon nach der Vorrunde aus. Und als dann im Oktober feststand, dass Österreich nicht zur WM nach Russland fahren würde, schien man zwischen Innsbruck und Wien wieder mal in Melancholie zu verfallen.

Österreich profitiert von der Symbiose mit der Bundesliga

Doch ausgerecht der deutsche Koller-Nachfolger Franco Foda scheint das große Potenzial der Alpenkicker zu heben. Schon die fünf Partien vor der Testspielserie gegen Russland (1:0), Deutschland (2:1) und als Höhepunkt gegen Brasilien am 10. Juni, hatte er gewonnen. Jetzt scheint alles möglich.

Dass die „Mini-WM“, wie die Österreicher plötzlich die Testspielreihe nennen, für Russland, Deutschland und Brasilien nur ein verhaltener Aufgalopp Richtung WM ist, weiß Hinteregger natürlich auch, aber trotzdem wollte er sich den Erfolg nicht kleinreden lassen: „Deutschland ist zurzeit so ziemlich das beste Team, Brasilien ist nicht weit hinten nach. Auch da wollen wir wieder bestehen, zeigen, was wir können.“

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Österreich und Foda profitieren bei dieser Spielergeneration auch von der Symbiose mit der Bundesliga. 23 Österreicher standen zu Beginn der Rückrunde im Kader der Bundesligisten. Die größte Fraktion davon beim – FC Augsburg. Martin Hinteregger, Kevin Danso, der gegen Russland und Deutschland auf der Ersatzbank saß, und Michael Gregoritsch, der nur verletzungsbedingt nicht nominiert wurde, verdienen hier ihr Geld. Die akribische Arbeit von FCA-Trainer Manuel Baum, der viel Wert auf taktische Flexibilität legt, kommt nun auch wenig Franco Foda zugute. Während Koller taktisch kaum etwas änderte, lässt Foda variabel und angriffslustig agieren.

Allerdings ist man beim FCA nicht traurig, dass es vor der Ära Foda nicht zur WM-Qualifikation gereicht hat. So werden Hinteregger, Danso und Gregoritsch pünktlich am 1. Juli zum Trainingsauftakt da sein. Hinteregger kommt ohne schlechtes Gewissen: „Ich denke, wenn die Deutschen den WM-Titel heimbringen, kann ich beruhigt nach Augsburg fahren.“

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