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Luftpistole

18.11.2017

Historisches Schießen

In der Gemeinde Scheuring findet heute zum ersten Mal ein Wettkampf in der 1. Bundesliga statt. Dabei wird auch ein Hauch von Olympia zu spüren sein

Es erinnert an die Geschichte des kleinen Dorfs in Gallien – umgeben von den Römern. Wie Asterix&Co. versuchen sich die Luftpistolenschützen von Edelweiß Scheuring (Landkreis Landsberg) der Übermacht in der 1. Bundesliga entgegenzustellen. Ob es auch hier ein Happy-End gibt, wird sich erst nach dem letzten Durchgang zeigen. Doch am heutigen Samstag sorgen die Schützen erst mal für einen historischen Tag in der Gemeinde mit knapp 2000 Einwohnern: Zum ersten Mal findet dort ein Wettkampf in der 1. Bundesliga statt.

Geplant war das nicht. Als Vizemeister der 2. Liga wollten die Scheuringer auf den Aufstiegskampf verzichten. Erst nachdem der Verband mit einem Zwangsabstieg drohte, fuhren die Edelweiß-Schützen in die Olympiaschießanlage nach Hochbrück, setzten sich gegen die Konkurrenten durch und das „Abenteuer 1. Bundesliga“ begann.

Der heutige Heimwettkampf wird dabei sicher ein Höhepunkt sein. „Wir hatten schon in der 2. Liga eine tolle Atmosphäre“, schwärmt Schützenmeister Franz Berghofer. In der Lechrainhalle, einer Mehrzweckhalle beim Sportplatz, haben die Schützen eine mobile elektronische Schießanlage aufgebaut, so können rund 200 Zuschauer die Wettkämpfe verfolgen. „Auf einer großen Leinwand ist jeder Schuss genau zu sehen“, erklärt Berghofer, zudem werden die Wettkämpfe moderiert. So, wie man es im Fernsehen von Olympischen Spielen kennt. Und ein Hauch von Olympia wird auch in Scheuring zu spüren sein: Monika Karsch, Silbermedaillengewinnerin von Rio, wird mit ihrer Bundesliga-Mannschaft Kehlheim-Gmünd zu Gast sein.

Allerdings nicht gegen Scheuring schießen, denn die Gastgeber treten gegen den Tabellenfünften Murrhardt-Karnsberg an. Aber eigentlich ist es fast egal, auf wen die Edelweißschützen treffen, eines haben alle Gegner gemein: Sie verstärken sich mit den Top-Athleten aus dem In- und Ausland. In der Mannschaft von Karsch tritt zum Beispiel auch der Doppelweltmeister Tomoyuki Matsuda aus Japan an, weitere Teamkollegen der Olympionikin kommen aus Serbien, Spanien und Tschechien. Diese werden – wenn es die Stärke des Gegners erfordert – kurzerhand eingeflogen. Für Scheuring kam es nicht infrage, Profis zu verpflichten. „Letztlich haben wir elf aktive Mannschaften und ein limitiertes Budget, das wir nicht automatisch allein für uns behaupten können“, sagt Mannschaftsführer Sebastian Heinisch. Mit ihrem „Einheimischenmodell“ – fast alle Schützen sind Eigengewächse – habe man den Erfolg erzielt und will daran weiter festhalten.

Im Gegensatz zu den meisten ihrer Gegner gehen alle Scheuringer Schützen einem Beruf nach, einige haben auch Familie. Einfach den Trainingsumfang zu erhöhen war damit nicht möglich, dafür ließ man sich etwas anderes einfallen: Die Scheuringer engagierten einen Mentaltrainer und büffelten einen ganzen Tag lang Strategien, um noch konzentrierter in die Wettkämpfe gehen zu können. Außerdem wurde ein ehemaliger Bundesliga-Schütze als Trainer „engagiert“, denn „jetzt wollen wir auch die Liga halten“, sagt Sebastian Heinisch.

Bislang hatten es die Scheuringer nur mit den Top-Teams der Liga zu tun, erst in den letzten Kämpfen treffen sie auf Gegner, die bezwingbar sind. Trotzdem hat bereits fast jeder der fünf Schützen einen Einzelpunkt verbuchen können. Denn auch das macht den Reiz in den höchsten Schützen-Klassen aus: Es werden nicht einfach nur die Ringe addiert, sondern immer zwei Schützen treten im Duell gegeneinander an und kämpfen um den Mannschaftspunkt, der am Ende über Sieg und Niederlage entscheidet. Und dieser Modus sorgt für zusätzlichen Nervenkitzel. Da gibt es Spezialisten, die ihre Schussserie extrem schnell setzen und damit den Gegner unter Druck setzen. Denn sobald man den letzten Schuss abgegeben hat, kann man den Gegner mit den Augen ins Visier nehmen – und so aus dem Rhythmus bringen. Schießsport auf diesem Niveau ist mehr, als „nur“ die Zehn zu treffen.

Zeitplan 16 Uhr Kelheim-Gmünd - Waldhausen; 17.30 Uhr Scheuring - Murrhardt-Karnsberg; 19 Uhr Weil am Rhein - Willmandingen. – Anfahrt Lechrainhalle in Scheuring, Buchenweg 9

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