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DFB-Pokalfinale

22.05.2018

„Im Ermessen des Schiedsrichters“

Felix Zwayer

Felix Zwayer verteidigt seine Entscheidung, keinen Strafstoß gegeben zu haben

Worauf beruhte Ihre Entscheidung, nach Studium der Videobilder keinen Elfmeter für den FC Bayern nach dem Einsteigen von Frankfurts Kevin-Prince Boateng gegen Javi Martinez zu geben?

Meine Wahrnehmung im Live-Ablauf war ein Zufallkommen des Spielers Martinez nach dem Zweikampf mit Kevin-Prince Boateng. Unklar war für mich zunächst, ob und in welcher Form ein Kontakt stattgefunden hat. Nach entsprechender Kommunikation teilte mir Video-Assistent Bastian Dankert mit, dass ein Kontakt vorliegt. Daraufhin wollte ich das Videomaterial selbst bewerten: Der Spieler Boateng streift beim Versuchen den Ball zu spielen, den linken Fuß des Spielers Martinez. Da es sich nicht um einen heftigen Tritt und keinen vollen Treffer handelte, bewertete ich diesen Kontakt im Rahmen meines Ermessensspielraumes für sich allein genommen als nicht ausreichend, um ihn als Foulspiel einzustufen. Da der Spieler Martinez den getroffenen Fuß dann ohne Beeinträchtigung stabil abstellte und er erst danach über das rechte Bein in die Fallbewegung kam, erachtete ich den Kontakt auch nicht ursächlich für das Zufallkommen.

Wie bewerten Sie diese Szene im Nachhinein?

Es handelt sich sicher nicht um eine Schwarz-Weiß-Szene, für die es eine 100 Prozent korrekte und von allen akzeptierte Lösung gibt. Es gibt Argumente für und gegen Strafstoß. Es ist also eine Entscheidung im Ermessen des Schiedsrichters. In der öffentlichen Wahrnehmung erscheint es so, als sei ein Kontakt durch das Videomaterial bewiesen und es müsse daher auch zwingend Strafstoß geben. Tatsächlich ist aber ja nicht jeder Kontakt per se strafbar und auch die Videobilder lassen Bewertungen und Interpretationen von Abläufen zu.

Welche Bilder hatten Sie für Ihre Entscheidung zur Verfügung? Peter Gagelmann sagte nach dem Spiel, dass es besser gewesen wäre, Ihnen Szenen in Real-Geschwindigkeit als Einstellung in Zeitlupe zu zeigen.

Ich habe den Vorgang aus der Hintertorperspektive in unterschiedlichen Geschwindigkeiten betrachtet. Zunächst ein Standbild, dann in 20-prozentiger Geschwindigkeit. Hier war der Kontakt deutlich erkennbar, eben allerdings auch, dass dieser nicht voll, sondern seitlich am linken Fuß entlang ging. In der Normalgeschwindigkeit war dann zu sehen, dass der Spieler Martinez den getroffenen Fuß zunächst sicher abstellte und er erst danach ohne weitere Berührung über das rechte Bein zu Boden ging. Ich hatte keinen Bedarf an weiteren Einstellungen. (dpa)

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