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Interview
08.06.2018

BLSV-Präsident: "Olympia soll wieder in Deutschland stattfinden"

Günther Lommer wünscht sich wieder Olympische Spiele in Deutschland.
Foto: Peter Kneffel, dpa (Symbolbild)

Günther Lommer tritt nach 14 Jahren als BLSV-Präsident ab. Was er gerne noch erreicht hätte und was auf seinen Nachfolger wartet.

Herr Lommer, 14 Jahre lang waren Sie Präsident des Bayerischen Landessportverbands. Am Wochenende wird Ihr Nachfolger gewählt. Warum ist nun Schluss?

Günther Lommer: Das hat drei Gründe. Zum einen werde ich 72 Jahre alt. Damit habe ich ein Alter erreicht, in dem man aufhöhren sollte. Zudem hat sich der Verband verändert. Alles ist digitalisiert, damit tue ich mich schwer. Drittens: Ich bin der Meinung, dass ich einen richtigen Nachfolger gefunden habe, das war mir sehr wichtig.

Dieser wird auf dem Verbandstag des BLSV am Samstag gewählt. Wen werden Sie vorschlagen?

Günther Lommer: Jörg Ammon, unseren stellvertretenden Präsidenten. Er ist seit vielen Jahren Vorsitzender eines großen Vereins in Nürnberg, er ist also ein Profi.

Welche Herausforderungen warten auf den neuen Präsidenten des BLSV?

Günther Lommer: Arbeit gibt es immer. Erst kürzlich erfolgte der Spatenstich eines neuen Camps im oberfränkischen Bischofsgrün. Ein 25-Millionen-Euro-Projekt bei einem Verband, der nicht reich ist – man muss also gut kalkulieren. Er muss außerdem das gute Verhältnis, das wir mittlerweile zur Politik haben, aufrecht erhalten. Denn: Der Staat hat noch nie so viel Geld für den Sport zur Verfügung gestellt wie 2018.

Viele Vereine klagen über Mitgliederschwund. Was kann der BLSV tun, um dem entgegenzuwirken?

Günther Lommer: Zu meinem Amtsantritt habe ich versprochen, dass es keine Beitragserhöhungen gibt, solange ich Präsident bin. Das Versprechen konnte ich halten – und damit auch die Beitragsehrlichkeit gewährleisten. Der BLSV wächst weiterhin, aktuell haben wir 4,56 Millionen Mitglieder, fünf Millionen ist unser Ziel. Natürlich müssen wir den Vereinen zeigen, wo sie noch Potenzial ausschöpfen können. Meiner Meinung nach liegt das in Fitnessstudios, im Senioren- und Betriebssport, aber auch im Frauenanteil, der derzeit bei 38 Prozent liegt.

Und damit können sich Vereine retten?

Günther Lommer: Vereine, die ein Fitnessstudio betreiben, konnten ihre Mitgliederzahl zum Teil ums Achtfache steigern. Ich habe keine Bedenken.

Wenn Sie auf Ihre Präsidentschaft zurückblicken: Mit welchen Gefühlen gehen Sie?

Günther Lommer: Es war mir ein Anliegen, dass es den Vereinen, den Verbänden gut geht. Dass sie genügend Geld bekommen. Heute ist der BLSV finanziell gesund. Mir hat die Arbeit wahnsinnig viel Spaß gemacht, ich wurde quasi über Nacht Präsident.

Günther Lommer
Foto: BLSV

Das müssen Sie erklären...

Günther Lommer: Ich bin vor 14 Jahren zu einem Verbandstag gefahren, ohne dass ich Präsident werden wollte. Bis um halb vier Uhr morgens wurde ich bekniet, weil das Amt sonst niemand übernehmen wollte. Auf der Heimfahrt war mir da schon mulmig. Aber dass ich als Sprecher der Landessportbünde auch zwei Olympia-Bewerbungen auf den Weg bringen durfte, das war schon toll.

Die beiden Bewerbungen für die Olympischen Spiele waren erfolglos: Wäre das etwas gewesen, das Sie als Präsident gerne noch erreicht hätten?

Günther Lommer: Ja, ich habe den Wunsch, dass Olympische Spiele wieder in Deutschland stattfinden. Es kann nicht sein, dass wir ein olympiafreies Gebiet sind, nur weil einige Parteien etwas dagegen haben. Die tollen Erfolge aus Pyeongchang hätten in Bayern stattfinden können. Was ich auch noch gerne als Präsident miterlebt hätte: Wir bauen die Sportschule Oberhaching aus, setzen dort Mediziner und Wissenschaftler ein, um unsere Leistungssportler noch besser fördern zu können.

Haben Sie Sorge, dass Ihnen ab dem Wochenende langweilig wird?

Günther Lommer: Manchmal ist mir tatsächlich langweilig, ich möchte immer was tun. Aber ich habe sechs Enkelkinder, bin politisch engagiert. Als Ehrenpräsident des ASV Cham bringe ich zudem die beste Vereinszeitung Bayerns heraus. Das kann ich selbstbewusst sagen, weil alle anderen über meinen Schreibtisch wandern. Es gibt also einiges zu tun.

Außerdem steht die Fußball-WM in Russland an: Wer holt den Pokal?

Günther Lommer: Deutschland ist stark genug, um den Titel zu verteidigen. Ich sage, die Mannschaft erreicht das Halbfinale. Und dann ist alles möglich.

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