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Interview
20.05.2016

So blickt ein Allgäuer BVB-Fan auf das Pokalfinale

Pascal Sittner
Foto: Sittner (Archiv)

Pascal Sittner lebt im Allgäu und ist Vorsitzender eines Dortmund-Fanklubs. Wie er das Finale sieht und warum er immer noch schlecht auf Mats Hummels zu sprechen ist.

Herr Sittner, Sie leben in Bertoldshofen, einem Allgäuer Dorf mit 1000 Einwohnern, tiefstes FC-Bayern-Land. Traut man sich da als Vorsitzender des Fanclubs BVB-Bavarians die schwarz-gelbe Fahne zu hissen?

Pascal Sittner: Klar doch. Bei den wichtigen Spielen achte ich darauf, dass sie besonders gut zu sehen ist.

Und das gibt keinen Ärger?

Sittner: Nein, da wird schon mal herumgefrotzelt, aber das wird nie bösartig – auch nicht im örtlichen Fußballverein, wo ich der einzige BVB-Anhänger bin.

Bei den BVB-Anhängern im Ruhrpott gilt das Spiel gegen den Erzrivalen Schalke als Mutter aller Schlachten. Wie verhält das sich bei einem bayerischen BVB-Fan?

Sittner: Ehrlich gesagt, gegen den FC Bayern zu gewinnen finde ich fast noch schöner. Da kann man bei der Arbeit und im Training die eine oder andere Spitze loslassen. Dort wimmelt es ja nur so von Bayern-Sympathisanten.

Ein Sieg im diesjährigenPokalfinale...

Sittner: ... wäre klasse – auch angesichts der Hummels-Geschichte.

Sie sind auf ihn wegen seines Wechsels zum Erzrivalen immer noch schlecht zu sprechen?

Sittner: Ja. Das hat mir nicht gefallen. In den vergangenen drei Jahren gab es von seiner Seite immer wieder Aussagen gegen den FC Bayern. Er hat Götze und Lewandowski kritisiert, als die zum FC Bayern gegangen sind. Und jetzt tut er es selbst. Bei mir ist er damit unten durch.

Vielleicht kommt ja Mario Götze nach Dortmund zurück.

Sittner: Das kann ich mir nicht vorstellen. Sportlich gesehen wäre er sicher eine Bereicherung. Aber von der menschlichen Seite her braucht Götze sich in Dortmund nicht mehr blicken zu lassen. Die Fans werden ihm nicht verzeihen, dass er damals gesagt hat, er könne sich gut vorstellen, für immer in Dortmund zu bleiben. Bei Lewandoski war das anders, obwohl mich sein Wechsel schon auch geärgert hat. Aber Lewandowski war wenigstens immer ehrlich. Er hat gesagt, dass er zum FC Bayern gehen will, um die Champions League zu gewinnen. Das hat ja bekanntlich bisher nicht geklappt. Dafür muss man dann halt doch ins Ausland gehen.

Wer ist der nächste BVB-Spieler, der schwach wird und zu Bayern wechselt? Vielleicht doch Marco Reus?

Sittner: Das wäre ganz schlimm. Der betont ja immer wieder, dass er nicht zum FC Bayern gehen wird. Und bei Reus kann ich es mir auch wirklich nicht vorstellen.

„Echte Liebe“ – so lautet der BVB-Slogan. Ist die Liebe der Borussia-Fans zu ihrem Klub tatsächlich größer als die der Bayern-Anhänger?

Sittner: Natürlich gibt es Bayern-Fans, die mit Herzblut dabei sind. Aber die meisten sind doch nur Bayern-Anhänger, weil sie in Bayern wohnen und der FC Bayern der erfolgreichste Klub in Deutschland ist. Bei den allermeisten BVB-Fans ist das anders. Obwohl auch hier die Zahl der Erfolgsfans zugenommen hat.

Wann haben Sie Ihre „echte Liebe“ für die Schwarz-Gelben entdeckt?

Sittner: In den 90er Jahren. Ich lebte mit meinen Eltern in Sachsen. Ich habe viel Fußball geschaut, hatte davon aber nicht wirklich viel Ahnung. Ehrlich gesagt lag es an den Trikotfarben, die meine Aufmerksamkeit auf Borussia Dortmund gelenkt haben – dieses Neongelb ist mir einfach ins Auge gestochen. Mein bester Kumpel war dann auch BVB-Fan. Seit 2001 wohne ich jetzt im Allgäu. Über Internet-Kontakte habe ich dann festgestellt, dass es auch hier einige BVB-Fans gibt.

Wahrscheinlich hauptsächlich „Zugereiste“?

Sittner: Nein, wir haben derzeit rund 60 Mitglieder, die allermeisten davon sind echte Allgäuer.

Und wie oft fährt eine Fanclub-Delegation nach Dortmund?

Sittner: Ich war in dieser Saison fünfmal dort. Dazu kommen noch mehrere BVB-Auswärtsspiele – die Partien in Augsburg und München gehören zum Pflichtprogramm. Ein ganz besonderes Erlebnis war die Reise zum Europa-League-Spiel in Krasnodar. Zuerst mit dem Zug nach Berlin, von dort aus mit dem Flugzeug nach Moskau und dann 20 Stunden Zugfahrt nach Krasnodar.

Da ist die Anreise zum Pokalfinale in Berlin ein Witz dagegen. Sie sind doch im Stadion?

Sittner: Natürlich. Am Samstag um 3 Uhr geht es los mit dem Zug. Hotelzimmer haben wir keine gebucht. Wir werden die ganze Nacht den BVB-Sieg feiern und am Sonntag um 6 Uhr wieder in den Zug steigen.

Interview: Roland Wiedemann

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