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6:1 gegen Nordirland

20.11.2019

Ist Serge Gnabry der Puzzlestein, der beim DFB bislang fehlte?

Traf beim Jahresabschluss des DFB-Teams gleich drei Mal: Serge Gnabry.
Foto: Uwe Anspach/dpa

Der Bayern-Stürmer brilliert in einer Rolle, die in der Nationalmannschaft lange unbesetzt schien - und könnte damit eine wichtige Rolle im EM-Jahr einnehmen.

Michael O’Neill musste nicht lange überlegen, um zu sagen, was ihn denn optimistisch stimme für das Play-off-Spiel in Bosnien. "Sie sind nicht die Deutschen", zeigte der nordirische Nationaltrainer formidable Geografiekenntnisse. Seine Mannschaft müsste im kommenden März noch zwei Spiele gewinnen, um sich noch einen der vier verbliebenen Plätze für die EM zu sichern.

Die Partie am Dienstagabend gegen Deutschland zur Grundlage nehmend: Spieler und Trainer werden den Sommer eher für Vergnügungsreisen nutzen können, als sich in diesem irrwitzig konzipierten Turnier mit anderen Mannschaften zu messen.

Die Deutschen sind selbstverständlich keine Bosnier, die Nordiren allerdings auch keine Holländer. Oder Engländer. Deswegen freute sich Joachim Löw zwar verständlicherweise über den 6:1-Erfolg zum Abschluss der EM-Quali, verfiel aber nicht in Euphorie. Seine Mannschaft befinde sich erst am Anfang einer Entwicklung. Engländer oder Holländer seien da schon viel weiter und die Favoritenrolle für den Titel falle seiner Mannschaft im kommenden Jahr nun wirklich nicht zu. O’Neill wiederum hat beobachtet, dass sich jenes deutsche Team "sehr schnell entwickelt".

Der letzte überzeugende Sieg gegen ein ernstzunehmendes Team liegt lange zurück

Tatsächlich liegt der letzte derart überzeugende Sieg gegen ein Mittelklasseteam schon etliche Zeit zurück. Sechs Tore gegen Nordirland sind keine Selbstverständlichkeit, den Niederländern etwa gelang am vergangenen Samstag kein einziges. Mit dem Erfolg wächst das Selbstvertrauen und so räumte Serge Gnabry freimütig ein, dass ihn das Gerede von der sich im Umbruch befindlichen Mannschaft "langsam nervt".

Die Zeit des Ruinen-Abrisses und des Wiederaufbaus nach der WM soll nun endgültig vorbei sein. Löw wählte dabei notgedrungen einen anderen Ansatz als der gut-bürgerliche Häuslebauer. Statt erst ein massives Fundament zu gießen, verlegt der Bundestrainer lediglich ein paar Bodenplatten und widmet sich stattdessen einer glänzenden Fassade. Basis des deutschen Spiels ist nicht eine massive Defensivreihe. Aber wie sollte die auch mit dem vorhandenen Personal ausschauen? Gegen Nordirland standen Jonathan Tah und Emre Can in der Innenverteidigung. Gegen Nordirland reichte das. Die Länderspiele gegen Holland und Argentinien deuteten an, dass Mannschaften mit mehr Potenzial immer wieder poröse Stellen im deutschen Mauerwerk finden.

Serge Gnabry ist der Vollstrecker, der bislang fehlte

Dafür strahlt die Fassade. In Gnabry verfügt Löw über jenen außergewöhnlichen Vollstrecker, der ihm bei den vergangenen Turnieren fehlte. Die drei Treffer gegen Nordirland zeigten die Facetten seiner Klasse. Technisch anspruchsvoll bei Nummer eins, mit kühler Präzision das zweite Tor und beim abschließenden setzte er sich wehrhaft gegen seinen Gegenspieler durch. Neben Gnabry kann Löw mit Julian Brandt, Timo Werner und Marco Reus auf weitere Spieler zurückgreifen, die regelmäßig in der Champions League spielen. Auf Toni Kroos, Leon Goretzka, Joshua Kimmich und Ilkay Gündogan im Mittelfeld trifft selbiges zu. Hinzu kommt der noch nicht ausgereifte Kai Havertz, der das deutsche Spiel in den kommenden Jahren prägen wird.

Möglicherweise schreitet die Entwicklung dieses Teams ja wirklich schneller voran, als es zuletzt schien. "Uns haben die fünf Trainingseinheiten in der letzten Woche gut getan", wies Löw auf eine vermeintliche Petitesse hin. Zuvor aber konnte er seine Spieler in diesem Jahr tatsächlich meist seltener zum gemeinsamen Üben auf dem Platz versammeln.

Wenn sich die Nordiren im März mit Bosnien messen, testet die deutsche Mannschaft gegen Spanien. Ein weiteres Spiel soll mit den Portugiesen oder Belgiern vereinbart werden. Es sind die letzten beiden Partien vor der Kader-Nominierung für die EM. Die Spanier sind keine Nordiren. Ebenso wenig sind es die Portugiesen und Belgier. Für die Entwicklung des deutsche Teams kann das nur gut sein.

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