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Biathlon

05.03.2019

Ist jetzt Östersund dran?

Denise Herrmann hat schon eine Dopingsperre abgesessen.
Bild: dpa

In Schweden beginnt am Donnerstag die WM. Die Skijäger sind ebenfalls dopinggefährdet. Die nächsten Razzien drohen

Immer wieder hat bei Bernd Wolfarth im Urlaub das Smartphone geklingelt. Entspannte Skitage in Südtirol sehen anders aus. Nach den Doping-Razzien am Rande der Nordischen Ski-WM in Seefeld und in Erfurt kommt schnell die Frage auf, ob auch deutsche Athletinnen und Athleten zur Kundschaft des Doping-Netzwerkes zählten.

Wolfarth kennt sie alle, die Asse des deutschen Wintersports. Seit 2000 betreut der 53-Jährige als Leitender Arzt die Biathleten im Deutschen Skiverband (DSV). Seit Dezember 2010 hat Wolfarth auch den Vorsitz der Medizinischen Expertenkommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), ist leitender Olympiaarzt für die Sommer- wie Winterspiele – und weiß, wie engmaschig das deutsche Kontrollsystem ist. Also ist er ein gefragter Mann in diesen aufwühlenden Tagen. Wolfarth bestätigt, dass Mark S. – der in Erfurt verhaftete Sportmediziner – 2008 bei den Sommerspielen in Peking dabei gewesen ist. Zu der Zeit ist S. noch nicht negativ aufgefallen. Erst 2009 wird Radprofi Stefan Schumacher aus dem Team Gerolsteiner wegen Epo-Dopings gesperrt, S. bestreitet jedoch alle Vorwürfe.

DOSB-Präsident Alfons Hörmann sagte am Sonntag in Seefeld, dass es keine konkreten Hinweise auf deutsche Athleten gebe (siehe oben stehendes Interview). Noch nicht? Der Allgäuer ist als Mann klarer Worte bekannt und weiß, dass weitere Ermittlungen, Auswertungen und Beweise folgen werden. Und mit Sicherheit auch weitere Razzien. Die nächste Möglichkeit dazu böte sich schon bei der Biathlon-WM, die am Donnerstag mit der Mixed-Staffel im schwedischen Östersund eröffnet wird. Die Skijäger sind wie die Langläufer Ausdauerathleten und zählen damit zu den Risikosportarten.

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Nicht ohne Grund. Die Liste der Betrüger ist lang, reicht von A wie Albina Achatowa bis Z wie Karolis Zlatkauskas, ist gespickt mit prominenten Namen wie Irina Starych, Alexander Loginow, Teja Gregorin, Jekaterina Jurjewa bis hin zu Evi Sachenbacher-Stehle, die während Olympia 2014 in Sotschi positiv getestet wurde. Auch die für Östersund nominierte ehemalige Langläuferin Denise Herrmann ist vor zwölf Jahren als 18-Jährige wegen einer positiven Dopingprobe vom DSV für ein Jahr gesperrt worden.

Eine Jugendsünde? Die Oberwiesenthalerin hatte wegen eines hartnäckigen Hustens den handelsüblichen Hustensaft Spasmo Mucosolvan eingenommen. Dieser enthält aber den auf der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur stehenden Wirkstoff Clenbuterol. Auch bei der WM 2008 in Östersund ist Doping ein Thema.

Eine anonyme Anzeige in Österreich belastet damals deutsche Biathleten schwer. Stichwort: Wiener Blutbank und der Verdacht, Blutdoping betrieben zu haben. Die Deutschen haben sich massiv gewehrt. „Das ist, wie wenn man morgens die Zeitung aufschlägt und liest, dass man ein Kinderschänder sei. Einfach nur hart“, hat Ex-Biathlet Alexander Wolf damals gesagt – und die vom Verband zugeschickte eidesstattliche Versicherung noch in der Nacht unterschrieben. Überführt oder gar verurteilt wurde bis heute übrigens niemand.

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