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Hitzlsperger-Outing

28.01.2014

Jens Lehmann als homophob beschimpft

Aufgrund einiger kritischer Aussagen wird Jens Lehmann im Internet von vielen hart angegangen.
Bild: dpa

Kaum ein Fußballer weiß, wie er auf ein Outing seines Mitspielers reagiert. Weil Jens Lehmann das zugibt, muss er sich von der Netzgemeinde beschimpfen lassen.

Thomas Hitzlsperger hat sich als schwul geoutet. Der ehemalige Nationaltorwart Jens Lehmann war früher Mitspieler von Hitzlsperger. Da bot es sich an, Lehmann zu dem Outing zu befragen, als der Ex-Keeper am Sonntag in der Fußballsendung Sky90 zu Gast war.

Und Lehmann sprach. Er wich nicht aus, sondern antwortete spontan. So räumte er unumwunden ein, nicht zu wissen, wie er auf einen offen schwulen Mitspieler reagiert hätte. "Ich weiß nicht, was ich gedacht hätte, wenn ich mit jemandem zusammengespielt hätte: beim Duschen, in den Zweikämpfen." Dafür muss sich Lehmann nun hämische Kommentare gefallen lassen. Er wird als homophob bezeichnet. Weil er die Wahrheit sagt.

Duschen mit schwulem Mannschaftskollegen?

Woher soll er denn wissen, was er gefühlt hätte? Was bitte ist daran verwerflich, sich möglicherweise seltsam zu fühlen, wenn man mit einem Schwulen zusammenduscht? Selbstverständlich werden die wenigsten schwulen Sportler aus erotischen Gründen mit ihren Mannschaftskollegen duschen. Natürlich wird es zu keinem einzigen sexuellen Übergriff kommen. Würde es auch nicht, wenn ein heterosexueller Mann mit einer Frauenmannschaft duscht. Niemand würde aber den Frauen vorwerfen, verklemmt zu sein, nur weil sie nicht mit einem Mann unter der Dusche stehen wollen.

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Außerdem sagte Lehmann: "Thomas Hitzlsperger ist ein Spieler, der erstens sehr intelligent ist und zweitens von seiner Spielweise überhaupt nicht den Anlass gegeben hätte, dass man da hätte denken können, da ist irgendwas." Auch da kommen sie wieder, die Aufgeklärten. Schütteln verzweifelt lächelnd ihren Kopf. Wie kann er nur, der Lehmann? Warum sollte denn ein Schwuler anders spielen als ein Heterosexueller? Also so was aber auch. Dabei gibt Lehmann einfach wieder, was zumindest einige denken. Dass Schwulsein einher geht mit bestimmten Charaktereigenschaften oder Fähigkeiten. 

Ob da etwas dran ist? Wahrscheinlich nicht. Vielleicht schon. Gibt es Studien, ob Sexualität beispielsweise etwas mit Kreativität zu tun hat? Keine Ahnung. Wahrscheinlich auch die wenigsten, die Lehmann ob seiner scheinbar homophoben Aussagen kritisiert haben. Die reflexhaft vorgestanzte Formulierungen runterhacken, sobald irgendwo das Adjektiv homophob auftaucht.

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