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Interview

03.05.2020

Jörg Löhr: Ein Augsburger soll Werder Bremen retten

Motivationstrainer Jörg Löhr aus Augsburg unterstützt ab sofort die Bundesligamannschaft von Werder Bremen.
Bild: Ulrich Wagner

Der Bundesligist arbeitet ab sofort mit dem Augsburger Mentalcoach Jörg Löhr zusammen. Der muss in Corona-Zeiten umdenken. Im Interview erklärt er, wie.

Herr Löhr, zusammen mit Ihrem Kollegen Mathias Kleine-Möllhoff werden Sie künftig als Mentaltrainer den abstiegsgefährdeten Bundesligisten Werder Bremen unterstützen. Gab es schon Kontakt mit dem Team?

Jörg Löhr: Werder hat schon im Februar bei mir angefragt, damals habe ich auch die Zusage erteilt. Wegen der Corona-Pandemie ist dann alles erstmal auf Eis gelegt worden. Mit der Mannschaft gab es bislang noch kein Treffen. Wir müssen nun wie alle in der Liga abwarten, bis wann von der Politik ein Termin für die Fortsetzung vorgegeben wird.

Sie haben schon beim FCA und Schalke gearbeitet – wo setzen Sie denn bei Bremen an? Schließlich müssen Sie die Kicker nicht nur fit für den Abstiegskampf machen, sondern auch auf die besonderen Umstände infolge der Corona-Krise vorbereiten.

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Löhr: Die Vorgehensweise ist immer individuell. Es geht auch darum, welche Schwerpunkte der jeweilige Sportdirektor oder Trainer setzen. Darauf stimme ich dann meine Arbeit ab. Generell ist es so, dass wir mit allen Klubs Stillschweigen über unsere Arbeit vereinbart haben. Aber klar: Es geht jetzt generell auch darum, sich für ein Szenario mit Geisterspielen aufzurüsten.

Könnten Sie in Zeiten von Corona auch via Videokonferenz mit der Werder-Mannschaft zusammenarbeiten?

Löhr: Nein. Mit einer Videokonferenz kann man zwar viel lösen – mit meinen Mitarbeitern stehen ich zum Beispiel viel auf diesem Weg in Kontakt – aber als Mentaltrainer muss man direkt mit den Menschen zusammenarbeiten. Der Funke muss überspringen, das geht nur in persönlichem Kontakt.

Es ist auch nicht Ihr erstes Engagement bei Werder.

Löhr: Stimmt. 2011 haben mich der damalige Trainer Thomas Schaaf und der damalige Sportdirektor Klaus Allofs im Abstiegskampf dazu geholt. Weil das damals ganz gut funktioniert hat, hat man sich wohl an mich erinnert.

Als die Anfrage von Werder kam, stand der FCA noch auf Platz 12

Sie sind Augsburger und Mitglied beim FCA, jetzt sollen Sie einem Konkurrenten helfen. Ein Interessenskonflikt?

Löhr: Ich bin mit Herzblut beim FCA dabei – aber ich bin auch Unternehmer. Wenn ich gerade nicht beim FCA aktiv bin und eine Anfrage eines anderen Vereins erhalte, ist das meiner Meinung nach auch ok. Abgesehen davon stand der FC Augsburg zum Zeitpunkt, als Werder sich gemeldet hat, auf Platz 12. Ich bin aber ohnehin felsenfest davon überzeugt, dass Augsburg die Klasse halten wird. Derzeit stehen sie neun Punkte und 15 Tore vor Bremen und spielen auch nicht mehr gegeneinander. Mit Heiko Herrlich haben sie einen exzellenten Trainer.

"Wir haben in Deutschland gerade 80 Millionen Virologen"

Ist es überhaupt sinnvoll, trotz Corona die Liga zu Ende spielen zu wollen?

Löhr: Im Normalfall haben wir in Deutschland 80 Millionen Bundestrainer – derzeit haben wir 80 Millionen Virologen. Ich beneide die Politik dafür nicht, derzeit die Entscheidungen treffen zu müssen. Und ich bewerte auch nicht, ob das alles richtig oder falsch ist. Fakt ist: Wir haben jetzt Rahmenbedingungen, mit denen wir das Beste machen müssen.

Werden Sie im Zuge des Corona-Konzepts der DFL auch regelmäßig auf eine Infektion getestet werden?

Löhr: Das weiß ich nicht, meine Arbeit in Bremen beginnt ja erst noch. Sicher weiß ich zum jetzigen Stand nur eines: Das, worüber wir uns heute Gedanken machen, kann morgen schon wieder von der Aktualität überholt worden sein.

 

Bekommen Sie in Ihrer Branche als Persönlichkeitstrainer auch die Auswirkungen von Corona zu spüren?

Löhr: Allerdings, all unsere Seminare sind betroffen. Übernächstes Wochenende ist eine Veranstaltung betroffen, die mit 1500 Zuschauern ausverkauft gewesen wäre. Aber es ist auch eine enorme Chance. Wir bieten viele Online-Kurse an. Wenn wir dann wieder in normales Fahrwasser kommen, ist das ein zweites Standbein für uns. Aber letztlich ist die Emotion entscheidend, die die Menschen ins Handeln bringt. Deswegen braucht es Präsenz-Seminare.

Wie stehen Sie als ehemaliger Leistungssportler zu Geisterspielen?

Löhr: Ich gehe davon aus, dass es bis zum Saisonende Geisterspiele geben wird. Das ist auch in Ordnung, weil jeder Verein schauen muss, dass die Saison zu Ende gebracht wird. Danach wird es hoffentlich normal weitergehen. Auf Dauer würde der Fußball ohne Zuschauer sterben, er lebt von den Emotionen.

Beim Handball hat der Ex-Nationalspieler "große Schmerzen"

Das gilt auch für den Sport, den Sie als Nationalspieler betrieben haben: Handball. Der kann sich aber nicht wie der Fußball mit Geisterspielen behelfen, weil die TV-Einnahmen deutlich geringer sind. Viele Klubs bringt das in Existenznot. Wie sehr blutet Ihnen da das Herz?

Löhr: Da habe ich große Schmerzen. Ich habe ja auch Kontakt zu vielen Spielern, die in Seminaren bei mir saßen. Es ist jammerschade, dass eine so unglaublich tolle Sportart nun so zu kämpfen hat. Wir haben in Deutschland die beste Liga der Welt – und die wird gerade in den Grundmauern erschüttert. Aber es gibt einen großen Zusammenhalt zwischen Spielern, Vereinen und dem Verband. Wenn jeder etwas gibt, geht es auch weiter.

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