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Vierschanzentournee

23.12.2015

Kein Schnee: Wie die Oberstdorfer das Auftaktspringen schaffen wollen

Auch im Oberstdorfer Langlaufstadion überwiegt die Farbe Grün.
Bild: Ralf Lienert

Obwohl kein Schnee liegt, beginnt nächste Woche in Oberstdorf die Vierschanzentournee. Die Skispringer sollen auf echtem Schnee landen. Wie die Oberstdorfer das schaffen wollen.

Das wäre doch mal eine Millionen-Frage für Günther Jauchs Quiz: Was haben Bottrop, Neuss und Senftenberg mit der Einkaufsmetropole Dubai am Persischen Golf gemeinsam? A) Drei Douglas-Filialen B) Bewerberstädte für die nächste Fußball-WM C) Sperrstunden um 21 Uhr oder D) Indoor-Skihallen? Richtig ist Antwort D. Alle vier Städte haben sich schon vor Jahren unabhängig gemacht von Wetterkapriolen, Klimawandel oder – wie im Falle von Dubai – ständiger Sonneneinstrahlung. Dass Wintersport auch ohne Winter geht und dafür noch nicht einmal ein teures Hallendach benötigt wird, wollen in der nächsten Woche auch die Oberstdorfer beweisen. Obwohl im Talkessel im südlichen Oberallgäu derzeit die Farbe Grün dominiert – und Alpinskifahrer das begehrte Weiß nur in den Hochlagen des Nebel- und Fellhorns finden, wird hier in der nächsten Woche Ski gesprungen. Schon letzte Woche richtete Skiclub-Präsident Dr. Peter Kruijer den Daumen nach oben – und versprach: Das Auftaktspringen der Vierschanzentournee am Dienstag, 29. Dezember, und die Qualifikation am Vortag sind gesichert.

Vierschanzentournee: Die Schattenbergschanze ist gekühlt

Grünes Licht also für Wintersport im Grünen. Doch wie soll das funktionieren, fragt sich der Laie. Landen die Springer auf grünen Stoffmatten – so wie im Sommer? Auf gar keinen Fall, entgegnete schon vor Jahren Walter Hofer, der Skisprung-Renndirektor des Internationalen Skiverbandes. „Eis oder Schnee sind bei der Anfahrt und der Landung nach wie vor absolute Pflicht“, erteilte der Österreicher Hofer all jenen eine Absage, die auf kürzere Winter mal flugs mit geänderten Wettkampfregeln reagieren wollten.

Den Oberstdorfern hilft beim strengen Regelwerk aber auch moderne Technik. In die Anlaufspur der großen Schattenbergschanze ist bereits vor vielen Jahren ein Kühlsystem eingebaut worden. Der Rest ist einfach: „Wir nehmen dann drei, vier Zentimeter Schnee“, sagt Stefan Huber, der Generalsekretär des Tournee-Auftaktspringens, durchmischen ihn wie Mörtel mit ein wenig Wasser. Folie drauf. Und fertig!“ Erst kurz vor dem Springen würden dann die Spurrillen hineingefräst. Selbst wenn die Sonne stark scheine und es 15 Grad warm sei, sagt Huber, würde die dünne Eis-Schnee-Schicht von der Kühlung am Leben gehalten.

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Deutlich schwieriger gestaltet sich das Präparieren des Aufsprunghügels und des Auslaufs in der Erdinger Arena. Weil die Temperaturen im nur gut einen Kilometer Luftlinie entfernten Langlaufstadion teilweise bis zu zehn Grad kälter seien, habe man den Großteil des benötigten Schnees dort in kalten Nächten produziert.

Auch die Tour de Ski in Oberstdorf findet statt

Da dieser Schnee in seiner Beschaffenheit aber höchst empfindlich sei, ist in den nächsten Tagen harte Handarbeit angesagt: Statt mit dem Pistenbully wird das sensible Weiß nun schaufelweise von Helfern im Landebereich der Springer verteilt. Auch ohne die natürlichen Kristalle vom Himmel soll somit garantiert werden, dass Severin Freund & Co. in knapp einer Woche Skispringen und über 20000 Zuschauer im Stadion mitfiebern können.

Auch die Tour de Ski der Langläufer am 5. und 6. Januar haben die Oberstdorfer trotz akuten Schneemangels noch nicht aufgegeben: „Es wird nicht einfach. Aber mit etwas Wetterglück schaffen wir das“, sagt Huber. Man hoffe auf zwei richtig kalte Tage und Nächte nach den Feiertagen, dann könnte zumindest eine 1,5 Kilometer lange Strecke für die weltbesten Langläuferinnen und Langläufer hergerichtet werden.“

Solche Nachrichten hört man beim Deutschen Skiverband gern. Marketing-Geschäftsführer Stefan Schwarzbach sieht die Situation trotz der Absagen des Kombinations-Weltcups in Klingenthal und des Biathlon-Weltcups in Oberhof (7. bis 10. Januar) noch gelassen: „Wir werden auch in diesem Winter einen Großteil unserer Weltcups gut über die Bühne bringen. Aber wir werden die Natur nicht überlisten“, sagte Schwarzbach am Dienstag, an dem es in Oberstdorf mit 13 Grad genauso warm war wie sechs Breitengrade südlicher in Rom.

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