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FC Bayern München

25.11.2019

Klaus Augenthaler erinnert sich an Belgrad: "Da war ich restlos bedient"

Die Bayern um Klaus Augenthaler waren gegen Roter Stern Belgrad (im Bild: Vladimir Jugovic) im Halbfinale 1991 nicht die schlechtere Mannschaft. Am Ende aber entschied ein dicker Patzer von Raimund Aumann das Aufeinandertreffen.
Bild: Witters

Exklusiv Die Bayern-Legende erlebte gegen Roter Stern Belgrad eine seiner größten Enttäuschungen. An einen Gegenspieler hat er aber ausnahmslos gute Erinnerungen.

Was macht das Angeln, Herr Augenthaler?

Augenthaler: (schmunzelt) Sie werden es nicht glauben, aber in letzter Zeit komme ich einfach nicht dazu. Durch meine Tätigkeit in der Trainerausbildung der Bayern-Akademie und als Botschafter des FC Bayern musste ich mein Hobby etwas vernachlässigen. Jetzt bin ich gerade von einer zweiwöchigen Dienstreise aus Thailand zurückgekehrt.

Bayern München spielt am Dienstag in Belgrad gegen Roter Stern. Können Sie sich an den 24. April 1991 erinnern?

Klaus Augenthaler erinnert sich an Belgrad: "Da war ich restlos bedient"

Augenthaler: An das Datum nicht, aber Sie spielen bestimmt auf das Halbfinal-Rückspiel des Landesmeister-Cups in Belgrad an. Wir hatten das Hinspiel in München mit 1:2 versemmelt und waren gezwungen, das Blatt in Belgrad zu wenden.

Lange Zeit schien es so, als ob die Partie in die Verlängerung gehen würde, nachdem Sie den zwischenzeitlichen Ausgleichstreffer erzielt hatten und Manni Bender Bayern in Führung gebracht hatte.

Augenthaler: Wir waren sehr selbstbewusst nach Belgrad gefahren. Jupp Heynckes hatte uns eingetrichtert, dass die Partie trotz des Handicaps offen ist. Wir hatten bereits in 1988/89 bei Inter Mailand eine sensationelle Aufholjagd hingelegt, und eine 0:2-Heimniederlage mit einem 3:1 Sieg wettgemacht. Obwohl Roter Stern im Hexenkessel des Marakana-Stadions mit über 80 000 frenetischen Zuschauern in Führung gegangen war, haben wir anschließend das Hinspiel-Resultat egalisiert. Leider kassierten wir bei einem Abwehrversuch von mir in letzter Minute noch den Ausgleichstreffer und verpassten so den Finaleinzug.

Bei dieser Aktion machte Bayern Torwart Raimund Aumann einen eher unrühmlichen Eindruck.

Augenthaler: Er war etwas irritiert, nachdem er von einen oder zwei jugoslawischen Spielern angegangen worden war, und lenkte den Ball ins eigene Tor. Schwamm drüber, so ist Fußball. (lächelt)

In der Partie wäre Ihnen beinahe auch noch Ihre kostbare Halskette abhandengekommen. Wie kam es dazu?

Augenthaler: Bei einem Zweikampf mit Miodrag Belodedic riss er mir unbewusst die Kette vom Hals. Ich dachte, sie sei auf den Rasen gefallen und hatte mich schon damit abgefunden, dass ich sie als Faustpfand in Belgrad hinterlegen musste. (lacht) Beim nächsten Vorstoß von mir gab sie mir Belodedic überraschend zurück und bewies damit, dass er nicht nur ein exzellenter Libero war, sondern auch ein anständiger Kerl.

Dieses Halbfinale war Ihr letztes internationales Spiel für den FC Bayern. Nach der Saison beendeten Sie Ihre aktive Karriere. Hadern Sie nicht ein bisschen damit, den Landesmeister-Pott nie geholt zu haben?

Augenthaler: Die größte Gelegenheit hatte ich 1982 in Rotterdam, wo wir im Finale gegen Aston Villa sehr unglücklich 0:1 verloren haben. Ich lieferte ein Riesenspiel und wir hatten die Engländer regelrecht an die Wand gespielt, sie erzielten jedoch den Siegestreffer. Beim Endspiel gegen Porto 1987 in Wien war ich gesperrt und musste so vor dem Fernseher miterleben, wie Madjer mit seinem frechen Hackentor den Ausgleichstreffer erzielte und zwei Minuten später noch das 2:1 auflegte. Da war ich restlos bedient! (lacht)

Der Herbst scheint eine stürmische Jahreszeit für den Rekordmeister zu sein. Vor zwei Jahren musste Carlo Ancelotti die Segel streichen, jetzt hat es Niko Kovac erwischt. Ist nun mit Hansi Flick Wetterberuhigung in Sicht?

Augenthaler: Ich finde, dass Flick, mit dem ich noch zusammengespielt habe, nach seiner Ernennung zum Chef-Coach das Team optimal betreut hat und insbesondere beim Spitzenspiel gegen Dortmund die Dominanz der Bayern unter Beweis gestellt hat. Insofern kann ich es schon nachvollziehen, dass die Klub-Bosse sein Engagement bis zur Winterpause verlängert haben. Danach muss man abwarten, wie sich das Thema Trainersuche entwickeln wird.

Vor zehn Tagen ist die Ära „Uli Hoeneß“ bei Bayern zu Ende gegangen. Sie haben noch mit ihm zusammengespielt, bevor er auf den Manager-Sessel umgestiegen ist. Wird sich der Verein durch seinen Abgang verändern?

Augenthaler: Der FC Bayern ist – in meinen Augen – ohne Hoeneß unvorstellbar, zumindest in der aktuellen Lage. Was heute der Klub ist und was er darstellt, ist auf dem Mist von Uli Hoeneß gewachsen. Er verkörperte wie kein Zweiter das „Mia-san-mia“-Gefühl des Vereins und katapultierte ihn in die höheren Sphären des Weltfußballs. Ganz von der Bildfläche wird er aber trotzdem nicht verschwinden, nachdem er weiterhin im Aufsichtsrat sitzen und das Ganze von dort kontrollieren wird. Abgesehen davon, ist der Tegernsee nicht eine Weltreise von der Säbener Straße entfernt, sodass er immer in Reichweite von den Geschehnissen sein wird.

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