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Interview

21.11.2020

Köln-Sportdirektor Horst Heldt: "Die Diskussion um Jogi Löw ist nicht redlich"

Kölns Sportdirektor Horst Heldt.
Bild: Marius Becker/dpa

Plus Horst Heldt, Sport-Geschäftsführer des 1. FC Köln, über das 0:6 der Nationalmannschaft, Parallelen zu seinem Klub und seine Vision für die nächsten drei Jahre.

Die deutsche Fußballnation steht unter Schock, ein 0:6 gegen Spanien zermürbt den Glauben an Trainer Löw und den Weg des DFB. Wie steht es um Ihren Glauben?

Horst Heldt: Das war schon ungewöhnlich, wenn man bedenkt, dass nahezu die erste Garde auf dem Platz stand. Aber ich kenne das von Spielen gegen den FC Bayern, wenn die einfach nicht aufhören und man als Gegner überhaupt keinen Zugriff bekommt. Irgendwann ist einfach alles zu viel

Also alles verzeihbar?

Heldt: Wir kommen gerade an einen Punkt, wo irgendwann einfach alles zu viel ist. Wo sind denn die Erholungspausen für die Jungs, die da spielen? Vielleicht ist das einfach ein menschlicher Vorgang in einem Wettbewerb, der immer schon kritisch gesehen wurde. Ich wundere mich, dass man sich darüber wundert. Das bestürzt mich.

Herr Heldt, wir reden über ein 0:6 einer deutschen Fußball-Nationalelf. Das bleibt ohne Konsequenz?

Heldt: Natürlich sollte man ein solches Prestigespiel nicht 0:6 verlieren, aber es kommt eben auch mal vor.

Schwarze Haare, Kette, Espressotasse - so kennt man Bundestrainer Joachim Löw. Am Montag wird der Schwarzwälder 60. Wir blicken zurück auf seine Karriere - als Spieler und Trainer.
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Die Nations League interessiert keinen

Trainer Joachim Löw steht enorm unter Beschuss. Muss ein Neuanfang her?

Heldt: Was soll jetzt bitte eine Trainerdiskussion? Damit kann ich wenig anfangen. Wenn man aus einer Nations League rausfliegt, die keinen interessiert? Es ist doch so: Es gab einen Umbruch, und jeder fand das gut. Eine junge Mannschaft aufbauen mit dem Ziel, bei der EM dann konkurrenzfähig zu sein. Das ist immer mit Hürden verbunden. Man hat sich aber dafür entschieden, das zu machen. Haben das jetzt alle vergessen? Das finde ich nicht in Ordnung. Wenn man den Weg geht, muss man ihn konsequent gehen. Deshalb halte ich die Diskussion um Löw für nicht redlich.

Warum?

Heldt: Joachim Löw halte ich für einen hervorragenden Trainer, der ganz viel geleistet und nach wie vor mein persönliches Vertrauen hat als Fan der Fußball-Nationalmannschaft. Und mehr zu beurteilen, maße ich mir nicht an. Ich bin nicht dabei. Das Spiel gegen Spanien habe ich noch nicht einmal im TV gesehen. Aber eines weiß ich: Wenn man sich für einen grundsätzlichen Weg entscheidet, gibt es Siege und Niederlagen. Ja und? Am Anfang des Weges hätte man diskutieren können und entscheiden: Wir spielen in jedem Länderspiel mit den Besten, die da sind. Ich spreche gar nicht gegen Müller, Boateng oder Hummels. Das sind nach wie vor herausragende Spieler. Es gab nur eine Entscheidung. Da ist Tagesaktualität nicht maßgeblich.

Wenn man sich für einen Weg entscheidet, sucht man sich das Personal dafür aus

Die Diskussion hat viel Ähnlichkeit mit der um den 1. FC Köln. Wie anstrengend ist für Sie die ständige Kommunikation über einen vereinbarten Weg und die Durchkreuzung durch regelmäßige Zwischenergebnisse?

Heldt: Wenn man sich für einen Weg entscheidet, sucht man sich das Personal dafür aus. Und dann gehört es auch dazu, ergebnisunabhängig zu entscheiden. Das ist wichtig. Und das transportieren wir hier in Köln. Nicht weil wir es müssen, sondern weil wir überzeugt davon sind. Weil wir den Weg für alternativlos halten im Hinblick auf das, was in den letzten Monaten, vielleicht sogar Jahren, passiert ist.

Warum alternativlos?

Heldt: Um dauerhaft kontinuierlich konkurrenzfähig zu sein mit einer mittelfristigen Strategie. Und mit Trainer Markus Gisdol, der bereit ist, diesen Weg mitzugehen. Der steinig ist, weil wir junge Spieler aus unserer sehr guten Nachwuchsarbeit weiter integrieren wollen. Und wir wollen keine Fahrstuhlmannschaft mehr sein. Wir halten aus absoluter Überzeugung an den Personalien fest. Aber wir werden permanent von außen damit konfrontiert: Wir werden gefragt, ob die Personen noch die richtigen sind. Die Spieler werden gefragt, ob der Trainer noch der richtige ist. Warum frage ich mich?

Letztlich ist es immer eine sicher oberflächliche Bewertung, die sich an Zahlen ausrichtet. Und ein Trainer ist für einen Fan immer eine Stellschraube, mit dessen Wechsel er große Veränderungen verknüpft.

Heldt: Zwei Vereine aus unserer tabellarischen Nähe haben sich schon entschieden, den Trainer zu wechseln. Es ist nicht unbedingt besser geworden.

Wir stehen alle vor großen Herausforderungen

Herr Heldt, Sie waren in Stuttgart, Schalke, Hannover, alles kein leichtes Umfeld. Ist Köln Ihr schwierigster Job?

Heldt: Nicht anhand dieser Parameter. Das Schwierigste ist die Zeit, in der wir uns gerade befinden. Wir stehen alle vor großen Herausforderungen, der Fußball gehört nur dazu.

Wie ist Ihre Kölner Vision der nächsten drei Jahre?

Heldt: Wir feilen gerade daran, weil das Vorstand und Geschäftsführung sehr wichtig ist. Wir fragen uns: Was haben andere besser gemacht? Der FC hat ganz viele gute Voraussetzungen. Jetzt müssen wir mit Ehrgeiz und Demut ambitionierte Ziele setzen, die leistbar sein müssen. Drei Jahre? Es wäre für mich erstrebenswert, wenn wir in diesen drei Jahren dauerhaft in der ersten Liga spielen. Und wenn sie mich persönlich fragen: Ich will nachhaltig für diesen Verein arbeiten.

Wollen Sie lange in Köln bleiben?

Heldt: Am liebsten ja. Aber das ist nicht wichtig. Die Zeit wird sein, wie sie sein wird, das entscheide ich nicht allein.

Am Samstag kommt Union Berlin. Zeit für einen ersten Sieg, oder?

Heldt: Auch ein Spiel, das wir gewinnen wollen. Es bringt jetzt nichts, am achten Spieltag hochzurechnen. Wichtig ist, den Anschluss nicht zu verlieren. Es ist niemand meilenweit weg. Und wir müssen für uns zusammenbleiben.

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