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Kommentar
21.01.2008

Das Risiko fährt immer mit

Die Streif ist nicht als besonders sanft bekannt. Manche nennen die Piste "mörderisch", andere "brutal", wieder andere sprechen von der "gefährlichsten" Abfahrt der Welt. Ihre Geschichte ist ein Sammelsurium von Erzählungen über harte und mutige Hunde, die diese Piste wie bezwungen haben. Im Rückblick ist die Streif Kitzbühel aber auch die Häufung schmerzhafter Knochenbrüche und fürchterlicher Stürze.

Trotzdem sitzt die feine Gesellschaft mit Schampus Jahr für Jahr im Ziel. Oder gerade deshalb? Die "Streif" zieht vor Ort und an den Fernsehern Millionen in ihren Bann. Sie ist ein Spektakel, ebenso wie die anderen Abfahrten, auf denen die Skifahrer jeden Winter ihre Gesundheit und manches Mal auch ihr Leben aufs Spiel setzen. Die Geschwindigkeit, die Gefahr und das Risiko machen den Reiz dieser Sportart aus, für Zuschauer, aber auch für Fahrer. Viele von ihnen haben sich heuer über die Streif beklagt - und sind doch alle angetreten.

Jede Abfahrt ist eine Gratwanderung: Auf der einen Seite stehen Nervenkitzel, Herausforderung und Spektakel. Auf der anderen die Gesundheit. Nach schweren Stürzen in der Vergangenheit sind die Abfahrten sicherer geworden. Doch kein Netz dieser Welt kann das Grundrisiko ausschalten: Wenn Menschen mit Tempo 140 ins Tal rasen, setzen sie sich Kräften und Gefahren aus, für die ihre Körper nicht geschaffen sind.

Wenn alles gut geht, ist eine Abfahrt nur ein Spektakel. Seit Samstag ist aber auch die "Streif" wieder als Risiko in den Köpfen der Menschen. Scott Macartneys Sturz war brutal, zum Glück kam er glimpflich davon. An seinem Unfall entzündete sich eine Debatte um die Sicherheit. Macartney schätzte den Zielsprung falsch ein. Er war zum dritten Mal verändert worden - die Kitzbüheler wollten ihn entschärfen. Aber es gab kein Training mehr, um sich an die neue Variante zu gewöhnen. Macartney raste mit Startnummer zwei ins Tal und wurde vom Sprung überrascht. Das war sein Verhängnis. Alle anderen Fahrer kamen an dieser Stelle problemlos vorbei. Aber auch ein fürchterlicher Sturz ist zu viel. Nächstes Jahr wird der Kitzbüheler Zielsprung sicher eindeutiger sein. Die unfallfreie Abfahrt bleibt dennoch eine Illusion.

Was die wagemutigen Skifahrer aber nicht brauchen, ist ein Wettrennen um die gefährlichste Strecke der Welt. In Kitzbühel war die Piste in diesem Jahr noch anspruchsvoller als früher. Das hat die Streif nicht nötig. Sie ist schon schwierig genug.

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