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Fußball-TV-Rechte

18.02.2015

Kommentar: Der Fußball ist uns lieb - teuer muss er nicht sein

Die Fußball-Bundesligisten wollen mehr TV-Geld.
Bild: Patrick Seeger (dpa)

Die Bundesliga will mehr Geld aus TV-Rechten - Nämlich 6,9 Milliarden. Die Idee ist, die Spieltage weiter zu stückeln. Davon sollte sie jedoch die Finger lassen.

6,9Milliarden. Keine Zahl hat die Fußball-Bundesliga derart aufgeschreckt wie diese Euro-Summe, die Englands Premier League für drei Jahre aus dem Verkauf der TV-Rechte einnimmt. Sie hat Klub-Präsidenten und -Manager hierzulande so tief getroffen, dass sie für die 140 Millionen Euro, die allein der FC Barcelona im nächsten Jahr vom Fernsehen kassiert, keinen Aufschrei mehr zustande brachten. Gegen Barças TV-Salär nehmen sich die 47 Millionen, die der FC Bayern aus der Bundesliga erlöst, beinahe bescheiden aus. Das gilt auch für die 640 Millionen, die alle 18 Profiklubs insgesamt kassieren, verglichen mit den englischen Milliarden.

Bundesliga: Mehr Geld aus TV-Rechten

Man darf diese Summen zu Recht aberwitzig nennen. Andererseits sind sie das Ergebnis eines freien Spiels. Die Nachfrage nach Fußball, dem weltweit begehrtesten TV-Produkt, ist ungebrochen. Wer vor 30 Jahren prophezeit hat, der Fußball werde bald totgesendet sein, kann ihn inzwischen rund um die Uhr bei bester Gesundheit schauen. Der Profi-Betrieb, die kapitalistische Leistungsgesellschaft mit Elementen modernen Menschenhandels, hat sich auch nicht selbst zerstört, wie ihm das Romantiker vorausgesagt haben. Stattdessen hat er sich entwickelt. Er hat moderne Stadien gebaut, in denen sich auch Frauen wohlfühlen. Er hat Rasenteppiche verlegen lassen und sich als großes Theater inszeniert, dem schon lange auch ehemals fußballferne Schichten zustreben.

FC Bayern: 47 Millionen Euro nationaler TV-Einnahmen

Die Menschen lieben den Fußball. So sehr, dass sie über zweistellige Millionen-Jahresgehälter der Spieler die Schultern zucken. Recht haben sie. Wohin, wenn nicht auf die Konten der Hauptakteure soll das Geld fließen? Der Markt ist frei – in England und Spanien noch freier als hierzulande. Die Bundesliga hält an einer Art sozialer Marktwirtschaft fest. Sie vermarktet sich zentral. Das verhindert Alleingänge, wie sie der FC Bayern gerne unternehmen würde.

Die Zentralvermarktung hält die Liga wenigstens halbwegs zusammen. Dafür müssen die Münchner mit 47 Millionen Euro nationaler TV-Einnahmen auskommen, während der FC Barcelona beinahe das Dreifache kassiert. Noch größer ist der Abstand zu England. Dort gibt es zwei Privatsender, die sich ein Wettbieten liefern. In Deutschland ist Sky privat konkurrenzlos. ARD und ZDF begnügen sich erfreulicherweise meist mit Zweitrechten.

Aus diesem Einnahme-Gefälle erwächst die Sorge der Bundesliga-Manager, Engländer und Spanier kaufen den Klubs demnächst die Kabinen leer und räumen sämtliche internationalen Trophäen ab.

Was den Spaniern neben den jüngsten Erfolgen zugute kommt ist das legendäre Camp Nou. Das größte Stadion Europas fasst ganze 99.354 (zahlende!) Zuschauer.
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Bild: dpa

Fußball-Bundesliga: 6,9 Milliarden Euro für drei Jahre

Die Gegenstrategie? Mehr Geld ranschaffen. Wie? Das Produkt weiter zerlegen. Ein Scheibchen der Salami am Montag, einige an Weihnachten. Das käme den Interessen von Sky entgegen, das dafür tiefer in die Tasche greifen müsste. Vorbild könnte Spanien sein, wo jedes Erstligaspiel zu einer anderen Zeit beginnt. Deutschland möge eine solche fortgesetzte Verhackstückelung der Bundesliga erspart bleiben. Sie würde dem geliebten Fußball-Samstag endgültig den Garaus machen. Dieser Preis ist zu hoch. Im Übrigen ist fraglich, ob Sky an einer Wochentagspartie Paderborn – Freiburg Freude hätte. Dass es auch anders geht, beweist der FC Bayern, gelegentlich auch Borussia Dortmund. Mit flexiblen Einnahme-Modellen, die trotz geringerer TV-Erlöse regelmäßig ins Champions-League-Finale führen. Ja, Geld schießt Tore – aber nicht immer und überall.

Die Bundesliga-Manager sollten sich entspannen. Deutschland ist Weltmeister. England hat den letzten WM-Titel vor 49 Jahren gewonnen und Spaniens Nationalelf hat sich kürzlich aus dem Kreis der Fußball-Großmächte verabschiedet.

Die Weltmeisterschaft verlieh der deutschen Nummer 1 nochmals einen Schub. Manuel Neuers Marktwert wurde um fünf auf 40 Mio. Euro korrigiert.
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