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FC Bayern übernimmt wieder die Spitze

Kommentar Von Anton Schwankhart
11.12.2018

Als erster Bundesligaverein führt der Rekordmeister ein papierloses Eintrittskartensystem ein. Da kann selbst der Tabellenführer aus Dortmund nicht mithalten.

Dass Deutschland eine digitale Wüste ist, in der jedes Start-up verdörrt, das Bildungssystem von digitalen Analphabeten auf das Niveau Angolas herunter regiert wird und das Land bald Dritte Welt ist, darüber herrscht in öffentlichen Diskussionen Einigkeit. Genaugenommen sind wir schon am Ende. Umso schöner, wenn in solcher Lage, ein neues Lichtlein leuchtet. Entzündet von einem, der kürzlich selbst so tief in der Krise steckte, dass die Menschen im Land um jedes Lebenszeichen froh waren und wenn es nur eine verquere Erklärung zu den Menschenrechten war.

Noch immer ist der FC Bayern mit neun Punkten Rückstand hinter dem neuen Bundesliga-Marktführer Dortmund auf Platz drei notiert, was für die Münchner nah bei Angola ist. Andererseits haben es Uli Hoeneß & Co. immer so gehalten: Wenn der FC Bayern sportlich nicht mehr die Nummer 1 ist, eröffnet er ein neues Feld. Also hat er eine Digitalisierungsoffensive gestartet, die Stadion-Besuchern den papierfreien Eintritt ermöglicht. Ähnlich wie am Flughafen. Handy über den Ticketscanner – und schon öffnet sich die wunderbare Bayern-Welt.

Wer freilich schon einmal eine Urlauberfamilie beim Boarding erlebt hat, die verzweifelt auf ein saftloses Handy-Display geblickt hat erwartet zukünftig ähnlich dramatische Szenen, wie sie sich bei der Einführung der FC-Bayern-Card im Parkhaus abgespielt haben.

Härter trifft der „Schritt in die Digitalisierung“, wie Karl-Heinz Rummenigge den Probelauf genannt hat, jene Menschen, die nach dem Spiel Zuschauer um deren Tickets bitten und Erinnerungen in Schuhkartons aufbewahren. Dort ruhen zu hunderten jene Karten, die es nicht in die Alben geschafft haben, denen zwischen knisterndem Pergament muffige Vergangenheit entströmt. Daneben handschriftlich: „1974. Mit Tante Berta im Stadion. Geschenk zur Firmung. 3:0. Dreimal Müller.“

Wer vorwärts will, muss Dinge hinter sich lassen können. Erst recht, wenn’s dem Land hilft.

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