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Joachim Löw muss das Glück wieder provozieren

Kommentar Von Tilmann Mehl
17.10.2018

Gegen Frankreich kehrte das Glück nur zeitweise zu den Deutschen zurück. Die Franzosen erzwangen den Sieg - das soll den Deutschen auch bald wieder gelingen.

Das Glück ist ein Rindvieh und sucht sich seinesgleichen. Wahlweise ist das Glück auch mit den Dummen. Und wer sich als Landwirt nicht gerade durch übermäßige intellektuelle Fähigkeiten auszeichnet, dem kommt Fortuna in Form von besonders großen Kartoffeln zur Hilfe. Eine andere Volksweise besagt wiederum, dass sich das Glück jenem auf die Seite schlägt, der tüchtig ist.

Die deutschen Nationalspieler gelten nicht als kognitiv minderbegabt. Ihr Trainer ebenfalls nicht. Weil sie aber in den vergangenen Monaten auch nicht durch großen Fleiß aufgefallen sind, machte das Glück einen großen Bogen um sie. Was soll es auch dort, wo es weder benötigt noch herausgefordert wird?

Kimmich glaubt: "Immer Pech ist kein Zufall"

Tatsächlich aber beklagten sich die Nationalspieler zuletzt, dass es ihnen doch abgehe, dieses Glück. Nicht die Art, die ihnen am Roulettetisch Millionen Euro einbringt. Daran mangelt es ihnen nicht. Auch nicht das Glück, abgesehen von ein paar schmerzenden Muskelfasern, über einen gesunden Körper zu verfügen. Nein, fehlendes „Spielglück“ machte Manuel Neuer dafür verantwortlich, dass ihm zuletzt manch Ball entglitt, den man gewohnheitsmäßig in seinen Pranken verortete. Joshua Kimmich hingegen vertritt eher den Realo-Flügel der Mannschaft: „Immer Pech ist kein Zufall.“

Gegen Frankreich kehrte das Glück nun zeitweise zu den Deutschen zurück. Ein Elfmeter, der zumindest als glücklich zu bezeichnen ist, sorgte für die Führung. Anschließend brachte Neuer seinen Stollen tatsächlich wirkungsvoll an einen von Mbappé geschossenen Ball. Fortuna deutete an, dass sie den Deutschen nicht abgeneigt ist, so sie sich ein bisschen um sie bemühen.

Frankreich zeigte: Das Glück lässt sich doch provozieren

Allerdings sind ihr die Franzosen offenbar doch noch näher – anders ist der uninspirierte Elfmeterpfiff zugunsten der Équipe Tricolore kaum zu erklären. Joachim Löw wird die Lehren aus dem Spiel ziehen. Der mutige Auftritt in der ersten Halbzeit wurde belohnt. Ebenfalls der Wille der Franzosen, das Spiel noch zu drehen. Das Glück lässt sich eben doch provozieren.

Dass die Franzosen in Antoine Griezmann und Kylian Mbappé zudem noch über Einzelkönner der Extraklasse verfügen, ist der Jugendarbeit in Frankreich geschuldet und dem Glück. Löw kann nicht auf derlei individuelle Könnerschaft zurückgreifen. Pech.

Seit 2006 ist Joachim Löw Bundestrainer.
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