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Kommentar
13.06.2016

Jogi Löw riecht - der unmanierliche Griff des Bundestrainers

Joachim Löw fühlte sich wie zu Hause – und griff sich an Körperstellen, an die man sich in der Öffentlichkeit nicht greifen sollte. Die Empörung verrät einiges über das Geschäft.
Foto: Laurent Dubrule (dpa)

Jogi Löw fühlt sich wie zu Hause – greift sich an Körperstellen, an die man sich nicht öffentlich greifen sollte, und riecht. Die Empörung verrät einiges über das Geschäft.

Wenn der Bundestrainer seinem Joachim eine bequeme Lage ermöglicht, ist das erst mal seine höchstpersönliche Angelegenheit und daher recht ungewöhnlich, darüber zu berichten. Nun geschah der unmanierliche Griff in die Körpermitte samt anschließender Geruchsprobe aber nun mal in der Öffentlichkeit, und als solche hat ein Stadion bei einer Europameisterschaft zu gelten. Fehler Löw.

Weitaus mehr als über die Manieren des Bundestrainers sagt die Justierung des wertvollen Stücks aber über jene, die sich darüber echauffieren oder amüsieren.

Natürlich gibt es weitaus Schlimmeres, als das Video Löws anzuschauen und seinen Freunden zu zeigen. Genauso wie es überhaupt kein Problem ist, sich über das T-Shirt Löws auszulassen. Die Schweißflecken. Farbe, Schnitt – da hat nichts gepasst. Häme ist gestattet. Löw steht schließlich in der Öffentlichkeit, verdient ziemlich viel Geld und muss das abkönnen. Könnte man meinen.

Ihm zur Seite steht Mats Hummels, der noch bei Borussia Dortmund unter Vertrag steht. Nächste Saison wird er aber auch beim FC Bayern mit Boateng zusammenspielen.
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EM 2016: Fehlende Typen werden bemängelt

Dem gegenüber steht die Frage, was der Massen-Voyeurismus mit den Prominenten macht. Grundsätzlich wird im Fußballgeschäft das Fehlen sogenannter Typen bemängelt. Also jenes Menschenschlages, der sich nicht um die Phrasen schert, die ihm die PR-Berater nahelegen. Der sich im öffentlichen Raum so verhält, wie er es am Stammtisch auch machen würde. Typen wie Thomas Müller.

Zu einem unauflöslichen Gegensatz kommt es nun, wenn jene, die nach Typen schreien, diese selbst demontieren. Durch das millionenfache Abrufen einer kurzen Unachtsamkeit. Wenn mit Häme gekübelt wird. Irgendwann reicht es auch dem letzten Typen. Schimanski würde heutzutage wohl eine Heerschar an Öffentlichkeitsarbeitern beschäftigen.

Jogi Löw riecht - Voranschreitende Boulevardisierung des Sports

Spieler halten sich mittlerweile aus Angst vor Lippenlesern auf dem Feld die Hand vor den Mund, wenn sie miteinander reden. In spanischen TV-Studios werden zahlreiche Sendeminuten damit bestritten, Unerhörtes ans Licht zu fördern. Mittlerweile ist jeder Quadratzentimeter des Spielfeldes ausgeleuchtet. Das gaukelt vor, so nah wie noch nie am Geschehen zu sein. Die totale Unmittelbarkeit birgt aber Gefahren.

Sie feilt an den Ecken und Kanten der Menschen. Letztlich wird sie dadurch zu einer Verfälschung führen. Wenn man nicht mehr Mann sein kann. Wenn ein ungeschickter Griff mehr Bedeutung als ein Sieg hat. Dann ist das die voranschreitende Boulevardisierung, vor der Kulturpessimisten seit geraumer Zeit warnen.

Jogis Fehlgriffe: Kann ein Bundestrainer so vor die Welt treten?

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14.06.2016

Die Sache auf den Punkt brachte Lukas Podolski auf einer Pressekonferenz:

"In der Mannschaft ist das kein Thema. 80 Prozent von euch und ich kraulen sich auch mal an den Eiern."

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