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Wunsch und Wirklichkeit klaffen auseinander

Kommentar Von Rudi Wais
26.01.2021

Die deutsche Mannschaft legt bei der Handball-WM das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte hin. Das liegt nicht nur an den vielen Absagen vor dem Turnier.

Nelson Mandela war ein Mann mit einem großen Herzen und großen Zielen. Wofür jemand auch kämpfe, welche Widerstände er auch zu überwinden habe: "Es scheint immer unmöglich", hat er einmal gesagt. "Bis es getan ist."

Bob Hanning, der große Motivationskünstler des deutschen Handballs, denkt ähnlich. Obwohl die Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft gerade so schlecht abgeschnitten hat wie nie zuvor, hält der Vizepräsident des Verbandes eisern an seinem Ziel fest: Olympiagold im Sommer in Tokio.

Das kann man, mit etwas Wohlwollen, für ein Zeichen von ausgeprägtem Selbstbewusstsein halten oder, etwas realistischer, für beginnenden Größenwahn – im Moment jedenfalls geht eher das berühmte Kamel durch ein Nadelöhr als eine olympische Medaille an die deutschen Handballherren.

Für DHB-Vizepräsident Bob Hanning könnte die Handball-WM in Ägypten als Vorbild für andere Großereignisse im Sport dienen.
Foto: Sascha Klahn/dpa

Die Abwehrkette war bei der Handball-WM ein Schweizer Käse

Die nach einigen Absagen notgedrungen neu formierte Abwehrreihe? Einem Schweizer Käse ähnlich, nur mit größeren Löchern. Kapitän Uwe Gensheimer? Schon über dem Zenit seines sportlichen Schaffens, dafür aber umso mimosenhafter auf Kritik reagierend. Der Rückraum, normalerweise Wurf- und Schaltzentrale einer jeden Mannschaft? So furchteinflößend wie ein schnurrendes Kätzchen auf der Ofenbank. Der hochgelobte Torhüter 1a, Andreas Wolff? Bis auf die letzten Minuten des Polen-Spiels völlig außer Form.

Natürlich ist nichts unmöglich im Sport, auch vor der Europameisterschaft 2016 hatte niemand den späteren Sieger Deutschland auf dem Zettel. Diesmal aber ist die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit besonders groß und auch durch die Rückkehr einiger Spieler, die wegen Corona auf ihre WM-Teilnahme verzichtet haben, nicht so leicht zu schließen.

Bundestrainer Alfred Gislason will sein Team optimal auf die Olympia-Qualifikation in Berlin vorbereiten.
Foto: Sascha Klahn/dpa

Bundestrainer Gislason muss froh sein, wenn die Olympia-Quali klappt

Nach dem ernüchternden Auftritt gegen Polen und dem tristen WM-Platz zwölf muss Bundestrainer Alfred Gislason schon froh sein, wenn seine Mannschaft sich überhaupt für Olympia qualifiziert. Beim Ausscheidungsturnier im März in Berlin trifft sie auf Schweden, Slowenien und Algerien – weiß Gott kein Fallobst im Welthandball.

Bob Hannings Mantra vom olympischen Gold wirkt vor diesem Hintergrund so bizarr wie seine immer etwas zu bunten Pullover. Aber wer weiß, vielleicht korrigieren wir uns in dieser Kolumne in wenigen Monaten ja auch kleinlaut und feiern das deutsche Team für einen nie für möglich gehaltenen Erfolg? "Jeder kann über sich hinauswachsen", hat schon Nelson Mandela gesagt, "wenn er es mit Hingabe und Leidenschaft tut."

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26.01.2021

Außer Spesen nichts gewesen, aber immer frisch frisiert und gut verpflegt.

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