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Coronavirus-Pandemie

22.03.2020

Kompliziertes Termin-Puzzle im Fußball - Radikale Lösungen?

Die Coronavirus-Pandemie bedroht auch das globale Fußball-Business.
Bild: Patrick Seeger/dpa

Renommierte Virologen prognostizieren dem Fußball eine lange Pause. Geisterspiele sind eine Lösung - dennoch wird das Saisonende in Liga, Champions League und Co. zum Termin-Puzzle. Mittlerweile sind daher auch radikale Vorschläge kein Tabu mehr.

82 Bundesliga-Partien in 16 Tagen, die Königsklasse im Final-Four-Modus oder wenige zentrale Liga-Spielorte: Der Fußball denkt bei der Suche nach Auswegen aus seinem Terminchaos durch die Corona-Krise auch an radikale Lösungen.

Für eine Fortsetzung der Saison in der Bundesliga und im Europapokal werden mehrere Szenarien diskutiert. Die Antworten auf die wichtigsten Fragen im Überblick:

Wann kann überhaupt wieder gespielt werden?

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Offiziell ausgesetzt ist der Spielbetrieb in der Bundesliga bis zum 2. April. Realistisch gesehen wird es aber wohl für einen längeren Zeitraum keine Spiele geben. "Wir gehen davon aus, dass vor Mai nicht gespielt wird", sagte Werder Bremens Geschäftsführer Klaus Filbry der "Süddeutschen Zeitung". Renommierte Virologen rechnen sogar bis Jahresende nicht mit einem regulären Sportbetrieb mit Zuschauern. Er glaube "überhaupt nicht daran, dass wir in irgendeiner absehbaren Zeit wieder Fußballstadien voll machen. Das ist überflüssig", sagte der Berliner Virologe Christian Drosten von der Charité dem "Stern". Ähnlich hatten sich seine Kollegen Alexander Kekulé und Jonas Schmidt-Chanasit geäußert. Das Präsidium der Deutschen Fußball Liga will am Dienstag beraten - als mögliche Lösung gelten Geisterspiele.

Bis wann muss die Saison beendet sein?

Eigentlich gilt der 30. Juni als Schlusspunkt der Saison, Verträge werden bis zu diesem Datum gehandelt. Doch in der Corona-Krise könnte auch im Juli noch gespielt werden. "Wir wissen, dass wir den Juni und theoretisch sogar bis in den Juli hinein planen können", sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert. Auch die UEFA kündigte bereits Pläne für den "späteren Abschluss der Saison 2019/20" an. Filbry dagegen bezeichnete eine solche Verlängerung als "nicht realistisch".

Welche Szenarien für die Bundesliga werden diskutiert?

Die Verlegung der EM in den Sommer 2021 verschafft den nationalen Ligen zusätzlichen Spielraum. Dennoch könnte die Bundesliga auf ein Zeitproblem zusteuern - je nachdem, wann wieder gespielt werden kann. "Da gibt es unterschiedliche Szenarien", sagte Sportdirektor Max Eberl von Borussia Mönchengladbach der "Rheinischen Post" zur Frage der Fortsetzung der Saison. "Wir sind zu allem bereit, zum Beispiel dazu, dass Spiele in sehr kurzer Reihenfolge kommen können." Die folgenden Szenarien für die Bundesliga sind aktuell im Gespräch:

LIGA IM EM-MODUS: Laut einem Medienbericht könnte die Saison im Modus eines EM-Turniers an festen Spielorten in kurzer Zeit zu Ende gespielt werden. Im Rahmen ihrer Überlegungen prüfe die DFL mehrere Austragungsorte in allen Regionen des Landes, an denen dann mehrere Partien pro Tag angesetzt würden, berichtete der "Sportbuzzer".

EIL-FINALE: Auch ein Saisonende mit den neun verbleibenden Spieltagen und 82 Partien innerhalb von 16 Tagen soll dem Bericht zufolge eine mögliche Option sein. Dabei würden in diesem Zeitraum täglich Spiele stattfinden, die Teams müssten alle zwei Tage antreten.

ENGLISCHE WOCHEN: Mit einer Reihe englischer Wochen und Spiele im Drei-Tage-Rhythmus ließe sich die Bundesliga-Saison ebenfalls in einer relativ kurzen Zeitspanne zu Ende spielen. Etwa vier Wochen müssten für die neun Spieltage eingeplant werden - vorausgesetzt, es finden dann keine Europapokal-Spiele unter der Woche statt.

Ähnliche Gedankenspiele gibt es auch in anderen Top-Ligen in Europa: So will die Premier League laut "Daily Telegraph" ab dem 1. Juni innerhalb von sechs Wochen ohne Zuschauer die Liga beenden.

Was wird aus den Europapokal-Wettbewerben?

Sowohl die Champions League als auch die Europa League stecken im Achtelfinale fest und wurden von der UEFA vorerst ausgesetzt. Bislang waren die Endspiele für den 27. und 30. Mai vorgesehen, einem Bericht der "Bild am Sonntag" zufolge sollen sie nun am 24. Juni in Danzig und am 27. Juni in Istanbul stattfinden. Für die K.o.-Runden gibt es demnach mehrere Überlegungen, je nachdem, wann wieder gespielt werden kann. Der früheste Termin für den Restart wäre der 14. April - dann würden Partien am Wochenende parallel zu den nationalen Ligen folgen.

Geht es erst später wieder los, wären verkürzte Viertelfinals ohne die sonst üblichen Hin- und Rückspiele, bei denen das Heimrecht ausgelost wird, oder Final-Four-Turniere in den Finalstädten denkbar. Ein Grundproblem wären jedoch auch dann die möglicherweise weiter geltenden Reisebeschränkungen für Mannschaften und Fans.

Der Präsident des französischen Spitzenclubs Olympique Lyon brachte daher sogar einen möglichen Abbruch der Wettbewerbe ins Gespräch. "Man muss Entscheidungen treffen, mutig sein. Die Champions League, die Pokalfinals und die Länderspiele fallen lassen. Sich nur auf die Liga konzentrieren", sagte Jean-Michel Aulas dem Sender RTL.

Welche Rolle spielen die Nationalmannschaften?

Sowohl die geplanten Testspiele gegen Spanien und Italien als auch die EM sind für Bundestrainer Joachim Löw und seine DFB-Auswahl zunächst gestrichen. Nachgeholt werden könnten die für den März vorgesehenen Testspiele wie auch die noch ausstehenden EM-Playoffs im Juni - und würden den Zeitplan damit zusätzlich verkomplizieren. (dpa)

Interview Schmidt-Chanasit bei ndr.de

UEFA zu Corona-Auswirkungen

"Marca"-Bericht zur Champions League

"ESPN"-Bericht zum Europapokal

Interview Eberl in der "Rheinischen Post" (kostenpflichtig)

Infos zum Champions-League-Terminkalender

Bericht "Sportbuzzer" zu möglichen Szenarien

Interview Ceferin in der "Welt am Sonntag" (kostenpflichtig)

Bericht "Bild am Sonntag" zu Champions-League-Szenarien (kostenpflichtig)

Aussagen Kekulé auf sportschau.de

Rouven Schörder im "Sportstudio"

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