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Sportverletzungen

19.08.2019

Kreuzbandriss und Co. - So lange fallen verletzte Fußballer aus

Leroy Sané zog sich im Spiel gegen den FC Liverpool einen Kreuzbandanriss zu - eine der schlimmsten Verletzungen für Fußballer überhaupt.
Bild: Adam Davy/PA Wire, dpa

Achillessehne, Bänder oder das Kreuzband wie bei Leroy Sané - der Augsburger Kniespezialist Ulrich Boenisch erklärt, was Verletzungen für Fußballer bedeuten.

Sein Gegenspieler Trent Alexander-Arnold schubst ihn leicht. Dadurch macht Leroy Sané einen falschen Schritt - und geht schreiend zu Boden. Unter Schmerzen streckt der deutsche Nationalspieler die Hand in die Höhe und fasst sich das Knie. Im englischen Supercup-Finale zwischen dem FC Liverpool und Manchester City humpelte Sané nach nur neun Minuten vom Platz. Eine halbe Woche später bekam er die Schockdiagnose: Kreuzbandanriss. Der Angreifer muss operiert werden und wird voraussichtlich die gesamte Hinrunde ausfallen. Sein Trainer Pep Guardiola rechnet erst in "sechs, sieben Monaten" wieder mit Leroy Sané. Ein Wechsel zum FC Bayern ist damit wohl erst einmal vom Tisch.

Ein Kreuzbandriss bedeutet eines Ausfallzeit von sieben bis neun Monaten

Kreuzbandverletzungen gehören für Fußballer mitunter zu den schlimmsten Verletzungen - ob gerissen oder angerissen. Viele Fußballer hat es schon erwischt. Sami Khedira beispielsweise zog sich im November 2013 in einem Testspiel der deutschen Nationalmannschaft einen Kreuzbandriss zu. Er bangte damals um seine Teilnahme an der Fußball-WM 2014 in Brasilien. Doch der Mittelfeldspieler kämpfte sich in nur wenigen Monaten zurück und machte im Halbfinale beim legendären 7:1-Triumph über Brasilien sein wohl bestes Spiel im Trikot der deutschen Nationalmannschaft. Andere Sportler hatten weniger Glück bei Kreuzbandverletzungen. Ski-Star Felix Neureuther verpasste 2018 die Olympia wegen eines gerissenen Kreuzbands und beendete anschließend seine Karriere.

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Bild: dpa (Archiv)

In der Medienlandschaft ist bei einem Kreuzbandriss oder einem Anriss meist die Rede von sechs Monaten Ausfallzeit. Das mag bei Sami Khedira der Fall gewesen sein, doch dazu weiter unten mehr. Normalerweise benötigen Fußballer zwischen sieben und neun Monaten, um wieder zurück auf den Platz zu kommen. Das sagt Ulrich Boenisch. Er ist ärztlicher Leiter der Augsburger Hessingpark-Clinic und ein bekannter Kniespezialist. "Im Breitensport sind es neun bis zwölf Monate", sagt er. Sprechen Medien von einem Kreuzbandriss, ist im Fußball meist das vordere Kreuzband betroffen. Die meisten Kreuzbandrisse passieren laut Boenisch ohne Fremdeinwirkung.

Uwe Boenisch ist Arzt an der Hessingpark-Clinic in Augsburg. Er behandelt unter anderen Jerome Boateng und Sami Khedira.
Bild: Hessingpark-clinic

Bei Sami Khedira dauerte die Verletzung ziemlich genau sechs Monate. Boenisch operierte den Nationalspieler damals am Knie. "Bei ihm war wegen der anstehenden Fußball-Weltmeisterschaft die Motivationslage extrem hoch, so schnell wie möglich wieder zu spielen", sagt Boenisch gegenüber unserer Redaktion. Dass er bis zur WM in Brasilien fit geworden ist, lag an dem Willen Khediras und an der "perfekten Versorgung". Einher mit der schnellen Regeneration sei ein erhöhtes Risiko einer erneuten Verletzungen gegangen. "Im normalen Spielbetrieb hätte das anders ausgesehen", meint Boenisch.

Grundsätzlich dauern alle Verletzungen, die operativ behandelt werden, lange. Hier ein Überblick über die Ausfalldauer der häufigsten Verletzungen im Fußball:

  • Kreuzbandriss: sieben bis neun Monate
  • Meniskusriss: sechs bis acht Wochen
  • Knorpelschaden: drei bis sechs Monate
  • Achillessehnenriss: sieben bis acht Monate
  • Muskelfaserriss: zwei bis sechs Wochen, je nach Schweregrad
  • Oberschenkelzerrung: ein bis zwei Wochen
  • Bänderriss im Sprunggelenk: sechs bis acht Wochen
  • Syndesmosebandriss: nach acht Wochen kann der Fuß wieder belastet werden
  • Prellung: zwei bis drei Wochen

Das Knie ist bei Fußballern häufig von Verletzungen betroffen. In den meisten Fällen bedeutet ein Schaden im Knie eine mehrmonatige Verletzungspause - so wie beim Knorpelschaden. Laut Boenisch fällt ein Spieler zwischen drei und sechs Monate aus. Bei einem Meniskusschaden hingegen können es zwischen sechs und acht Wochen sein. In beiden Fällen sei auch immer relevant, wie beansprucht das Knie war. Zieht sich ein Spieler am Ende der Karriere einen Meniskusriss zu, dann wird der Stoßdämpfer zwischen Ober- und Unterschenkel oftmals nicht mehr genäht. Bei einem jungen Spieler versuche man, den Meniskus zu erhalten.

Der FC Augsburg hatte mehr verletzte Spieler als die meisten anderen Vereine

Eine Horrordiagnose erhielt der Eintracht-Profi Marco Russ in der vergangenen Woche nach dem Play-off-Spiel in der Europa League. Er musste mit einem Achillessehnenriss ausgewechselt werden. Die Ausfallzeit ist Boenisch zufolge ähnlich lange wie bei einem Kreuzbandriss. Allerdings komme bei Fußballern die Verletzung sehr selten vor - aber wenn, dann durch eine Überbelastung, die sich über eine Zeit hinweg ziehen kann.

Die häufigsten Ausfallgründe für Fußballer in der Bundesliga sind allerdings muskuläre Probleme. Das geht aus einer Statistik der Online-Seite fussballverletzungen.com aus der Saison 2017/2018 hervor.

 

In der vergangenen Saison hatte der FC Augsburg mit vielen Verletzungen zu kämpfen. Der FCA spielte lange gegen den Abstieg und konnte sich er in den letzten Spieltagen den Klassenerhalt sichern. Am Ende landete der FCA auf  dem 15. Tabellenplatz. Dazu beigetragen hat auch die lange Verletztenliste in der abgelaufen Bundesliga-Saison. Raphael Framberger, Julian Schieber und Felix Götze fielen nahezu die komplette Saison aus.

Im Durchschnitt war ein FCA-Spieler 63,4 Tage der Saison verletzt. Das zeigt die Verletzungstabelle des Online-Projekts fußballverletzungen.com. Das war im Jahr 2018/2019 der zweithöchste Wert. Nur die Spieler des Absteigers Hannover 96 waren öfters verletzt. 

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