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Biathlon

12.02.2018

Laura Dahlmeier erfüllt sich ihren Kindheitstraum

Laura Dahlmeier wird im Deutschen Haus begeistert gefeiert.
Bild: Hauke-Christian Dittrich, dpa

Die Garmischerin fügt ihrer Medaillensammlung das erste olympische Gold bei. Der große Druck ist nun weg. So ist sie für das Verfolgungsrennen am Dienstag erst recht die Favoritin.

Es ist so schnell dahingesagt: Ein Kindheitstraum ist wahr geworden. Doch bei Laura Dahlmeier steckt mehr dahinter. „Ich kann mich erinnern, wie ich als kleines Kind im Zimmer geübt habe wie es ist, auf dem Podium zu stehen. Dann bin ich auf dem Stockbett gestanden und habe gejubelt“, erzählt die Biathletin nach dem Rennen ihres Lebens. Sie war schon oft ganz oben auf dem Treppchen gestanden. Bei Weltcups oder der Weltmeisterschaft, zuletzt in Hochfilzen sammelte sie fünf Titel ein. Doch eine olympische Goldmedaille fehlte der 24-Jährigen in ihrer Erfolgssammlung noch. Am Samstagabend erfüllte sich Dahlmeier den Kindheitstraum der kleinen Laura.

Dahlmeier holt bei widrigen Bedingungen in Pyeongchang Gold

Gefasst aber glücklich meinte sie nach dem ersten Gold für die deutsche Mannschaft: „Auf den Tag habe ich sehr, sehr lange hingearbeitet, lange hintrainiert. Und dass es so in Erfüllung geht, gleich beim ersten Olympiarennen, ist unbeschreiblich.“ Im Sprint über 7,5 Kilometer verwies sie Skijägerin die Norwegerin Marte Olsbu und Veronika Vitkova aus Tschechien auf die Plätze. Die Münchnerin Vanessa Hinz als starke Fünfte verpasste mit einem Schießfehler eine durchaus mögliche Medaille.

Perfekt dagegen zielt Dahlmeier und lässt sich bei ekligen Bedingungen mit minus sieben Grad und einem beißenden Wind nicht aus der Ruhe bringen. Den kritischsten Moment übersteht die Garmischerin im stehenden Anschlag. Vor dem vierten Schuss zögert Dahlmeier, sie setzt ihr Kleinkalibergewehr neu an und lässt sich einige Sekunden Zeit. Sie atmet ein und aus, drückt schließlich ab und trifft. Ihre Schießzeit ist zwar miserabel, allein in dieser Disziplin belegt die Olympiasiegerin lediglich den 66. Platz. Doch Laura Dahlmeier bleibt fehlerfrei. „Dann habe ich in der Schlussrunde so viel Gas gegeben, weil ich wusste, dass ich verdammt langsam geschossen habe.“ Im Zieleinlauf unter den Augen des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier reckt sie die Arme in die Höhe und klopft sie sich energisch auf die Brust. Danach wirft sie sich ausgepumpt in den pickelharten Kunstschnee. Einige bange Minuten muss Dahlmeier überstehen, bis die Mitfavoritinnen ins Ziel kommen. „Wer kommt noch? Kommt keine mehr? Kommt wirklich keine mehr?“, nervt sie ihren Pressesprecher Stefan Schwarzbach. Doch die zweimalige Olympiasiegerin Anastasiya Kuzmina, Kaisa Mäkäräinen oder auch die hoch gehandelte Darja Domratschewa leisten sich Fehler im Schießstand.

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Unter dem Strich reicht die viertbeste Laufzeit zum Sieg. Laura Dahlmeier krönt sich endgültig zur Biathlon-Königin. Vor vier Jahren in Sotschi war sie noch ohne Medaille geblieben. Vielleicht half auch ein orangefarbener Seilknoten, den sich die Garmischerin an einer Sicherheitsnadel an den Kragen geheftet hatte. Wer den Talisman geknotet hat und wofür er steht, will sie nicht verraten. Dahlmeier will nicht alles von sich preisgeben und zeigt sich nachdenklich. Auf die Frage eines Kollegen zu den Gerüchten über einen Rücktritt vom Leistungssport nach dieser Saison weicht Dahlmeier aus: „Zuerst einmal freue ich mich über meine erste Goldmedaille. Ich weiß nicht, was morgen sein wird und ich weiß nicht,was nächstes Jahr sein wird.“ Dem Jubel an der Strecke folgt eine Feier mit dem ebenfalls siegreichen Skispringer Andreas Wellinger im Deutschen Haus.

Die Biathletin ist bei der Verfolgung am Dienstag Favoritin

Am Sonntag bereitete sich die Skijägerin auf das Verfolgungsrennen am Dienstag (Start: 11.10 Uhr/live im ZDF) vor. Mit 24 Sekunden Vorsprung geht die Sprintsiegerin als Favoritin an den Start. Das belastet sie nicht. Laura Dahlmeier zitiert die frühere Biathletin Uschi Disl, die herrlich schräg im besten Bayerisch-Englisch formulierte: „Now can come what will.“ Nun könne kommen was mag. Der große Druck, den die siebenfache Weltmeisterin gespürt, den sie sich jedoch auch selbst gemacht habe, sei jetzt weg. Außerdem freut sie sich über Unterstützung aus der Heimat. Die Eltern kommen nach Südkorea. „Es kommt ja nicht alle Tage vor, dass die eigene Tochter bei Olympia startet“, sagt Laura Dahlmeier und hofft, dass die Bedingungen wieder besser werden. Am Sonntag blies der Wind noch kräftiger, die Verhältnisse am Schießstand dürften noch kniffliger werden.

Die Kulisse mit lediglich 1500 Zuschauern war enttäuschend. Der Sportlerin des Jahres war es ganz recht: „Mir ist es sogar lieber, als wenn 50000 Menschen schreien und Vollgas geben.“ Laura Dahlmeier hat noch fünf weitere Chancen auf eine Medaille und kann das heutige Verfolgungsrennen entspannt angehen. Den Berufswunsch, den sie als Sechsjährige einer Freundin ins Poesiealbum schrieb, hat sie sich nach 18-jährigem Anlauf nun erfüllt: Olympiasiegerin.

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