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Leichtathletik
07.08.2018

Die EM sucht den Kontakt zum Berliner

Auf dem Berliner Breitscheidplatz finden Wettkämpfe der Leichtathletik-EM statt. Auf einer aufgebauten Rasenfläche neben der Gedächtniskirche trugen die Kugelstoßer am Montag ihre Qualifikation aus. Für ihre Finals ziehen sie ins Olympiastadion um.
Foto: dpa

Auf dem Breitscheidplatz neben der Gedächtniskirche finden Wettkämpfe statt. DLV-Präsident Kessing hat sich bewusst für diesen Ort entschieden. Den Auftakt begleiten Sorgen

Natürlich habe er die Ergebnisse der anderen Sportarten gesehen. Vor allem über die Erfolge der Schwimmer habe er sich gefreut, sagte Idriss Gonschinska, Leitender Direktor Sport, gestern Mittag in Berlin. „Jetzt aber sind wir Leichtathleten dran.“ Der Mann mit dem etwas sperrigen Titel trägt im deutschen Leichtathletikverband die sportliche Verantwortung. Mit seinen Bundestrainer-Kollegen der anderen sechs Sportarten, die im Rahmen der European Championships momentan ihre Europameisterschaften austragen, stehe er in regem Austausch. Dieser dürfte ab heute aber deutlich weniger werden, denn ab heute muss Gonschinska seine eigenen Athleten beobachten. Im Berliner Olympiastadion werden die ersten Medaillen vergeben, den Auftakt machen ab 18.30 Uhr die Hochspringer.

Gestern standen nur Vorkämpfe auf dem Programm. Sie dienten als eine Art Anfüttern der Berliner, denn der Eintritt war frei. Von einer Leichtathletik-Euphorie ist in der Hauptstadt bisher noch wenig zu merken. Lediglich rund um den Breitscheidplatz im Schatten der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche ist die EM allgegenwärtig. Dort stehen riesige Tribünen und Banner. Musik wummert. Dort werden die Marathonläufer und Geher ins Ziel kommen. Gestern fand dort die Qualifikation im Kugelstoßen der Männer statt. Und dort werden auch zahlreiche Medaillengewinner geehrt.

Schon bei den ersten Planungen des Jahres 2011 habe man an der weltbekannten Gedächtniskirche „das zweite Herz der Leichtathletik in Berlin“ schlagen lassen wollen, sagte DLV-Präsident Jürgen Kessing. Daran änderte auch der Anschlag im Dezember 2016 nichts. Zwölf Menschen starben, als ein Attentäter einen Sattelzug in den dortigen Weihnachtsmarkt lenkte. Kessing: „Wir haben damals bewusst entschieden, dass wir auf dem Breitscheidplatz bleiben. Wir lassen uns nicht vertreiben. Wir haben so viel wie möglich dorthin verlagert. Es geht dabei nicht nur um den reinen Sport, sondern auch um Frieden, Freiheit und ein Stück weit auch unsere Demokratie.“ Der DLV-Präsident sieht Berlin mit dieser Aktion in einer Reihe mit London und Paris. Auch dort habe es schlimme Attentate gegeben, auch dort habe man sich davon nicht unterkriegen lassen.

Klar sei aber auch, dass die Sicherheitsvorkehrungen deutlich strenger sind als beispielsweise noch bei der WM 2009. „Das ist aber inzwischen überall so.“ Mehr Sorge bereitet Kessing momentan hingegen, dass der Ticketvorverkauf bisher nicht ganz so gut läuft, wie sie sich das beim DLV vorgestellt hatten. Oder, wie es Kessing formulierte: „Für das Wochenende sieht es schon sehr gut aus, unter der Woche haben wir noch Luft.“

Im Lager der 128 deutschen Athleten, von denen die meisten bis kurz vor den Wettkämpfen in Kienbaum im Trainingslager waren, macht sich dennoch die Vorfreude breit. „Alle fiebern der EM entgegen. Es wird Zeit, dass es losgeht“, sagte Gonschinska. Einen besonderen Druck verspürt der Chef-Bundestrainer angesichts der Heim-EM nicht. „Den größten Druck macht sich jeder Athlet ohnehin selbst, wenn er motiviert ist. Wenn man im Elitesport tätig ist, dann will man solche Chancen haben. Dann will man das Privileg einer Heim-Europameisterschaft wahrnehmen. Wir freuen uns einfach drauf.“

Eine konkrete Medaillenvorgabe wollte Gonschinska nicht machen. Er ziehe eine wirksamere Herangehensweise vor und umschrieb die Ziele der deutschen Mannschaft eher blumig: „Alle Athleten haben ihre Träume mitgebracht. Die sind alle ambitioniert. Und wenn sie erfüllt werden, werden wir sehr erfolgreich sein.“

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