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Leichtathletik
26.06.2018

Wie Ulm für Leichtathleten zum Zehnkampf-Mekka geworden ist

Arthur Abele war fast zwei Jahre verletzt. Dann sammelte er in Ratingen 8481 Punkte und fährt als Medaillenkandidat zur Heim-EM nach Berlin.
Foto: Imago

Zwei von drei deutschen Startern bei der EM in Berlin kommen vom Ulmer SSV. Einer gilt sogar als Medaillenkandidat. Das Geheimnis des Erfolgs ist einfach.

Der Zehnkampf ist die Königsdisziplin der Leichtathletik. Wer hier zur Weltklasse gehören will, muss alles können. Laufen, werfen, springen. Die komplexen Anforderungen bringen es mit sich, dass der Körper eines Zehnkämpfers immer wieder an seine Grenzen stößt. In wenigen Sportarten ist die Ausfallquote höher.

Der Ulmer Arthur Abele musste sich erst zurückkämpfen

Arthur Abele gehört seit über einem Jahrzehnt zu den besten deutschen Zehnkämpfern. Fast genauso lange plagt er sich mit Verletzungen herum. Nachdem er 2016 den olympischen Zehnkampf in Rio auf einem für ihn enttäuschenden 15. Platz beendet hatte, war es ruhig geworden um den Mann vom SSV Ulm 1846. Sehr ruhig.

Probleme mit der Achillessehne warfen den Hochbegabten immer wieder zurück. Jetzt, fast zwei Jahre und eine Operation später, ist Abele zurück. Der 31-Jährige gewann das Mehrkampf-Meeting in Ratingen und sicherte sich mit starken 8481 Punkten das Ticket für die Europameisterschaft in Berlin (7. bis 12. August).

„Ich habe nie aufgegeben und bin einfach nur glücklich“, sagt Abele, der auch diese Saison beinahe hätte abschreiben müssen. „Ich hatte von Dezember bis Januar Gesichtslähmungen. Es war ein beschissener Winter.“ Der 31-Jährige musste Kortison nehmen. Sein Körper lagerte daraufhin Wasser ein. Abele nahm zwischenzeitlich acht Kilo zu. Für seinen Trainer Christopher Hallmann kam die Leistung in Ratingen dennoch nicht überraschend. „Ich sehe Arthur jeden Tag zweimal im Training, diese Leistung hat sich angedeutet. Wenn Arthur seine Spikes anzieht, dann ist auch mit ihm zu rechnen.“

Wie sich die Ulmer Leichtathleten gegenseitig pushen

Für Hallmann war Ratingen ein voller Erfolg, denn neben Abele knackten auch seine Schützlinge Manuel Eitel (8121) und Tim Nowak (8057) die Schallmauer von 8000 Punkten. Zur Ulmer Trainingsgruppe gehört auch noch Matthias Brugger, der schon im Mai in Götzis 8304 Punkte sammelte und damit ebenfalls einen Startplatz bei der EM sicher hat.

Es gibt nur wenige Gruppen, die ein derart hohes Niveau in der täglichen Trainingsarbeit zu bieten haben. „Das pusht natürlich. Wir haben eine tolle Harmonie in der Gruppe, in der keine Missgunst herrscht. Wenn einer besser ist, wird fair gratuliert. Gleichzeitig ist es ein Ansporn, das Ding beim nächsten Mal wieder umzudrehen“, sagt Hallmann.

Trainer Christian Hallmann ist stolz auf seine Schützlinge in Ulm.
Foto: Alexander Kaya

Neben den beiden Ulmer Zehnkämpfern Brugger und Abele wird der WM-Dritte Kai Kazmirek in Berlin an den Start gehen. Das Geheimnis des Ulmer Erfolges ist – neben der starken Trainingsgruppe und einem perfekten Umfeld – der Faktor Zeit. „Zu einem Zehnkampf auf diesem Niveau gehört einfach viel Vorbereitung“, sagt Hallmann. Die Sportler und auch er selbst seien langfristig beruflich und über Sponsoren abgesichert. „Ich muss meine Athleten nicht schnell hochjagen, damit ich meinen nächsten Vertrag bekomme. Ich kann die Jungs konsequent und langfristig aufbauen.“

Warum Teamkollegen im Wettkampf wichtig sind

Jetzt ist der 35-Jährige in der luxuriösen Situation, gleich zwei Starter in Berlin dabei zu haben. „Für die beiden ist es ein absolutes Plus, dass sie zusammen durchmarschieren können“, sagt Hallmann über sein Duo. Denn selbst wenn 70.000 Zuschauer im Stadion sind, „kann man sich während eines Zehnkampfes ziemlich einsam fühlen, wenn eine Disziplin nicht so optimal läuft. Dann ist es gut zu wissen, dass ein Teamkollege da ist.“

Durch seine Leistung in Ratingen hat sich Abele sogar in den Kreis der Medaillenkandidaten katapultiert. Sein Trainer will das zwar nicht aussprechen, hofft aber auf eine Bestleistung. Die liegt bei 8605 Punkten. „Das wünschen wir uns und wenn er gesund bleibt, wird er die Form dazu auch haben. Ob es dann tatschlich klappt, hängt von vielen Kleinigkeiten ab. Bleibt die Latte beim Hochsprung knapp liegen oder fällt sie doch runter? Hast du leichten Rückenwind oder Gegenwind auf die 100 Meter? Das sind Sachen, die kann man nicht voraussehen.“

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