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Regionalliga

13.07.2017

Löwen in Memmingen: Kein Spiel wie jedes andere

Die Anhänger des TSV 1860 München werden zukünftig wieder häufiger in der Region unterwegs sein. Das Foto entstand Anfang der 80er Jahre in Memmingen Zum Regionalliga-Auftakt  spielen die Löwen nun wieder dort.
Bild: Olaf Schulze

Für 1860 München beginnt mit der Partie in Memmingen das Dasein in der vierten Liga. Doch nicht nur das Allgäu fiebert dem Regionalliga-Auftakt entgegen.

Günter Bayer hat ein gutes Gefühl. Wie damals am 13. März 1993 oder auch schon elf Jahre zuvor im Sommer 1982. Ganz locker war Bayer jeweils in das Duell gegen den Favoriten TSV 1860 München gegangen, einmal als Mittelfeldspieler und später als Trainer des Fußball-Bayernligisten FC Memmingen. Die Einstellung „Wir haben nichts zu verlieren, wir können aber die große Bühne nutzen und allen zeigen, dass auch wir kicken können“, hat beide Male funktioniert und so hat Günter Bayer als Spieler und als Trainer die Sechziger geschlagen. Nicht irgendwo, sondern zweimal im Grünwalder Stadion. Vor jeweils acht- bis zehntausend Zuschauern. „Das sind Erlebnisse, die du natürlich nie vergessen wirst“, blickt der 64-jährige, der heute den Allgäuer Bezirksligisten BSK Olympia Neugablonz trainiert, auf diese außergewöhnlichen Momente in seinem Sportlerleben und in der Vereinsgeschichte des FC Memmingen zurück.

1:0 (1982) und 2:1 (1993) gewannen die Allgäuer damals in der Bayernliga gegen Sechzig, das Match im März vor 24 Jahren war das bislang letzte Pflichtspiel der ersten Mannschaften beider Vereine gegeneinander, die Wege trennten sich bekanntlich: Der TSV 1860 wurde unter der Regie von Präsident Karl-Heinz Wildmoser und Trainer Werner Lorant Meister und setzte zum kurzzeitigen Höhenflug mit Durchmarsch von der dritten in die erste Liga an, der FC Memmingen blieb in der Bayernliga haften und ist mit seiner 37-jährigen Zugehörigkeit immer noch ewiger Rekordhalter dieser Spielklasse. Auch wenn er seit 2010 in der Regionalliga spielt und dort zuletzt immer wieder mit der zweiten Mannschaft des TSV 1860 zu tun hatte.

Karten waren in zwei Stunden weg

Nun also das Wiedersehen in Memmingen – mit dem großen Unterschied, dass die Gegenspieler von Sechzig II aus dem Vorjahr nun in der ersten Mannschaft spielen und das bevorstehende Duell am Donnerstag (19 Uhr) alle Allgäuer Fußballdimensionen sprengt. Die Karten für den Regionalliga-Knüller waren im Vorverkauf innerhalb von zwei Stunden weg, es werden so viele Journalisten wie nie zuvor von einem Memminger Sportevent berichten (über 100 sind angemeldet), der Fernsehsender Sport1 überträgt bundesweit live und auch das Polizeiaufgebot dürfte so groß sein wie nie zuvor bei einer Sportveranstaltung in der kreisfreien Stadt.

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Doch Günter Bayer hat wieder dieses gute Gefühl und traut der Mannschaft seines Trainerkollegen und Freund Stefan Anderl, viel zu: „Für den FCM ist es durchaus drin, Sechzig zu schlagen. Ich bin mir sicher, dass Stefan die richtigen Worte finden wird, um sein Team optimal einzustimmen“. Der eine weiß wie der andere: „Wenn du gegen 1860 spielst, dann brauchst du niemanden zusätzlich motivieren. Das sind die Spiele, die du genießen musst“. Den Hype im Vorfeld würde Stefan Anderl gerne etwas ausblenden und sich vielmehr aufs Sportliche konzentrieren. „Die Devise ist klar: Ich möchte dieses Spiel gewinnen - egal, ob der Gegner TSV 1860 München heißt oder sonst wie.“

In der vergangenen Saison erreichte der FC Memmingen mit Platz fünf seine beste Platzierung in der Regionalliga überhaupt und war damit gleichzeitig auch bester Amateurverein der Liga. Gegen Vizemeister TSV 1860 II zeigten die Allgäuer dabei gute Spiele. In München gab es ein 1:1-Unentschieden und zuhause eine unglückliche 0:1-Niederlage. Daher will Stefan Anderl auch „Memminger Fußball“ spielen lassen, sich also mindestens zu 95 Prozent auf das eigene Spiel konzentrieren und sich taktisch gesehen nicht zu sehr am namhaften Gegner orientieren. Auch wenn der mit Profis vom Kaliber eines Sascha Mölders oder auch Timo Gebhart, dem gebürtigen Memminger, kommt.

Er soll die Löwen wieder in den bezahlten Fußball zurückführen: Löwen-Trainer und Ex-Spieler Daniel Bierofka.
Bild: Bernd Feil

Memmingen geht selbstbewusst in das Spiel

Die selbstbewusste Einstellung kann gut aufgehen, denn Günter Bayer machte es vor 24 Jahren genauso: „Wir wollten uns nicht hinten reinstellen, sondern auch mutig nach vorne spielen“. Besonders mutig war am 13. März 1993 der Jungspund im Memminger Team, Harry Gfreiter. Der gerade mal 19-jährige erzielte alle zwei Treffer beim 2:1-Erfolg des Außenseiters.

Die Heimfahrt im Mannschaftsbus genossen dann alle bis auf Busfahrer Erich Schieß. Er war damals Vorsitzender des „Löwen-77“-Fanclubs aus dem benachbarten Legau.

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