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Fußball

09.10.2017

Makellose Bilanz

Zehn Siege in zehn Spielen – auch die letzte Partie der WM-Qualifikation gewinnt Deutschland mit 5:1 gegen Aserbaidschan. Ein Rekord, der Hoffnungen weckt

Nach dem Rekord ist vor der WM. Qualifiziert hatte sich die deutsche Nationalmannschaft ja bereits vor dem abschließenden Gruppenspiel gegen Aserbaidschan für die Weltmeisterschaft in Russland 2018. Gegen die Osteuropäer ging es somit für das Team von Bundestrainer Joachim Löw am Sonntagabend einzig darum, einen Bestwert aufzustellen. Bislang war es den Spaniern als einziger Mannschaft gelungen, sich mit zehn Siegen und ohne Verlustpunkt für eine WM zu qualifizieren. Die Deutschen taten es ihnen nun mit dem 5:1-Sieg nach und haben mit 43:4 Treffern das bessere Torverhältnis als die Iberer vor der WM 2010.

Das Spiel in Kaiserslautern nutzte Löw als ersten Sichtungslehrgang für das Großereignis im kommenden Jahr. Mit Niklas Süle, Shkodran Mustafi, Lars Stindl und Julian Brandt standen vier Spieler in der Anfangsformation, die den Bundestrainer noch davon überzeugen müssen, ihnen einen der begehrten Kaderplätze für Russland zuzusprechen. Leroy Sané, Sandro Wagner und Emre Can haben nur eine unwesentlich bessere Ausgangsposition. Auch sie durften von Beginn an gegen Aserbaidschan spielen.

Das derart zusammengestellte Team bot seinem Gegner manch überraschende Gelegenheit, war ihm aber freilich individuell deutlich überlegen. Einer solchen technischen Fertigkeit entsprang auch der Führungstreffer, als Leon Goretzka im Anschluss an einen Eckstoß den Ball mit dem Rücken zum Tor stehend aus sechs Metern mit der Hacke in Richtung des Winkels beförderte (8.). Ein mindestens genauso großes Kunststück gelang Wagner, als er nach einer halben Stunde freistehend vor dem Tor aus fünf Metern Schlussmann Kamran Agayev anschoss.

Kurz darauf erzielte Ramil Sheydaev tatsächlich den Ausgleich. Mitleidlos zog er an Mustafi vorbei, der sich beim Verteidigungsversuch am Oberschenkel verletzte, versetzte anschließend noch den für den angeschlagenen Süle eingewechselten Antonio Rüdiger und düpierte Torwart Bernd Leno (34.). Weil Mustafi anschließend passen musste, zog Löw mit Matthias Ginter früh seine zweite Wechseloption. Da Sané kurz vor dem Pausenpfiff aus wenigen Metern verzog, blieb die Rekordjagd spannend. Von welch zu vernachlässigender Bedeutung derartige Bestmarken sind, zeigte das Auflaufen des Mittelfeldspielers Javid Hüseynov. Der hatte vor drei Jahren den Journalisten Rasim Alijew in einen Hinterhalt gelockt und ihn von einem Schlägertrupp verprügeln lassen. Alijew erlag kurz darauf seinen Verletzungen. Sein „Vergehen“: Er hatte kritisch über Hüseynov berichtet. Der kam schließlich nach neun Monaten seiner vierjährigen Haftstrafe wieder frei. Das autoritäre Aserbaidschan liegt auf Platz 162 der Rangliste der Pressefreiheit.

Derlei sportfremde Themen werden die deutsche Mannschaft in Russland noch oft begegnen. Gegen Aserbaidschan beließen sie es dabei, nach der Pause elanvoll dem zehnten Quali-Erfolg entgegenzustreben. Wagners Kopfball nach 54 Minuten bedeutete die erneute Führung. Gegen einen immer müder werdenden Gegner erspielte sich die deutsche Elf nun zahlreiche Chancen. Eine der weniger konkreten nutzte Rüdiger, dessen Kopfball Sheydaev unhaltbar abfälschte (64.). Goretzka sorgte zwei Minuten später für das 4:1 und Can markierte schließlich mit einem Gewaltschuss den Endstand (81.).

Der erste Test für die WM darf als gelungen gelten. In Russland aber wird die Mannschaft auch auf Gegner mit mehr Format treffen. Ihre Vorrundengegner bekommt das deutsche Team bei der Auslosung am 1. Dezember in Russland serviert. Die spanische Nationalmannschaft gewann die WM 2010 übrigens nach ihren vorherigen zehn Siegen in der Qualifikation.

Deutschland Leno (Leverkusen/25/6) – Kimmich (FC Bayern/22/24), Mustafi (FC Arsenal/25/20 – 36. Ginter, Gladbach/23/ 16), Süle (FC Bayern/22/7 – 22. Rüdiger, FC Chelsea/24/20) – Brandt (Leverkusen/21/12), E. Can (FC Liverpool/23/18), L. Sané (Manchester City/21/8) – Goretzka (Schalke 04/22/12), T. Müller (FC Bayern/ 28/89 – 69. Younes, Amsterdam/24/5) – Stindl (Gladbach/29/9), S. Wagner (1899 Hoffenheim/29/5)

Tore 1:0 Goretzka (9.), 1:1 Sheydaev (34.), 2:1 S. Wagner (54.), 3:1 Rüdiger (64.), 4:1 Goretzka (66.), 5:1 E. Can (81.) Zuschauer 37613

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