Newsticker
Johnson & Johnson verschiebt Einführung von Corona-Impfstoff in Europa
  1. Startseite
  2. Sport
  3. Mittelfußbruch bei Neuer: „Die Genesung kann sich hinziehen“

Sportmedizin

05.01.2018

Mittelfußbruch bei Neuer: „Die Genesung kann sich hinziehen“

Fußballprofi Manuel Neuer hat sich mehrfach die Mittelfußknochen gebrochen. Schon 2008 musste er Spiele von der Bank verfolgen. Die Probleme belasten ihn bis heute.
Foto: Friso Gentsch, dpa

Manuel Neuer hat sich vergangenes Jahr drei Mal den Mittelfußknochen gebrochen. Ein Chirurg erklärt, wie diese Verletzung zur dauerhaften Belastung werden kann und was hilft.

Herr Dr. Waizy, kämpfen viele Fußballer mit einem Mittelfußbruch?

Dr. Hazibullah Waizy: Eigentlich nicht allzu viele. Ein Mittelfußbruch kann beim Fußball aber durchaus vorkommen. Dafür gibt es zwei unterschiedliche Auslöser. Entweder eine direkte Gewalteinwirkung, etwa bei einem Sturz, oder eine chronische Überlastung.

Manuel Neuer kämpft schon seit Jahren mit seinen Mittelfußknochen. Ist der Fall bei ihm chronisch?

Waizy: Davon kann man ausgehen. Wenn die Knochen zu stark oder auf falsche Weise belastet werden, können sie nach einiger Zeit brechen. Dazu müssen aber einige Faktoren zusammenkommen.

Welche Faktoren sind das? Spielt etwa die Spielposition auf dem Fußballfeld eine Rolle?

Waizy: Das dürfte eher eine untergeordnete Rolle spielen. Natürlich ist der Bewegungsablauf von einem Torhüter vollkommen anders als der von einem Stürmer – dadurch ist dann die Belastung auch eine andere. Aber viel entscheidender ist die indivuduelle Veranlagung eines Spielers. Manche Menschen sind grundsätzlich stärker gefährdet, sich einen Mittelfußbruch zuzuziehen. Das liegt entweder am Stoffwechsel der Knochen, an einer Fehlstellung oder einer ungünstigen Belastung des Fußes.

Ein Fußballer kann also wenig gegen das Risiko tun?

Waizy: Doch, das kann er. Wer sich den Mittelfuß gebrochen hat, sollte nach dem Auslöser suchen. Jeder Mensch hat bestimmte Risikofaktoren. Und gegen die kann man etwas tun. Beim Fußball spielen etwa die Stollen eine große Rolle. Es gibt einige Spieler, bei denen keine gängige Stollenkombination zum Fuß passt. Das führt dann zu einer unguten Belastung. Ich gehe davon aus, dass die Stollen in Zukunft noch viel individueller gesetzt werden.

Was ist nach einem Mittelfußbruch zu tun?

Waizy: Meist genügt Ruhe. Eine Operation ist nur dann nötig, wenn sich der Knochen verschoben hat. Aber egal, ob es eine OP gibt oder nicht – der Fuß sollte die ersten sechs Wochen nur wenig belastet werden. Bis ein Sportler wieder völlig fit ist, vergehen in der Regel drei Monate.

Bei Manuel Neuer dauern die Probleme schon viel länger. Woran kann so etwas liegen?

Waizy: Das kann mehrere Gründe haben. Wenn ein Sportler seinem Fuß nicht genug Ruhe gönnt, dann reißen die kleinen Knochenbrücken, die dem Fuß wieder Stabilität verleihen. Allerdings kann auch die Wundheilung eine große Rolle spielen. Bei Manuel Neuer ist von einer längeren Rehabilitation auszugehen, weil sich die Probleme mit den Knochen schon lange hinziehen.

Die Zeitschrift Sport Bild hat berichtet, dass Neuer schon seit rund neun Jahren mit einer Metallplatte im Fuß spielt. Kann das sein?

Waizy: Das ist gut möglich. Eine Platte wird bei einer Operation eingesetzt, um den Knochen zu stabilisieren. Wenn er wieder vollständig verheilt ist, bringt sie weder Vor- noch Nachteile für den Patienten. Oft bleibt sie im Fuß. Dadurch spart man sich einen zusätzlichen Eingriff, der auch wieder Komplikationen auslösen könnte.

Sie meinten, dass ein Mittelfußbruch nicht so häufig bei Fußballern vorkommt. Welche Verletzungen sind häufiger?

Waizy: Sehr oft behandle ich Verletzungen der Außenbänder, davon sind Fußballer am häufigsten betroffen. Auch Muskelfaserrisse bereiten immer wieder Probleme. Was mir immer häufiger unterkommt, sind Nerveneinengungen. Ich habe schon Fußball-Nationalspieler mit diesem Problem behandelt, ebenso olympische Leichtathleten. Diese Verengungen werden manchmal durch die eng sitzenden Sportschuhe ausgelöst.

Priv.-Doz. Dr. Hazibullah Waizy ist Chefarzt der Klinik für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie an der Hessing-Stiftung in Augsburg. Er ist außerdem im erweiterten Vorstand der D.A.F. (Deutsche Assoziation für Fuß und Sprunggelenk), Referent auf Kongressen und Autor mehrerer Publikationen und Buchbeiträge.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren