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FC Augsburg

17.06.2017

Nach Bezahlkarten-Aus: Wie kommen Fans an ihr Geld?

Derzeit ist offen, ob es kommende Saison in der WWK-Arena wieder ein bargeldloses Zahlungssystem gibt, oder Bier und Wurstsemmeln in Cent und Euro bezahlt werden müssen.
Bild: Silvio Wyszengrad

Nach der Insolvenz der Betreiberfirma des Bezahlkartensystems arbeiten die Stadtwerke an einer Lösung. Im Mittelpunkt stehen die kommende Saison und die Guthaben der Fans.

Wer in der Augsburger Fußballarena essen und trinken wollte, hatte bisher keine Wahl. Er musste sein Geld auf eine Plastikkarte laden, mit dem Guthaben hat er Wurst und Bier an Kiosken und Ständen bezahlt. Wie dieses System funktionierte, mit wem der Karteninhaber einen Vertrag einging, das interessierte wenig – Hauptsache, das System funktionierte. Acht Jahre lang war das der Fall, ehe die Betreiberfirma des bargeldlosen Bezahlsystems, Payment Solutions, insolvent ging.

Jetzt interessiert sehr wohl, mit wem der Fan ein Geschäftsverhältnis eingegangen ist: Denn das Unternehmen mit Sitz in Hamburg schuldet den Kartenbesitzern ihre Guthaben, nach Informationen unserer Zeitung rund eine halbe Million Euro. Rund 50.000 Karten sollen in Umlauf sein. Insolvenzverwalter Sven-Holger Undritz hat für Juli eine Entscheidung angekündigt, wie es mit dem zahlungsunfähigen Unternehmen weitergeht. Ob es zerschlagen wird oder ob es gerettet werden kann. Betroffen ist nicht nur der FCA-Anhang, Payment Solutions bot sein System in mehreren deutschen Stadien von der 1. bis zur 3. Liga an. Am 18. August startet die Bundesligasaison, schon am 6. August empfängt der FCA den PSV Eindhoven zur Generalprobe. Bleibt die Frage: Wie wird dann im Stadion bezahlt? Der FCA will sich erst nach der Entscheidung des Insolvenzverwalters äußern.

SWA hatten bereits Kundenkarten im Einsatz

Der Bundesligist arbeitet beim Catering mit den Lechwerken (LEW) zusammen, mit dem Bezahlsystem hat er die Stadtwerke (SWA) betraut. Die Energieversorger sind seit Jahren Partner des Fußballvereins. Als der FCA 2009 in seine Spielstätte im Süden Augsburgs zog, bauten sie ihre Partnerschaft aus.

Neuland betraten beide Unternehmen damit nicht. Die LEW verantworteten zuvor Betriebsrestaurants und verkosteten bei Veranstaltungen. Die SWA hatten bereits Kundenkarten (Karocard) im Einsatz, ohne jedoch deren Bezahlfunktion zu nutzen. Diese wurde im Stadion freigeschaltet.

In seinem Stadion bevorzugte der FCA ein bargeldloses System. Daraufhin beauftragten die SWA den Marktführer, damals wie heute die Payment Solutions Services GmbH. Das Geld der Fans floss direkt zu Payment Solutions, die Essen und Getränke mit den LEW abrechneten. Die SWA waren am Umsatz beteiligt. Wobei die Einnahmen nach eigenen Angaben ins Sponsoring des Klubs flossen, unter anderem in die Nachwuchsarbeit.

Ein Schuldenberg von vier Millionen Euro

Als Payment Solutions Anfang Mai Insolvenz anmeldete, zeigten sich die SWA überrascht. Eine Sprecherin erklärte damals, man habe den Betreiber bisher als "verlässlichen Partner" kennengelernt. Aber: In Kaiserslautern sollen Pächter von Kiosken auf Gelder aus den letzten drei Heimspielen warten. Ob auch Zahlungen an die Lechwerke Augsburg ausstehen, dazu wollten sich diese nicht äußern.

Ein Blick in die Bilanzen der Payment Solutions GmbH hätte allerdings bereits bei Vertragsabschluss im Jahr 2009 Zweifel an der wirtschaftlichen Stabilität aufkommen lassen. Die GmbH schob zu diesem Zeitpunkt – bei keinem einzigen Cent Eigenkapital – einen Schuldenberg von vier Millionen Euro vor sich her. Die Muttergesellschaft, die Payment Solutions AG, hatte bereits 2007 eine Patronatserklärung für die GmbH abgegeben. Das bedeutet, dass sie für Verpflichtungen der überschuldeten GmbH einsteht. 2012 wurden Geräte und Ausstattung des Bezahlsystems in Augsburg zwischenzeitlich als Sicherungsübereignung übertragen – eine Art Hypothek.

Rentabel arbeitete Payment Solutions in all den Jahren nie. Meist betrug der Verlust am Jahresende über eine Million Euro. In der bisher letzten veröffentlichen Bilanz von 2015 ist der Schuldenberg der GmbH auf etwas über zehn Millionen Euro angewachsen. Im Dezember 2013 wurde die AG mitsamt Werten und Verpflichtungen an die Sandpiper Assets mit Sitz in den karibischen Virgin Islands verkauft – für einen Schweizer Franken. Die Sandpiper Digital Payments AG hat ebenfalls seit 2014 keinen Gewinn erzielt und machte zwischen drei und sechs Millionen Euro Verlust – pro Jahr.

Bisher will nur Hertha BSC für finanzielle Schäden aufkommen

Sollte Payment Solutions gerettet werden, läuft es in Augsburgs Arena auf eine weitere Nutzung des Systems hinaus. Verträge zwischen den SWA und dem Hamburger Unternehmen hätten Gültigkeit, Fans könnten ihre Guthaben in der Arena einsetzen. Komplizierter gestaltet sich die Lage, sollte es nicht mit Payment Solutions weitergehen. Einerseits würde das Guthaben der Fans wohl verloren gehen, weil andere Gläubiger zuerst bedient würden. Rechtlich sind weder SWA, erst recht nicht FCA und LEW, verpflichtet, den Karteninhabern ihr Guthaben auszubezahlen. Allerdings befinden sich deren Logos auf den Plastikkarten, der Imageschaden wäre enorm. Nach der Insolvenz hatten die Stadtwerke erklärt, man werde den Schaden für die Fans "so gering wie möglich" halten.

Von den betroffenen Vereinen hat bisher lediglich Hertha BSC zugesichert, für finanzielle Schäden aufzukommen. "Wir versprechen Geld oder Wurst, die Fans werden nicht allein gelassen", erklärte Anfang Mai Hertha-Geschäftsführer Ingo Schiller.

Zudem müsste der FCA in seinem Stadion ein alternatives Bezahlsystem anbieten. Möglich wäre wie im letzten Heimspiel der vergangenen Saison die Bezahlung mit Bargeld. Bestätigen wollen es die LEW nicht, aber sie haben nach Informationen unserer Zeitung zum Saisonheimfinale gegen Dortmund den höchsten Umsatz der Saison erreicht.

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Die Diskussion ist geschlossen.

17.06.2017
Das Kartenbezahl-System fixiert auf ein Stadion hat einige Nachteile für den Kunden, die Karte kann NUR IN EINEM Stadion eingesetzt werden, besser wäre es (nach meiner Meinung) eine Karte für ALLE Stadien der 1. & 2. & 3. Bundesliga, welche auch unterschiedliche Preise haben dürfen, dann muss man in fernen Stadien nicht sich kompliziert eine Karte besorgen und umständlich nach dem Spiel wieder zurückgeben müssen.
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