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Fußball

07.06.2018

Nach Drohungen: Argentinien sagt Testspiel in Israel ab

Eindeutige Botschaft an die argentinische Nationalmannschaft.
Bild: afp

Die Politik hat den Sport mal wieder eingeholt. Messi & Co. werden nicht nach Jerusalem reisen

Proteste, Drohungen und die Aufforderung, Trikots von Lionel Messi zu verbrennen: Fußball-Vizeweltmeister Argentinien wird nicht wie geplant zur WM-Generalprobe in Jerusalem antreten. Die Partie gegen Israel an diesem Samstag im Teddy-Kollek-Stadion wurde abgesagt.

Auf den letzten Drücker stellt die Albiceleste ihre finale WM-Vorbereitung um. Wie viel politisches Gewicht die Partie gehabt hätte, zeigt sich jetzt dennoch. Israel kritisierte die Absage gestern aufs Schärfste. Präsident Reuven Rivlin sagte: „Sogar in den schwersten Zeiten haben wir jeden Aufwand betrieben, jegliche Erwägungen, die nicht rein sportlich sind, abseits des Spielfeldes zu lassen.“ Und weiter: „Es ist bedauerlich, dass das argentinische Team es nicht geschafft hat, dies in diesem Fall zu tun.“

Verteidigungsminister Avigdor Lieberman schrieb auf Twitter: „Es ist eine Schande, dass die argentinischen Fußballstars dem Druck der Israel-Hasser nachgegeben haben, deren einziges Ziel es ist, Israels Grundrecht zur Selbstverteidigung zu verletzen und seine Vernichtung herbeizuführen.“

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Eigentlich wollten Messi und seine Auswahlkollegen an diesem Donnerstag um 16 Uhr vom zweiten WM-Vorbereitungscamp in Barcelona nach Jerusalem fliegen, von dort sollte es nach der geplanten Partie weitergehen nach Moskau. Die Südamerikaner beziehen nahe der russischen Hauptstadt in Bronnitsy ihr Quartier. Am 16. Juni startet die womöglich letzte Chance für Messi und seine Generation, den Titel noch zu holen, in Moskau gegen Island. Weitere Gruppengegner sind Kroatien und Nigeria.

Nun muss Argentinien umplanen. „Gesundheit und Vernunft gehen vor“, sagte Nationalstürmer Gonzalo Higuaín dem Sportsender ESPN zur Absage der Partie. „Wir haben gespürt, dass es nicht richtig gewesen wäre.“

Der Präsident des palästinensischen Fußballverbandes, Dschibril Radschub, hatte die Fans sogar dazu aufgerufen, Trikots und Poster von und mit Messi zu verbrennen, sollte dieser in Jerusalem spielen. „Das ist kein Spiel für den Frieden, sondern ein politisches Match, das die faschistische und rassistische Besatzung verdecken soll“, war er von der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa vergangene Woche zitiert worden. Die Absage lobte er. „Der Sport hat heute triumphiert, und Israel wurde durch die Absage des Spiels die Rote Karte vors Gesicht gehalten“, sagte Radschub Wafa zufolge.

Der israelische Verband sprach dagegen von den „physischen und brutalen Drohungen“ Radschubs, die „jegliche rote Linie überschritten“ hätten. Man werde eine Beschwerde bei der Fifa einreichen.

Jerusalem ist einer der zentralen Streitpunkte im Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern. Israel hat den Ostteil der Stadt 1967 im Sechstagekrieg erobert. Die Palästinenser sehen dagegen Ost-Jerusalem als Hauptstadt eines künftigen Staates Palästina. Als möglicher Ersatz für die abgesagte Partie werden nun als Gegner San Marino oder Malta gehandelt. (dpa)

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