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Nationalelf
18.03.2019

Der Druck auf den Bundestrainer wächst

Mit seiner Personalentscheidung hat sich Löw angreifbar gemacht. Das zeigen Aussagen des DFB-Präsidenten

Eine Warnung von Vorgänger Jürgen Klinsmann und kritische Worte von DFB-Boss Reinhard Grindel: Joachim Löw braucht zum Jahresstart der Nationalmannschaft dringend Siege. Wenn der Bundestrainer am Montag im Ritz Carlton Hotel in Wolfsburg den nächsten Neuanfang nach dem WM-Desaster einläutet, steht er nach seinen umstrittenen Personalentscheidungen unter einem bislang nicht gekannten Ergebnisdruck.

Ausgerechnet Verbandspräsident Grindel befeuerte mit Aussagen im fernen Florida die Stil-Debatte um den Fußball-Bundestrainer, die nach der heiß diskutierten Ausmusterung von Mats Hummels, Jérôme Boateng und Thomas Müller entbrannt ist. „Klug“ wäre es gewesen, schon am Dienstag, am Tag der Entscheidung, eine Pressekonferenz abzuhalten, stellte der Verbandsboss fest. Den Donnerhall, den er damit auslöste, wollte Grindel dann nach der Rückkehr aus den USA ungeschehen machen und räumte auch eigene Versäumnisse ein. Klar ist aber unabhängig von diesem präsidialen Schlingerkurs: Die auch nach dem WM-Debakel und dem Abstieg in der Nations League demonstrierte Treue zu Löw und Direktor Oliver Bierhoff ist brüchig geworden.

Erst zum Ende der EM-Ausscheidungsrunde werde im Herbst Bilanz gezogen, ob die hohen Ansprüche beim Turnier 2020 auch zu erfüllen sind. Ein Fehlstart gegen die gefährlichen Serben und ein erneutes Ergebnis-Desaster wie beim 0:3 im Herbst in Amsterdam würde den öffentlichen Druck jedoch wieder enorm erhöhen. Klinsmann brachte die schwierige Lage für seinen einstigen engen Vertrauten auf den Punkt: „Das erhöht den Druck und die Diskussionen. Du musst Erfolg haben, egal was du tust.“ Mit seiner brisanten Personalentscheidung um das prominente Bayern-Trio hat Löw sich in schwierigen Zeiten angreifbar gemacht. „Nicht nur als Nationalmannschaft bist du am Boden. Sondern der gesamte deutsche Fußball ist auf niedrigem Niveau. Das ist ein Pulverfass“, sagte Klinsmann. „Fußball-Deutschland will wieder zur Crème de la Crème gehören. Da hast du immer eine Trainerdiskussion. Das weiß auch Jogi“, fügte der neue TV-Kritiker an.

Löw weiß auch, dass seine jahrelang zur Schau gestellte Priorisierung „Erkenntnisse statt Ergebnisse“ jetzt nicht mehr vermittelbar ist. Oliver Bierhoff wird sich zudem erklären müssen, warum Grindel erst wenige Stunden vor der Demission des Bayern-Trios informiert wurde, die brisante Nachricht andere hohe DFB-Würdenträger wie Ligapräsident Reinhard Rauball sogar noch viel später erreichte. Qua Amt als zuständiger Direktor für den Leistungsfußball ist Bierhoff das Bindeglied zwischen Grindel und Löw. Schon nach dem WM-Aus war hinterfragt worden, ob das Nationalteam ein zu großes Eigenleben im Verband führe. Verhältnismäßig ruhige Töne gab es am Sonntagabend von Bayern-Präsident Uli Hoeneß. Er will sich öffentlich nicht mehr zur Ausmusterung der drei Bayern-Profis äußern. Er habe sich entschlossen, „das Thema mit dem Jogi Löw unter vier Augen zu besprechen“, sagte Hoeneß nach dem 6:0 gegen Mainz 05. (dpa)

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