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Nationalmannschaft
02.07.2021

Was ist dran an der Kritik an Oliver Bierhoff?

Gut gekleidet, aber nicht überall gut gelitten: Oliver Bierhoff.
Foto: Federico Gambarini, dpa

Das Aus bei der EM fällt auch auf Oliver Bierhoff zurück. Die Deutschen begegnen dem ehemaligen Stürmer von jeher skeptisch. Allerdings hat der auch gute Argumente auf seiner Seite.

München Man kann Oliver Bierhoff aus Italien holen – aber niemals Italien aus Oliver Bierhoff. Mögen die Spieler der deutschen Nationalmannschaft in Herzogenaurach für das obligatorische Mannschaftsfoto vor dem EM-Start ihr bequemes Spieltagsgewand angelegt haben, Bierhoff erschien auf dem Trainingsplatz im Sakko. „Schön hast du dich gemacht“, versuchte Torwarttrainer Andreas Köpke den ehemaligen Stürmer des AC Mailand zu necken. Bierhoff scherzt gerne mit der Mannschaft hinter der Mannschaft. Andere nennen es Funktionsteam, Bierhoff redet auch mal vom "Staff". Es ist eine dieser Eigenheiten, die es den Deutschen schwermachen, den 53-Jährigen sympathisch zu finden.

Da ist einer für die Belange nationaler Tragweite zuständig, der gut ausschaut, Kleidung nicht nur als Funktionswäsche versteht und dann auch noch mit BWL- und Englisch-Vokabeln hantiert. Anders als beispielsweise: Friedhelm Funkel. Oder Felix Magath. Der sich zweifelsfrei auch fein zu kleiden versteht, aber für sich immer noch in Anspruch nimmt, es als ein Mann aus kleinen Verhältnissen zu Erfolg gebracht zu haben und es daher versteht, erfolgreich zu arbeiten. Ihm Kompromisslosigkeit während seiner Trainer-Laufbahn zu unterstellen, fällt eher nicht in den Bereich der üblen Nachrede.

Magath kritisiert die Entscheidung pro Löw

Eben jene Konsequenz hat Magath in Reihen des DFB vermisst. "Der ganze DFB hat nur noch die Daumen gedrückt und zugeschaut", sagte der 67-Jährige der Zeitung Die Welt. Nach dem Scheitern als Titelverteidiger in der WM-Vorrunde 2018 hätte der Deutsche Fußball-Bund sich nach Magaths Ansicht von Bundestrainer Joachim Löw trennen müssen. "Das wäre für alle, auch für Joachim Löw, das richtige gewesen", sagte der frühere Nationalspieler. Magaths Arbeitsweise ist eher nicht von übermäßiger Geduld geprägt. In der vergangenen Saison arbeitete er als Berater für den Zweitligisten Würzburger Kickers. An der Seitenlinie der Franken waren über die Saison verteilt vier unterschiedliche Trainer für die Mannschaft verantwortlich – die am Ende als Tabellenletzter abstieg.

Seit 2014 sei rund um die Nationalelf fast nichts Erfreuliches mehr passiert. Vielmehr ging es "stetig und ständig abwärts", urteilte Magath. Der Grund dafür: „Weil die DFB-Verantwortlichen in der Vergangenheit leben, hat und konnte sich auch nichts mehr weiterentwickeln.“ Das ist auch als Vorwurf an Bierhoff zu verstehen, der als einer von vier DFB-Direktoren für die Nationalmannschaft zuständig ist.

Lothar Matthäus (l) meint, Bierhoff sei für die Misserfolge des DFB mitverantwortlich
Foto: Federico Gambarini, dpa

Lothar Matthäus adressiert seine Kritik an die gleiche Adresse. "Oliver ist sehr clever. Er verkauft sich gut. Aber auch Bierhoff hätte hinterfragt werden müssen. Er ist dafür verantwortlich, dass Jogi Löw das Turnier bekommen hat, obwohl er die WM 2018 vergeigt hatte", sagte Matthäus bei bild.de.

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Oliver Bierhoff trieb die Vermarktung voran - etwas sehr weit voran

Bierhoff hatte sich für das Turnier in Russland unter anderem für das später in die Kritik geratene Quartier in Watutinki eingesetzt . Bierhoff war es auch, der die Vermarktung der Nationalmannschaft als „Die Mannschaft“ arg weit getrieben hatte und nach dem Turnier 2018 erstmal mit den "Stakeholdern" reden wollte, ehe die Maßnahmen letztlich zurückgefahren wurden. Den als „Stakeholdern“ zusammengefassten Interessengruppen war es wohl auch ein wenig viel des Brimboriums rund um „Die Mannschaft“.

Wenn Bierhoff mitverantwortlich ist für die Misserfolge der Nationalmannschaft, dann ist er es als zuständiger Direktor allerdings auch für die EM-Titel der U21 in diesem Jahr und zuvor 2017. Titel, die nicht derart glänzen, wie es Triumphe im Seniorenbereich tun – die aber einem Erfolg auch nicht abträglich sind. Immerhin hat die Nationalmannschaft die Weisheit widerlegt, wonach der Erfolg viele Väter habe, während der Misserfolg ein Waisenkind sei. Bierhoff und Löw gelten als Eltern des Ausscheidens. Die Spieler wiederum haben sich nach dem Aus niedergeschlagen gezeigt – und dürfen bald wiederkommen.

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