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Neue Werbemöglichkeit
31.07.2019

Glasboden im Sport: Der Star ist der Untergrund

Christof Babinsky sitzt auf einem seiner Sportböden. Weil beispielsweise auch Linien für lediglich eine Sportart auf dem Untergrund dargestellt werden können, gilt er unter anderem als geeignet für Autisten.
Foto: Asb Glassfloor

Der Hallenuntergrund der Zukunft ist mehr als schnödes Beiwerk. Er ist Werbemittel und interaktiver Lehrpfad – wenn es nach einem 32-jährigen Oberbayern geht.

Die besten Ideen sind jene, die später so simpel erscheinen, dass sie schon viel früher hätten jemanden einfallen müssen. Steinzeittüftler hatten vor Urzeiten die Segnungen des Rades erkannt. Runde Steine ließen sich besser vor Höhlen mit gefährlichem Getier rollen. Bis aber jemand den Einfall hatte, zwei Räder mitsamt einer Kette zu verbinden und das Ganze als Fahrrad zu nutzen, dauerte es bis ins frühe 19. Jahrhundert.

Seit Sportler ihrer Passion professionell nachgehen, gibt es einen neuen Berufszweig. Den Vermarkter. Von Trikots prangt Werbung für Autos, Banden wollen zum Kauf von Schlagbohrern reizen. Die Zuschaueraugen aber ruhen nicht permanent auf der Bande, das Trikot ist im Stadion nur schwer zu erkennen. Permanent aber bewegt sich der Athlet auf festem Untergrund – zumindest in der Halle. Unterhaltsame Werbung auf dem Boden: Fehlanzeige. Allenfalls Schriftzüge, ein paar Logos.

Das soll sich ändern. Das hat sich teilweise schon geändert. „Wir wollen die Werbeeinnahmen im Hallensport verdoppeln“, lautet das Ziel von Christof Babinsky. Der 32-Jährige hat sich nicht weniger vorgenommen, als eine ganze Branche zu revolutionieren. Das freilich war schon häufiger der Plan aufstrebender Unternehmer. Selbstbewusstsein und Scharlatanerie liegen oft eng beieinander.

Babinsky ist Chef eines mittelständischen Unternehmens im oberbayerischen Stein an der Traun. „Systembau Horst Babinsky GmbH“ klingt nicht nach sexy Start-up-Unternehmen. Der Familienbetrieb ist auch nicht neu auf dem Markt. Vater Horst gründete ihn vor 53 Jahren. Angefangen hat alles mit Fertighäusern. 1974 folgte die Umstellung auf Squashplätze. Die Firma stellte als Erstes Plätze her, die auf vier Seiten von Glas umgeben waren und somit von überall her einsehbar. „Und warum ist eigentlich der Boden nicht auch noch aus Glas“, berichtet Christof Babinsky vom Einfall seines Vaters. Der liegt nun 14 Jahre zurück. Es ist die Idee, auf der das Geschäftsmodell der Firma bis heute basiert.

Es gelang, einen Boden zu entwickeln, der elastischer ist als der ansonsten in Hallen verlegte Untergrund. Babinsky junior schließlich trieb das Unternehmen raus aus den Squashcourts, um in sämtliche Hallen zu kommen. Erstmals wurde das Glas 2009 in der Turnhalle von Babinskys Gymnasium in Stein verlegt. Bis heute: keine Kratzer, keine Alterserscheinungen. „Das ist schon Magie“, ist Babinsky immer noch erstaunt von der Innovation.

Warum aber einen Glasboden verlegen – abgesehen von etwas Magie? Mithilfe von LED und Tablets lassen sich beispielsweise Linien nach eigenem Gusto ziehen. Kein Wirrwarr mehr. Im Schulsport keine Fragen, wo das Handballfeld aufhört und das Volleyballfeld anfängt. Mittlerweile ist unter anderem eine Schule für Sehbehinderte und Autisten in der Champagne damit ausgerüstet. Viele Autisten wären ansonsten von den zahlreichen Markierungen verwirrt.

Babinsky, der zwischendurch in England Business and Management studierte, trieb das Unternehmen weiter an. So weit, dass die Böden mittlerweile als intelligente Werbefläche dienen können. Wirft ein Basketballer einen Korb, kann er beispielsweise auf dem Feld von Flammen unterlegt werden. Gleichzeitig könnte Werbung zu sehen sein. Werbung, der es schwerfällt, sich zu entziehen. Die Technik erlaubt es auch, statistische Werte direkt sichtbar zu machen. Ein Umfeld, das Werbung aufwertet.

Babinsky selbst wirbt mit den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten seiner Plätze. Im Training lassen sich durch die LED schnell Übungen gestalten – Hütchen sind nicht mehr notwendig. Die Software ist so weit, im Trainingsspiel die besten Passmöglichkeiten auszurechnen und in Echtzeit darzustellen. Zukunftsvisionen, die bereits begonnen haben.

Zu sehen unter anderem heute in München. Der Sieger des Audi-Cup wird auf einem Podest aus Glas geehrt. Hergestellt von einem Familienunternehmen, das von einem 32-Jährigen in die Zukunft geführt wird. Der die Idee seines Vaters umsetzte und weiterentwickelte.

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