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Eishockey

21.02.2018

Nicht aufzuhalten

DEL-Profi Christian Ehrhoff (links) ging direkt zu Spielbeginn nach einem heftigen Foul zu Boden. Das hinderte den Verteidiger aber nicht daran, nach einer Pause wieder in das Match einzugreifen.
Bild: Witters

Die deutsche Mannschaft feiert nach einem 2:1-Sieg den Einzug ins Viertelfinale. Ein übles Foul durch einen Schweizer leitete das Spiel ein

Eishockey-Profis sind beinhart – gegen sich und gegen andere. Das hat das 2:1 (1:0, 0:1, 0:0, 1:0) nach Verlängerung gestern gegen die Schweiz gezeigt. Mit dem Sieg im Entscheidungsspiel beim olympischen Turnier in Gangneung zieht die Mannschaft von Marco Sturm ins Viertelfinale gegen Schweden ein und hat genau 21 Stunden Zeit zur Erholung. Das Spiel steigt am heutigen Mittwoch (13.10 Uhr/ ZDF und Eurosport). Für Felix Schütz ist die kurze Pause kein Thema. „Viel essen, viel trinken, gut schlafen und dann geht es morgen gegen die Schweden“, sagte der Stürmer der Kölner Haie und fügte an: „Wir sind das doch aus der Liga gewöhnt und außerdem: Wir sind doch hier bei Olympia.“

Gegen die Skandinavier hatte die deutsche Nationalmannschaft zwar bereits in der Vorrunde gespielt und 0:1 verloren. Aber zwei ehemalige Mitspieler von Schütz aus Schweden bestätigten dem Angreifer: „Das hättet ihr auch gewinnen können.“ Vier Mal war der Puck am Gestänge des schwedischen Tors gelandet. Doch irgendwie gleicht sich im Leben und im Sport alles aus. Das Glück, das den Deutschen im Gruppenspiel gefehlt hatte, kehrte gestern im Entscheidungsmatch zurück. Der Bundestrainer scheint ein Glückskind zu sein. Egal was der ehemalige Profi aus der nordamerikanischen Profiliga NHL anpackt – er hat im richtigen Moment Erfolg. Zweimal seit seinem Amtsantritt im Sommer 2015 führte Sturm die DEB-Auswahl bei Weltmeisterschaften ins Viertelfinale, und nun auch bei dem höher einzuschätzenden Olympiaturnier.

Das Match gegen die Schweiz begann jedoch mit einem üblen Foul. Nach neun Sekunden rammte Cody Almond dem deutschen Verteidiger Christian Ehrhoff den Ellbogen brutal ins Gesicht. Der Kölner ging benommen zu Boden und stakste anschließend wie ein taumelnder Boxer in die Umkleide.

Vielleich sogar absichtlich hatte der Schweizer versucht, den Lenker des deutschen Überzahlspiels aus dem Match zu nehmen. Für Almond war die Partie mit fünf Strafminuten und eine Spieldauerstrafe beendet. Um Ehrhoff musste man sich Sorgen machen. Eishockey-Profis erleiden in ihrer Karriere oft mehrere Gehirnerschütterungen. Marco Sturm, der in über 1000 NHL-Spielen manche Ruppigkeit erlebt hat, fand ungewohnt deutliche Worte: „Der Schweizer checkt wahrscheinlich das ganze Jahr über in der Liga nicht so hart. Und dann kommt so was“, schimpfte der Coach und fügte an: „Eigentlich eine Frechheit.“

Zumindest nutzte die deutsche Mannschaft die Überzahl zum 1:0 durch den Nürnberger Leo Pföderl nach 79 Sekunden. Ehrhoff stand nach der ersten Drittelpause wieder auf dem Eis, als wäre nichts gewesen, und meinte nach der Partie trocken: „Das war nicht der Start, den ich mir gewünscht hatte. Das hat sich nicht gut angefühlt. Aber das Ergebnis fühlt sich sehr gut an.“

Nach dem 1:1 (24.) durch Simon Moser blieb es nach 60 Minuten beim Unentschieden. In der Verlängerung, die bei Olympia mit vier gegen vier Feldspielern ausgetragen wird (in der Liga mit drei gegen drei) gelang Yannic Seidenberg in der 62. Minute das 2:1. Der Münchner Verteidiger schilderte die Szene, die den Deutschen den ersten Viertelfinal-Einzug bei den Winterspiele seit 16 Jahren sicherte: „Da war ein Schuss aufs Tor, der Abpraller ist auf meinen Schläger gefallen und ja, da haben sich meine 16 Jahre als Stürmer ausgezahlt.“ Erst vor einigen Jahren hatte Seidenberg (34) vom Meister EHC München auf Abwehrspieler umgeschult.

Gegen Schweden kann die deutsche Mannschaft den größten Erfolg seit der Bronzemedaille 1976 in Innsbruck perfekt machen. Der Weltmeister geht mit drei Ruhetagen ins Viertelfinale, der deutschen Mannschaft blieben gerade mal 21 Stunden Erholung. „Ach, das muss kein Nachteil sein, wir sind im Rhythmus“, sagt Felix Schütz. Verteidiger Christian Ehrhoff auf die Frage, ob nach dem harten Check der Kopf brummt: „Danke, mir geht es gut.“ Eishockeyspieler sind hart im Nehmen.

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