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Olympia in Tokio
30.07.2021

Japan zeigt dank der Olympischen Spiele Gefühle

Naohisa Takato feiert seinen Olympiasieg im Judo-Finale gegen den Chinesen Wei Yung Yang.
Foto: Harry How, Getty

Die starken Leistungen der Japaner sorgen für einen verhaltenen Stimmungswandel im Land. Dabei spielt auch das Auftreten direkt nach den Wettkämpfen eine Rolle.

„Wirklich“, sagt Naohisa Takato schluchzend und braucht einen Moment, ehe er weiterreden kann. „Nur weil ich von allen so unterstützt wurde, war dieses Ergebnis möglich.“ Die Goldmedaille in der Gewichtsklasse bis 60 Kilo gibt dem Judoka den Rest. Als er ein weiteres Mal nach Luft schnappt, sagt er: „Das kommt aus meinem Inneren. Dass Sie mich bis hierher unterstützt haben: vielen Dank! Jetzt, als Goldmedaillist, will ich noch mehr an mir arbeiten. Vielen Dank!“

Es waren emotionale Momente eines japanischen Triumphs, von denen es dieser Tage einige gibt. Nicht nur, weil Japan mittlerweile 15 Goldmedaillen gewonnen hat und damit im Medaillenspiegel oben steht. Sondern auch, weil die Athleten direkt nach ihren Wettkämpfen immer wieder große Emotionen zeigen. Weinen gehören dieser Tage für die Athleten aus dem Gastgeberland zum Standardprogramm.

So sagte etwa Yui Ohashi nach ihrem Sieg über 400 Meter Lagen, als sie auf ihre Tränen angesprochen wurde: „Ich hätte nicht gedacht, dass ich eine Goldmedaille holen könnte. Auf dem Weg hierher ist so viel passiert. Und dass ich jetzt hier auftreten konnte, dafür bin ich so dankbar.“ Ähnlich sagte es diese Tage Taeko Utsugi, Trainerin der japanischen Softballmannschaft, deren Truppe Gold gewann: „Ja, man hat es uns wirklich erlaubt, nur an uns zu denken. Und wäre das nicht möglich gewesen, hätten wir auch nicht gewinnen können. Ich bin einfach nur dankbar.“

Tränen und Danksagungen sind in Japans Sportöffentlichkeit nicht ganz ungewöhnlich

Die vielen Tränen und Danksagungen sind in Japans Sportöffentlichkeit nicht ganz ungewöhnlich. Immer mal wieder brechen Sportler nach wichtigen Siegen oder Niederlagen vor der Kamera emotional zusammen. So weinte auch der Fußballnationalspieler Maya Yoshida, nachdem Japan bei der WM 2018 unglücklich ausgeschieden war. Und das war eigentlich auch keine Sensation. Vielmehr offenbart sich in denen Tränen nur, dass die Sportler mit vollem Herzen bei der Sache sind.

Allerdings sind die Emotionen, die so etwas ausdrücken, diesmal besonders wichtig. Schließlich ist die japanische Öffentlichkeit weiterhin skeptisch gegenüber den Spielen. Eine Umfrage der Nachrichtenagentur Kyodo ergab vor kurzem, dass sich zwar 71 Prozent darauf gefreut haben, die Sportler in Aktion zu sehen. Zugleich fürchten aber 87 Prozent, dass sich durch Olympia auch das Coronavirus weiterverbreitet.

Indem die Sportler an diesen Olympischen Spielen teilnehmen und auch im Vorfeld der Sportveranstaltung nicht durch lauthalse Opposition dagegen aufgefallen sind, könnten sie in den Augen der Öffentlichkeit als Komplizen der ungeliebten Veranstalter wahrgenommen werden. Indem sie aber Verletzlichkeit zeigen, tritt ein anderer Eindruck in den Vordergrund, der diese Tage in Tokioter Stadtgesprächen häufig ausgesprochen wird: „Diese Athleten haben jahrelang für diesen Traum trainiert, und jetzt ist es so weit.“

Japan ist ein sehr patriotisch geprägtes Land

Vergessen ist die Skepsis auch jetzt nicht. Spricht man abends in der Bar oder tagsüber im Café Leute an, ist häufig so etwas zu hören wie: „Ich war gegen die Spiele, wegen der Pandemie. Aber wo sie jetzt laufen, bin ich auch froh drüber.“ Und der Zusatz, der mittlerweile oft kommt: „Und unsere Athleten sind ja auch wirklich stark.“ Im sehr patriotischen Japan macht es viele Menschen glücklich zu sehen, wie sich die Athleten aus ihrem Land bei internationalen Vergleichen durchsetzen. Seinen historischen Bestwert von 16 Goldmedaillen - 1964 in Tokio und 2004 in Athen - dürfte das ostasiatische Land schon an diesem Wochenende einstellen oder verbessern. Und die Öffentlichkeit ist darüber gut informiert. Schon die Eröffnungsfeier am vergangenen Freitag erreichte eine historisch hohe Einschaltquote von 56 Prozent. Seit Beginn der Spiele berichtet der öffentliche Rundfunksender NHK über mehrere Kanäle, wann immer es irgendwo Wettkämpfe gibt.

Auf überwiegende Jubelstimmung kann man sich dabei nicht nur bei den Liveübertragungen verlassen. Die fünf größten Medienunternehmen Japans gehören zu den offiziellen Sponsoren von „Tokyo 2020.“ Und NHK ist in seiner Haltung über die letzten Jahre näher an die Regierung gerückt.

 

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