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Kommentar von Markus Bürzle

15.07.2010

Olympia ist nur mit Leidenschaft zu retten

Marcus Bürzle, Sportredakteur der Augsburger Allgemeinen.
Bild: Fred Schöllhorn

Olympia kann die Menschen begeistern. Die Spiele sind aber kein Selbstläufer. Doch seit Wochen geht es mit der Bewerbung nur abwärts. Das könnte für München zum Albtraum werden. Von Marcus Bürzle

Wer von Olympischen Winterspielen träumt, darf vieles falsch machen. Die Mehrheit der Herren der Ringe lassen Schnee und Eis nämlich ziemlich kalt. Wo Loipen und Pisten ihren Platz finden, ist ihnen egal. Aber sie wünschen sich glühende Begeisterung in der Stadt, die sie mit Winterspielen beglücken. Widerstand, Protest und Kritik können sie nicht ausstehen. Das könnte für München zum Albtraum werden.

Die Landeshauptstadt will den Olymp erklimmen und im Jahr 2018 Gastgeber der Winterspiele sein. Doch seit Wochen geht es mit der Bewerbung nur abwärts. Niemand spricht mehr von den schönen Seiten der Spiele, die Kehrseite der Medaille beherrscht die Schlagzeilen. An den entscheidenden Damen und Herren im Internationalen Olympischen Komitee mögen die Querelen bis heute noch vorbeigegangen sein. Vor allem am Fuß der Zugspitze, in Garmisch-Partenkirchen, braut sich allerdings eine Stimmung zusammen, die den Traum platzen lassen könnte.

Das ist erstaunlich und bedauerlich, denn trotz aller Bedenken haben die Münchner Pläne großen Charme. Bayern und Deutschland haben ein Herz für den Wintersport, das beweisen die endlosen Fernsehübertragungen an kalten Wintersamstagen. Und München hat im Doppelpack mit Garmisch-Partenkirchen das Zeug für schöne Winterspiele. Natürlich werden sie auch hierzulande hässliche Spuren in der Natur hinterlassen, sie werden viel Geld kosten und sind ein Abenteuer. Aber Olympia ist auch eine große Chance für die beteiligten Orte, Bayern und Deutschland. Unter dem Strich spricht mehr für die Bewerbung als dagegen.

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Aber niemand redet über den möglichen Gewinn, über ökologische Pläne, lang ersehnte Straßenbauprojekte und den Werbeeffekt. Die Bewerbungsgesellschaft hat den Gegnern tatenlos das Feld überlassen. Während das Bündnis NOlympia die Ängste der Menschen nutzt, um Widerstand zu organisieren, sind die Planer mit sich selbst beschäftigt. Sie bekommen die eigenen Fehler zu spüren.

Die Bewerbungsgesellschaft hat munter Wiesen in Garmisch-Partenkirchen für Olympia verplant, ohne mit den Eigentümern zu reden. Frei nach dem Motto: wird schon gut gehen. Tut es aber nicht. Bauern und Landeigentümer fühlen sich zu Recht von oben herab behandelt.

Olympia kann die Menschen begeistern. Die Spiele sind aber kein Selbstläufer und kühle Drohungen schüren nur die Ängste. Wenn München im Jahr 2018 tatsächlich die Welt begrüßen will, müssen die Befürworter mit Leidenschaft um die Herzen der Menschen kämpfen. Nur so können sie olympische Begeisterung entfachen. Nichts wünschen sich die entscheidenden Herren der Ringe mehr.

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