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11.01.2019

Ottmar Hitzfeld:Trainer-General und Gentleman

Er war einer der erfolgreichsten Fußballcoaches der Welt. Bodenständig, pflichtbewusst, diszipliniert. An seinen Tugenden aber hatte er schwer zu tragen. Nun wird er 70

Augsburg Wer Ottmar Hitzfelds Wesen erklären will, erzählt am besten die folgende Geschichte. Vor etwa 20 Jahren hat ein Kollege der Sportredaktion ein Interview mit einem schweizer Pfarrer geführt, einem engen Freund Hitzfelds. Der katholische Pfarrer hatte sich in eine Frau verliebt und die Kirche verlassen. Er bat den Sportkollegen das Interview auch seinem Trainerfreund zu schicken. Also ging eine Kopie an die Geschäftsstelle des FC Bayern. Bald darauf kam Post aus München. Hitzfeld gratulierte dem Kollegen handschriftlich zum gelungenen Interview. Alles Gute, Ottmar Hitzfeld.

Die Postkarte steht für die eine, empfindsame, respektvolle und vornehme Seite des gebürtigen Lörrachers, der seine Energie „aus der Kraft des positiven Denkens und dem täglichen Gespräch mit Gott schöpft.“ Es ist der Seelen-Ottmar, der sich auch als Trainerstar und mehrfacher Deutscher Meister mit Borussia Dortmund und dem FC Bayern, von einer Sache bewegt, zum Stift zu greifen. Der andere Hitzfeld in seiner Außensicht ist das Gegenteil des warmherzigen Schreiberlings. Ein preußischer Trainergeneral, der seine Formationen rational und kühl befehligt hat. Der in Interviews verbindlich aber oberflächlich blieb.

Ein stiller Ehrgeizling auch, der dem Erfolg so lange alles untergeordnet hat, Ärger und Konflikte ins sich hinein fraß bis Seele und Nerven streikten. 2004 erlitt er einen Burnout. Depressionen kamen dazu. Hitzfeld zog sich zurück. „Es war der Rhythmus in der unaufhörlichen Jagd nach Titeln. Ich war ein Getriebener, der die Pflicht oder die Erwartungen erfüllt, und nach zwei, drei Wochen Urlaub beginnt alles wieder von vorn“, gewährte Hitzfeld damals tiefe Einblicke in seine Gefühlswelt. Die Bayern trennten sich von ihm und gingen damit jenen Schritt, den der Erfolgsbesessene selbst nicht gehen konnte. Hitzfeld pausierte drei Jahre, lehnte sogar das Angebot ab, die deutsche Nationalelf zu trainieren ab. 2007 holte ihn der FC Bayern für eine erfolgreiche Spielzeit zurück. Es folgten sechs glänzende Jahre als Schweizer Nationaltrainer.

Niemand hätte dem Jüngsten von fünf Geschwistern eine solche Karriere zugetraut. Auch wenn der Vater, ein Zahnarzt, mit der Wahl des Vornamens, angelehnt an den 54er-Helden Ottmar Walter, die Weichen in Richtung Fußball gestellt hatte. Der kleine Ottmar, ein leichtgewichtiger Stürmer, entwickelte sich zum torgefährlichen Zweitliga-Spieler, mit einem Jahr Bundesliga für den VfB Stuttgart. Eine Führungsfigur war er nie. Eine Trainerkarriere war nach dem Ende seiner Spielerlaufbahn eher fern. Hitzfeld hatte Sport und Mathematik studiert und wollte Lehrer werden. Doch das staatliche Schulamt verlangte eine Nachprüfung. Verärgert darüber schlug er die Trainerlaufbahn ein. 2014 beendete er sie als einer der erfolgreichsten Vereinstrainer der Welt.

Bis vergangenen Sommer war er Fußball-Experte bei Sky. Jetzt ist der Vater eines Sohnes Rentner und dreifacher Großvater, lebt mit seiner Frau Beatrix in Lörrach und in Engelberg in der Zentralschweiz. Dort will er auch seinen 70. Geburtstag feiern. Klein und nur mit der Familie. Die Redaktion wünscht alles Gute.

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