Newsticker

Teil-Lockdown bis 10. Januar 2021 verlängert - Söder deutet Verschärfung an
  1. Startseite
  2. Sport
  3. Pflicht zum Liveticker: Jeder muss, fast keiner macht’s

Amateurfußball

10.11.2017

Pflicht zum Liveticker: Jeder muss, fast keiner macht’s

Liveticker vom Spielfeldrand: Der Bayerische Fußball-Verband hat das auch in den Jugendligen angeordnet.
Bild: Imago (Symbolbild)

Seit dieser Saison sind die Vereine verpflichtet, auch Spiele ihrer Jugendteams mit einem Liveticker im Internet zu begleiten. Die Begeisterung dafür hält sich in Grenzen.

Zwar jagen die Amateur- und Nachwuchsfußballer nach wie vor ganz traditionell auf den Sportplätzen dem Ball nach, das Drumherum jedoch verlagert sich zunehmend ins Internet. Statistiken, Videos, Fotos – alles wandert zeitnah ins Netz. Weil daran großes Interesse besteht, boomt beispielsweise auch das Online-Portal FuPa.net, das in Schwaben unter dem Dach der Augsburger Allgemeinen läuft. Aber auch der Bayerische Fußball-Verband (BFV) als Organisator des Spielbetriebs verlagert immer mehr seiner Aktivitäten ins Internet. Und spannt dabei die Vereine ein.

Bis zu den Bezirksligen der Männer und Frauen bestand für den Heimverein schon länger die Pflicht, den Liveticker auf der Verbandsseite zu führen. Zu Beginn der aktuellen Saison wurde dies auf alle Jungen- und Mädchenmannschaften ausgeweitet. Seitdem soll von allen Spielen der Jahrgangsstufe U13 aufwärts die Info in Echtzeit vom Platz ins Netz wandern.

„Hinter dem BFV-Liveticker steckt das Ziel, den bayerischen Amateurfußball möglichst vollständig abzubilden und attraktiv darzustellen. Auch im Jugendbereich nutzen mehr und mehr Vereine den BFV-Liveticker“, erklärt Pressesprecher Thomas Müther auf Anfrage und führt aus, dass der Wunsch nach einer Liveticker-Pflicht von Vereinsvertretern, aber auch von Eltern und Spielern an den Dachverband herangetragen wurde.

Manche Vereine verstecken ihre Spieler

„Grundsätzlich ist der Liveticker eine gute Sache, ich verschließe mich keineswegs dem Modernen“, sagt Klaus Wünsch, Jugendleiter beim FC Stätzling, der in Schwaben eine der erfolgreichsten Nachwuchsabteilungen unterhält. „Gerade bei den Erwachsenen hat sich der Ticker bewährt, und wir versuchen auch, bei den älteren Jugendjahrgängen den Liveticker zu führen. In den jüngeren Jahrgangsstufen bin ich aber vom Sinn nicht richtig überzeugt“, meint Wünsch, und sein Kollege Toni Pisanu, seit sieben Jahren für den Nachwuchs mit 200 Spielern bei der SpVgg Kaufbeuren in der Verantwortung, pflichtet ihm bei: „Ich versuche bei möglichst vielen vor Ort zu sein, aber wenn ich es nicht schaffe, bin ich wenigstens über das Smartphone auf dem Laufenden. Sofern getickert wird.“

Doch die Mitmachquote hält sich trotz der ausgerufenen Pflicht in Grenzen. Ganz besonders in Spitzenligen, in denen Profiklubs mit zum Teil hauptberuflichem Personal in eigenen Medienabteilungen vertreten sind. So wurden in der A- und B-Junioren-Bundesliga Süd/Südwest am zurückliegenden Wochenende jeweils nur eine Partie getickert, in der U19-Bezirksoberliga waren es zum Vergleich immerhin drei Spiele.

Hinzu kommt, dass Vereine ihre Spieler „verstecken“, wie es sogar der FC Augsburg in der B-Junioren-Bayernliga macht. Dann erscheint statt des Namens nur „k. A.“, was für „keine Angabe“ steht. „Wenn da jemand Angst hat, dass ihm sein Nachwuchsspieler abgeworben wird, dann ist das ein Irrglaube“, positioniert sich der Kaufbeurer Pisanu, „denn den Namen eines Talents bekomme ich auch ohne Veröffentlichung heraus.“ Den Verband wiederum stört es nicht, wenn Vereine die Kicker nicht öffentlich machen. Müther erklärt, dass es dem BFV vor allem um eine Live-Ergebnisübersicht geht.

Wenn ein Verein nicht tickert, kann ein BFV-Vertreter gegen Gebühr übernehmen - theoretisch

Einen Grund, warum im Jugendbereich die Mitmachquote gering ist, sehen Pisanu und Wünsch in der Mehrarbeit für die eingespannten Ehrenamtlichen im Verein. Und die Trainer sind mit der Betreuung ihrer Schützlinge genug gefordert, sodass die den Ticker als nicht machbare Mehrarbeit ansehen. „Andererseits“, so Pisanu, „kann ich die Aufgabe Eltern oder einem Spieler, der nicht zum Einsatz kommt, übertragen.“ Wobei hier die Haftungsfrage aufkommt. Was passiert, wenn Schiedsrichter oder Gegner verunglimpft werden?

Mögliche Strafen werden dann von den Sportgerichten gegen den Verein ausgesprochen. „Wir setzen zunächst mal auf die Vernunft der Livetickerer. Und das klappt sehr gut. Verunglimpfungen kommen glücklicherweise selten vor. Mit Beleidigungen schadet man ja nicht nur dem Schiedsrichter oder Gegner, sondern auch dem eigenen Verein. Wenn wir eine Meldung bekommen, wird so ein Eintrag umgehend vom Spielleiter gelöscht. Wir suchen dann das Gespräch mit dem Klub und der Fall lässt sich in der Regel schnell klären. Ansonsten behalten wir uns lediglich vor, sportgerichtlich aktiv zu werden“, erklärt Verbandssprecher Müther.

Im Raum steht zudem eine weitere „Strafe“, die vom BFV aber als „Servicegebühr“ betitelt wird. Wenn ein Verein wiederholt der Liveticker-Pflicht nicht nachkommt, kann ein eigens abgestellter Verbandsvertreter die Aufgaben übernehmen – und dafür wird die Gebühr fällig. „Das ist eine Kann-Bestimmung und wurde bayernweit bislang noch kein einziges Mal angewendet“, erklärt Müther und widerspricht damit sogar Verbandsmitarbeitern, die bei den zurückliegenden Sommertagungen durchaus noch das Wort „Strafe“ in den Mund genommen hatten. Stattdessen wolle der BFV auf Kommunikation setzen. „Wir versuchen, wenn vorhanden, Berührungsängste und Skepsis abzubauen“, so der vom BFV scheidende Müther.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

10.11.2017

Die Welt ist netzverrückt. Warum nicht gleich nur noch im Internet spielen. Toll wenn die U16 von Interholzhausen mit 2 Interessierten im Live-Ticker das 16:0 gegen Klopfholzhausen ins Netz stellen soll. Hurra es lebe die Einsamkeit der Zurückgebliebenen nicht Livegucker. Viele Grüße Euer Beinschuß

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren