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Fußball

22.06.2020

Poker um TV-Rechte: Bundesligaklubs müssen Einbußen hinnehmen

DFL-Boss Christian Seifert verkündete das Ergebnis des Wettbietens um die TV-Rechte an der Bundesliga.
Bild: Arne Dedert/dpa Pool/dpa

Sky, DAZN und Sat.1 teilen sich bis 2025 die Rechte an der Bundesliga. Finanziell ist der Trend rückläufig, die Klubs erhalten noch über vier Milliarden Euro.

Anfang März, sozusagen am Vorabend des Ausbruchs der Corona-Pandemie, hatte DFL-Chef Christian Seifert in die Zentrale der Deutschen Fußball-Liga geladen. Thema waren die Medienrechte an der Bundesliga. Die Ergebnisse der Auktion hätten am 11. Mai eigentlich der Öffentlichkeit präsentiert werden sollen. Und eigentlich hatte man sich insgeheim auch eine erneute deutliche Steigerung als Ergebnis des Wettbietens erhofft - wenn auch keine um über 80 Prozent wie bei der letzten Vergabe, die für vier Saisons 4,64 Milliarden Euro einbrachte - 1,16 Milliarden pro Saison. Eigentlich. Dann kam Corona.

An diesem 22. Juni nun verkündete Seifert mit einiger zeitlicher Verzögerung das Ergebnis der aktuellen Auktion: Künftig werden Sky, DAZN und Sat.1 die Bundesliga zeigen. Den 36 Profi-Klubs spült das ab der Spielzeit 2021/22 etwas weniger in die Kasse, Seifert sprach von "einem kleinen Rücksetzer". Der DFL-Boss verkündete, dass künftig 1,1 Milliarden Euro pro Saison ausgeschüttet werden, insgesamt liegt die Summe bei etwa 4,4 Milliarden Euro. Seifert betonte: "Es ist ein ordentliches Ergebnis, das sich sehen lassen kann in diesen Zeiten." Für die Bundesliga, die zu einem erheblichen Teil auch von potentiell sinkenden Sponsorengeldern abhängig ist, bedeute die Corona-Pandemie aber einen Einschnitt: "Die Rahmenbedingungen für den Profi-Fußball werden andere sein" - nicht nur, was die finanziellen, sondern organisatorischen Bereiche angeht. Seifert erwarte einen "ziemlich harten Transfer-Sommer" für die Klubs. Wichtig sei es nun, für die Klubs eine Risiko-Vorsorge zu erstellen.

Für den TV-Zuschauer bedeutet das ganz konkret: 200 Ligaspiele werden bei Sky zu sehen sein - der bisherige Platzhirsch sicherte sich die Live-Pakete A, B, C und F. Ein existenzbedrohendes Szenario nach dem Verlust der Champions-League-Rechte an DAZN und Amazon ab 2020 konnte der Münchner Sender aber abwenden. Weitere 106 Partien sind beim Streaming-Anbieter DAZN zu sehen, der das D-Paket erworben hat.

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Ab 2021 kommen fünf Bundesligaspiele mehr im Free-TV

Die Überraschung machte schon am Montagvormittag die Runde: Nicht etwa die Telekom, die bereits die Rechte an der EM 2024 hat oder Amazon, das nach dem Re-Start der Bundesliga einzelne Partien gezeigt hatte, ist der dritte Inhaber eines Paketes - sondern ProSiebenSat.1 gibt ein Comeback in der Bundesliga-Berichterstattung. Der Privatsender, der in den 90ern mit "Ran" die Fußball-Berichtertstattung umkrempelte, darf pro Saison neun Spiele im Free-TV zeigen. Zu den Begegnungen gehören der Supercup sowie Erstliga-Partien am 1., 17. und 18. Spieltag, die bis Ende der kommenden Saison beim ZDF laufen. Neu im Free-TV-Paket sind vier Relegationsspiele und das Auftaktspiel der 2. Bundesliga.

Wer die Bundesliga live im TV sehen will, benötigt damit keine neuen Abos: Sky und DAZN teilen sich nach dem Aus von Eurosport, das die Rechte an den Streaming-Dienst weitergegeben hat, bislang schon die Rechte an der Bundesliga. Die Traditions-Formate Sportschau in der ARD und Aktuelles Sportstudio im ZDF dürfen weiterhin bis 2025 Zusammenfassungen der Spiele im Free-TV zeigen. Sport1 zeigt zudem das Topspiel der 2. Bundesliga, das künftig am Samstag um 20.30 Uhr steigen wird, im Free-TV. Die Rechte an der Live-Berichterstattung an der zweiten Liga hat weiterhin Sky inne.

Ab Sommer 2021 gibt es keine Montagsspiele, aber neue Anstoßzeiten

Außerdem ändert sich bei den Anstoßzeiten einiges: Ab Sommer 2021 gibt es keine Montagsspiele mehr, auch der Anstoßtermin am Sonntag um 13.30 Uhr entfällt. Künftig soll am Sonntagabend um 19.30 Uhr gespielt werden. An einem regulären Spieltag soll künftig um 15.30 Uhr und 17.30 Uhr (statt wie bisher 18 Uhr) angepfiffen werden – und zehnmal pro Saison auch um 19.30 Uhr. Auch in der 2. Liga wird es künftig keine Montagsspiele mehr geben: Stattdessen wird im Unterhaus ab der Spielzeit 2021/22 am Samstagabend um 20.30 Uhr angepfiffen. Zwei Spiele finden zudem am Freitag um 19.30 Uhr statt sowie je drei am Samstag und Sonntag um 13.30 Uhr.

Beim FC Augsburg kamen 2018/19 fast 60 Millionen Euro aus dem TV-Vertrag

Für die Bundesliga-Klubs ist der TV-Vertrag die wichtigste Einnahmequelle: Laut Seifert stammen 25 Prozent der Gesamteinnahmen der Bundesligaklubs aus dem TV-Topf, für zwei Drittel der Vereine sind die Fernsehgelder sogar mindestens ein Drittel der Einnahmen. Vor allem bei kleineren Vereinen ist die Abhängigkeit von den TV-Geldern groß. Der FC Augsburg zum Beispiel wies in der Saison 2018/19 Gesamteinnahmen in Höhe von 94,88 Millionen aus – 58,72 Millionen Euro stammten dabei aus dem TV-Vertrag.

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22.06.2020

1,1 Milliarden pro Saison (nicht Jahr) für Fussball. Bei Sky, DAZN und Sat1 sollte auch nachgefragt werden was sie für ihre Mitarbeiter getan haben während dem Corona Shutdown.

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